Stiftung Jesus-Christus-Kirche 

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Vom Gericht und Kirchspiel Meinerzhagen

1. Absatz

Vom Kirchdorf1

§ 1

Meinerzhagen ist ein groß und volkreiches Kirchdorf, und macht mit dem Kirchspiel ein eigen Gericht aus, welches dem Landesherrn zugehört.

Es liegt dieses Dorf in einer guten Gegend, theils im Grunde, mehrentheils aber auf einer Höhe, an der Neustädtschen Grenze und gehet die Landstraße, welche von Cöln nach Cassel, Leipzig u. f. führet, durchs Dorf.

Es haben zwar die Kirchspiels=Eingesessenen überflüßige Ländereien, es bringen aber dieselben ausser wenigem Rocken nur Hafer herfür, doch kann der Rocken vor einen billigen Preis vom Rhein und aus den Gegenden zwischen der Ruhr und Lippe beigeschafft werden.

Wegen der guten Weide und Wiesengründe nähren sich die Einwohner zwar mit von der Viehzucht und Fuhrwerk, es wird aber auch viel handlung mit Eisen und sonst betrieben.

Von dem Namen des Orts wird folgendes erzählet.

Als in alten Zeiten die hiesigen Gbebürge mit Sträuchen und Büschen (welche man hieselbst Hagen zu nennen pfleget) bewachsen waren, bauete ein Einsiedler mit Namen Meinhard in denselben eine Kapelle, wohnte bei derselben, nährete sich von den Geschenken derjenigen, welche diese Straße zogen und da bakam der Ort den

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Namen Meinhardshagen. Da nun in den folgenden Zeiten bei dieser Kapelle alle verschiedenen Häuser gebauet wurden, und die Noth es endlich erforderte, eine neue Kirche zu bauen, wollte man zwar dieselbe anfänglich an die Stelle, welche noch im Tempel heißt, setzen, es wurde aber der Vorsatz geändert und die Kirche an denjenigen Ort bebauet, wo die Kapelle stand, und da hat der Ort den Namen Meinhardshagen, nach jetziger Mundart Meinertzhagen, behalten.

§2

Was das Religionswesen betrifft, so ist fast das ganze Kirchspiel der Ev.-Luth. Religion zugethan. Von der Zeit aber und welchergestalt hieselbst die Reformation vorgenommen worden, davon schreibt der Pastor Sohn also:

Der letzte Röm. Catholische Pastor hieß Mathias Strobecker, zu dieses Zeiten ist folgender Gestalt die Reformation angefangen worden.

Im Jahr 1567 wurde die Schule zu Unna durch die Pest verwüstet. Weil nun Friedrich Beurhauß von Imbecke aus dem Kirchspiel Meinerzhagen bürtig, dero Zeit Rector in Unna war, aber keine Schüler mehr hatte, kam er nach Meinerzhagen und lebte bei den Seinigen. Im Jahre 1573 trug ihm die Gemeine zu Meinerzhagen die Vicarie an, da er nun solche Bedienung annahm, fing er an, öffentlich und insbesondere der Gemeine die Lehrsätze der Luth. Kirche vorzutragen und brachte den größten Theil derselben auf seine Seite.

1 Im Jahr 1740, d. 28. Aug. hat Johann Adam Sohn, Prediger zu Meinerzhagen, über den Spruch 2. Cor. 5,20 seine Antritts=Rede gehalten und solche zu Mühlheim am Rhein bei den Pröppers Erben auf 11 Bogen in 4. Drucken laßen. Dieser Predigt ist auf einem Bogen beygedruckt worden: Kurze Überschrift von dem Zustand der Gemeine zu Meinerzhagen, wie dieselbe = 1573 zur wahren Ev.-Luth. Religion erleuchtet worden; sammt einem richtigen Verzeichniß aller Ev.-Luth. Richter, Prediger und Schulbedienten daselbst etc. Da nun aus dieser Nachricht der größte Theil von demjenigen, was ich hier mittheile, genommen ist, soll nicht mir, sondern besagtem Herrn Pastor Sohn davor der billige Dank gebühren.

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Der Römisch Cath. Pastor Strobecker suchte zwar solches anfänglich mit seinem geringen Anhang zu hindern, er konnte aber nichts ausrichten, um so viel weniger, weil Beurhauß den damaligen Richter Peter Wever auf seiner

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Seiten zum Beistand hatte.

Durch seinen baldigen Wegzug nach Dortmund befürchtete zwar sein Anhang einen großen Schaden, wie aber sein Nachfolger in der Vicarey, Gottfrid Zimmer (auch Goddert Zimmermann geheißen) von Redtlendorf aus dem Kirchspiel Meinerzhagen bürtig, in seine Fußstapfen trat, wurde die Evang. Lehre noch mehr befestigt.

Als dieser Zimmer, mit Bewilligung des damaligen Drosten Lapp anfing, die Messe deutsch zu singen, und solches seinem damaligen Pastor Strobecker auf seinem Krankenbette hinterbracht wurde, sprach er: Lasset ihn frei singen, ich habe zu Ende gesungen; wie er dann auch bald darauf, nämlich 1583 in die Ewigkeit ging.

Kaum war dieses geschehen, so berief die Gemeine zwar solgleich einen Ev. Luth. Pastor, mit Namen Friederich Hase, Henrich Hasen als Schulzen zu Meinerzhagen Sohn, damit er sich aber in den Lehrsätzen der Ev. Luth. Kirche recht fest setzen möchte, schickten sie ihn nach Rostock, zu Meinerzhagen aber wurde auf Anpreisung des Zimmers Christoph Bechius aus Meissen, welcher mit Zimmer in Wittenberg studiert hatte, angenommen, daß er bis zur Wiederkehr des Hasen die Dienste besorgen sollte. Kaum war dieser angekommen, so wurde zu mehrerer Befestigung der reinen Lehre, die Messe ganz abgeschafft, und die bishero noch widrig gesinnte durch die freundliche Behandlung des Zimmeri und des Bechin gleichfalls bewogen, die Ev. Luth. Lehre anzhunehmen.

Im Jahre 1586, als F. Hase von Rostock zurück kam und die Bedienung selber antrat, blieb zwar Bechius noch einige Monat zu Meinerzhagen und bediente die Schule, wie ihm aber der Beruf als Pastor nach Rönsahl zugeschicket

Wurde, er auch solchen annahm, mußten Hase und Zimmer zu Meinerzhagen die Gemeine allein bedienen, welches sie denn auch mit vieler Treue thaten, den Catechismum Lutheri mit der Jugend fleißig trieben und große Erbauung schafften.

Im Jahr 1612, als die erste allgemeine kirchliche Versammlung der Ev. Luth. Prediger aus der Grafschaft Mark in Unna gehalten wurde, haben von Meinerzhagen Friederich Dasypodius (das ist dieser Hase) Pastor und G. Zimmer, Vicarius, das Glaubensbekenntniß angenommen und unterschrieben.

Da nun dieses gewiß, und die Nachricht davon in unserem Bekenntniß=Buch zu finden ist, auch, wie aus dem Obeerzählten zu sehen, Hase und Zimmer von 1586 bis 1612 diese Gemeine bedient haben, so habe ich mich über den Verfasser des so genannten

„Kurzen und wahrhaften Berichts der Differentien zwischen den Häusern Brandenburg und Neuburg wegen des Religions=Wesens“ verwundern müssen, daß er die Dreistigkeit gebraucht hat, wider eine so klare Wahrheit, Seite 49 zu schreiben:

„Im Jahr 1609 sei in dieser Kirche noch der Röm. Catholische Gottesdienst gewesen.“

Als im Jahre 1619 der Tod den G. Zimmer wegenahm, bekam zwar Hase an Diederich Nippel, von Lennep bürtig, einen treuen Gehülfen, wie der aber nicht lange lebte, auch sein Nachfolger Diederich Cöller oder Cöler, wegen der großen Kriegs=Unruhe 1636 den Beruf als Diaconus an St. Nicolaus = Kiche in Dortmund annahm, blieb die Vicarey = Bedienung un-

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Besezt, und mußte der Pastor Hase der Gemeine allein vorstehen. Weil aber wegen seines hohen Alters auch seine Kräfte abnahmen, setzte ihm die Gemeinde im Jahr 1638 den bisherigen Stadtprediger zu Lüdenscheid, Johann Lemmer, von Meinerzhagen bürtig, mit der Bedingung bei, daß er vorerst dem Hasen beistehen, nach seinem Absterben aber demselben in der Pastorat folgen sollte. Dieses war am 28. Novemb. Besagten Jahres kaum zur Richtigkeit gebracht worden, so legte Hase etliche Wochen hernach, nämlich d. 1. Jannuar 1639, die sterbliche Hülle ab, da denn zwar Lemmer die Pastorat = Bedienung antrat, doch mußte er wegen der kümmerlichen Zeiten die Vicarey bis 1648 mit verwalten.

Es war aber kaum in diesem Jahre durch den Westphälischen Friedensschluß die längst erwünschte Ruhe hergestellt worden, so erwählte diese Gemeine den Johann Schübbe, von Wetter bürtig, zu ihrem Vicario, und ließ ihn den 19. Febr. 1649 zu Dortmund von Christoph Scheibler ordiniren.

Als im Jahr 1657 d. 20. Febr. J. Lemmer im 47. Jahr seines Alters verstarb, wurde zwar der bisherige Vicarius Schübbe von den meisten Gliedern der Gemeine wieder als Pastor erwählt, weil aber einige aus der Gemeine den Prediger zum Hämmgen im Clevischen gelegen, berufen, und vor ihn bei der Landesregierung erschlichen hatten, entstund ein schwerer Prozeß, zuletzt siegte doch die größere Parthei. Wie nun Schübbe 1659 als Pastor eingesetzt, also wurde in eben dem Jahr Johann Engelbert Lemmer, Johanns Sohn, als Vicarius berufen und den 25. Mai ordinirt.

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Im Jahr 1698 den 18. Febr. ist J. Schübbe im 73. Jahr seines Alters im Herrn entschlafen. Wie ihm nun J. F. Lemmer in der Pastorat folgte, wurde 1699 Johann Flues von Breckerfeld wieder als Vicarius ernannt und den 22. November in der Kirchen zu Meinerzhagen durch den Inspector Mantz ordinirt.

Im Jahr 1707 den 23. Februar folgte der Pastor J. F. Lemmer seinen Vätern nach in die Ewigkeit, als er sein Leben auf 68 Jahr und 16 Wochen gebracht hatte, worauf als J. Flues die Pastorat bekam, Johann Christoph Sohn2 als Vicarius berufen und den 20. Junius zu Hagen durch den Inspector Emminghauß ordinirt worden ist.

Im Jahr 1710 d. 21. Febr. verstarb J. Flues im 39. Jahre seines Alters. Als darauf die Gemeine den 7. März J. C. Sohn als Pastor ansetzte, berief sie zugleich Johann Bernhard Rövenstrunck, Diederich Hermans Pastor zu Kierspe Sohn zum Vicario und ließ ihn zu Hagen den 1. Mai durch eben gemeldeten Inspector Emminghauß ordiniren.

Dieser ging 1713 als Prediger nach Altena und bekam hier zum Nachfolger Johann Kayser von Kierspe bürtig, welche in eben dem

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Jahr am Festtag Bartholomäus, war der 24. August, in der Kirchen zu Meinerzhagen durch den Inspector Emminghauß zu seinem Amte eingesegnet wurde. Im Jahr 1740 den 19. Januar ist J. C. Sohn im 59 Jahr seines Alters in seinem Erlöser entschlafen, als er das vorige Jahr 1739 den 22. Juli als Inspector über die Evang. Luth. Kirchen in

2 Christian Sohn, Kaufmann im Bredenbruch, Kirchspiel Libberhausen, Ϯ1699, 10. Febr., Ux. Agnes Bredenbruch, Ϯ1706, 5. März; Johann Christoph, g. 1681 d. 13. Apr., ux. Engelberta Margareta, Herman Polman, Predigers zu Leichlingen Tochter.

Johann Adam, Pastor erst zu Meinerzhagen, itzo zu Schwelm; Johan Christoph, Pastor zu Meinerzhagen; Sophie Margret; Anna Maria Gertrud

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der Grafschaft Mark erwählt war. Sein Collega, Johann Kayser, hat ihm über die Worte Ezech. 44, 28, welche der Verstorbene selber kurz vor seinem Abschiede bestimmt hatte, die Leichen Rede gehalten, welche nachhero beneben den Abdankungs = Reden gedruckt worden ist. Auf seinem Grabstein, welcher in der Kirchen auf dem Chor zu sehen ist, stehen diese Worte:

Anno 1740 d. 19. Jan. ist der Hochehrwürdige

In Gott Andächtige und Hochgelehrte Herr

Johann Christoph Sohn, Bev. Minist. In-

spector und Pastor hieselbst im Herrn

entschlafen, seines Alters 58 Jahr 9

Monat, seines Ehestandes 30 und seines

Lehramts 33 Jahr.

Nach dieses Absterben ist auf Königlicvhe Allergnädigste Verordnung die Gleichheit unter den Predigern hieselbst festgesetzt, und der bisherige Vicarius J. Kayser zum ersten, Joh. Adam Sohn aber zum zweiten Prediger erwählt, dieser auch also den 21. August, war der 10. Sonnatg nach Trinitatis, zu Meinerzhagen in der Kirchen durch den Inspector Mollenhof ordinirt worden.

Als J. Kayser 1742 die sterbliche Hülle ablegte, und die Gemeinde den Johann Christoph Sohn als zweiten Pastor wieder erwählte, wurde derselbe den 7. Mai 1744 am Festtag der Himmelfahrt Christi durch den Inspector Erich in der Kirchen zu Meinerzhagen ordinirt.

Im Jahre 1749 ging J. A. Sohn als Pastor nach Schwelm, da dann zwar die Gemeine Johann

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Gottfried Westhoff, bisherigen Pastor zu Bosenhagen wieder berief, der auch den Beruf annahm und am 3. Sonntag nach Trinitatis des 1750. Jahrs seine Anzugs=Predigt hielt, weil er aber den 9. Agust wieder seinen Geist aufgab, wählte die Gemeine den 8. November Johann Wilhelm Dümpelmann von Hoerde, und diesen habe ich am 6. December, war der zweite Advents = Sonntag ordinirt.

§ 3

Von kirchlichen Gebäuden finden sich hieselbst:

I. Die Evang. Lutherische Pfarrkirche, liegt auf einer Höhe, ist groß und in gutem Stande. Der Thurm, welcher eine mit Blei gedeckte schöne Spitze und drei Glocken hat, gibt derselben eine treffliche Zierde.

In welchem Jahr dieselbe erbaut sei, ist nicht bemerket, daß sie aber im jahre 1474 vergrößert und aus milder Schenkung dreier Junggesellen aus Cöln das gegenwärtige Chor daran gebaut worden, weiß man.

Vor der Reformation ist diese Kirche vor eine Pfarr= und Mutterkirche gehalten worden, deren Patronin die H. Jungfrau Maria gewesen, wie sie dann in den ältesten Nachrichtenh genennet wird, Unser Liewen Vrouwen =Kirche tho Meinertzhagen.

In dieser Kirchen sind vor Zeiten nicht nur die umliegenden Kirchspiele zu einer gewissen Zeit im Jahre Processionsweise gekommen, und haben die Heiligthümer, welche in dem heiligen Hause, welches auf dem Kirchhof gestanden hat, verwahrt wurden, verehrt, sondern es ist auch jährlich eine große Procession von Cöln hiehin gekommen, davon noch das Andenken durch einen gewissen Weg, zwischen dem Kloster Marienheide und

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Meinerzhagen gelegen, und das Mönchspfädchen geheißen, welchen die von Cöln

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Kommende Procession gehalten hat, unterhalten wird.

Weil man auch vor Zeiten aus dieser Kirchen durch das Kirchspiel eine große Procession gehalten und bei den großen Linden, deren ehenden 7 gewesen sind, die gewöhnlichen Ceremonien gehalten hat, so hat noch davon ein Weg am Rothenstein den Namen, Unser lieben Frauen Weg behalten.

In dieser Kirchen ist eine schöne Orgel; von Vicarien finden sich

a, der H. Jungfrauen Marien

b, St. Salvators

c, St. Nicolaus

d, St. Johannes des Täufers

e, der H.H. Aposteln Peter und Pauls

welche von den Predigern und übrigen Kirchenbedienten genutzet werden.

Die Gemeine hat das Wahl=Recht über beide Pastorat=Stellen.

II. Die Kreizkapelle, welche nahe am Dorf gegen Abend gelegen hat, ist weg.

III. Bei dem Hof zur Wiebelsath hat neben einer großen Linden gleichfalls eine Kapelle gestanden; es ist aber davon nichts weiter, als nur die Nachricht vorhanden.

IV. Die Eveang. Luth. Kirchspielsschule im Kirchdorf, da nun diese vor vielen Schulen auf dem paltten Lande von Anfang der Refomation bis hierhin mit geschickten Lehrern versehen gewesen, so aht vorgemeldeter J. A. Sohn ihr Andenken nicht unrecht folgender Gestalt unterhalten wollen.

1) Christoph Bechius davon vorhin. Dieser wird in dem Kirche=Protocoll zu Rönsahl Schuldiener zu Meinerzhagen genennet.

2) Johann Huck, aus der Gemeine bürtig, ist zur Zeit des Pastor Hasen Schuldiener hieselbst gewesen, hat aber abgedanket. Im Jahr 1650 lebte er noch, da er den 14. März bei

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einem Zeugenverhör aussagte, daß er fast 100 Jahr alt sei.

3) Conrad Fabricius, von Dortmund, kam an seine Stelle, diesem folgte

4) Abraham Boddinkhaus, dieser hat das Bekänntniß unserer Evang. Luth. Gemeine in der Grafschaft Mark unterschrieben, und nennet sich Scholae Meinertzhagensis Ludimagister. Eben dergleichen hat sein Nachfolger

5) Johann Ewinghaus im Jahre 1651 gethan. Als dieser wegen seines Alters 1657 seiner Dienste entlassen wurde, ist

6) Casoar Erdmann, von Mülhausen aus Thüringen bürtig, am 16. December berufen worden. Ihm folgte

7) Wilhelm Sartorius, von Saxenhausen aus der Grafschaft Waldeck bürtig, welcher, als er den 27. Junius 1660 hierhin berufen wurde, darauf den 25 Julius unser Bekenntnißbuch also unterschrieben hat: W. Sartorius, Saxenhauso Waldeccensis, pro tempore Ludimoderator apud Meinerzhagenses. Als er 1665, den 11. Februar Vicarius zu Eckenhagen wurde, kam an seine Stelle

8) Henrich Melchior Leonhardi, Wennemars, Stadtpredigers in Unna Sohn, und wie dieser 1668 verstarb, ist

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9) Conrad Weiland, aus Meinerzhagen, angesetzt worden. Wie dieser 1682 seine Bedienung niederlegte, und sein Nachfolger

10) Werner Schlun, aus Lippstadt, in sein Vaterland zurückkehrte, hat der hiesige Vicarius

11) Johann Engelbert Lemmer die Schule so lange verwaltet, bis sein Sohn

12) Kanth. Abraham Lemmer den Dienst an

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treten konnte, welcher darauf bis 1730 dem Schulwesen vorgestanden hat. In diesem Jahr aber ist

13) Johann Conrad Bährens, aus Minden bürtig, von der Universität Halle hierhin berufen, und ihm der Titel als Rector gegeben worden.

V. Das Hospital, am Kirchofe gelegen, ist zum Nutzen der Armen gewidmet.

2. Absatz

Von den zum Kirchspiel gehörigen Rittersitzen und Adelichen Häusern

1. Badinkhagen

Dieser Rittersitz, welcher auch Banickhagen, Baninkhagen, Baddichhagen und Badinckhagen in alten Nachrichten genannt wird, liegt eine halbe Stunde vom Kirchdorf nach Mittag, im Grunde an der Agger, und ist ein Lehn von der Abtey Werden an der Ruhr, doch nur auf die zweite Hand lehnrührig. Das Haus ist zwar alt und schlecht, es gehören aber dazu schöne Waldungen, auch weitläuffige Jagden über grob und klein Wild.

Vor Zeiten hat dieses Haus der Familie von Badinkhagen zugehört, und ist ohne Zweifel das Stammhaus davon, nachhero hat es denen von Karthausen zugehöret. Als aber Friedrich von Neuhoff gen. Ley, Cammer=Präsident zu Cleve, alle seine Güter im Amt Neustadt, als die Häuser Ley, Mühlenbach und Gervertzhagen an den Grafen von Schwarzenberg verkaufte, hat er dieses Gut mit Willen Jacobs v. Karthausen aus der Schuldner Händen an sich gebracht.

Im Jahr 1708 den 5. Mai ist es durch Heirath Maria Anna Josepha von Neuhoff gen. Ley an

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Matthias v. Nagel aus dem Hause Itlingen, dessen Wappen Tab. XLII, Num. 2 zu sehen ist, Herrn zu Herl kommen, dessen Nachkommen es noch besitzen.

Von der Familie von Badinkhagen, welche längstens ausgestorben ist, habe ich in Briefen auf dem Hause Schwarzenberg gefunden, daß gelebt haben 1363 Johann v. Badinkhagen, Gem. Elsaben, Herbard von Müllenbecke Tochter. Eben dieser Johann steht daselbst aufs Jahr 1366. Weiter habe ich nichts gefunden, das Siegel ist zu sehen Tab. XXXII, Num. 5.

2. Listringhausen

Dieses Schloß liegt drei viertel Stunden vom Kirchdorf nach Mittag, an den Grenzen des Amts Neustadt, auf einer angenehmen Höhe, und ist, nachdem das alte Haus durch Feuer verwüstet worden, das gegenwärtig schöne Schloß vor einigen jahren wieder aufgebaut worden.

Als Se. Churfürstliche Durchl. Zu Brandenburg im vorigen Jahrhundert dieses Haus vor einen Rittersitz erklärt, auch Friedrich v. Neuhoff gen. Ley, im Jahre

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1634 den 13. Octob. Mit den Eingesessenen des Kirchspiels Meinerzhagen gegen Erlegung von 700 Rthlr. dahin gehandelt hatte, daß sie diesem und dem Hause Neuhauß die Adeliche Freiheit auf ewig zugestanden, hat die Grafschaft Märkische Ritterschaft 1645 den 21. Oct. Beschlossen, daß, weil der v. Neuhoff gen. Ley von dem Hause Gervertzhagen, welches mit dem Amte Neustadt an

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Den Grafen von Schwarzenberg kommen war, nicht weiter zu den Landtagen könne verschrieben werden, solche Verschriebung von dem Hause Listringhausen künftig geschehen sollte. Und solcher Gestalt ist dieses Haus ein Adelicher Rittersitz geworden.

Es gehören dazu viele Waldungen, und eine weitläufige Jagd=Gerechtigkeit. Der gegenwärtige Besitzer ist Friedrich Sigismund v. Neuhoff, gnt. Ley.

3. Neuhauß

Zwischen Meinerzhagen und Listringhausen im Grunde, nicht weit von diesem gelegen. Das Haus ist zwar kein Rittersitz, doch sind die dazu gehörigen Güter Adlich frei und mit zu Listringhausen verlegt worden.

3.Absatz

Von den zum Kirchspiel gehörigen Bauerschaften und übrigen Merkwürdigkeiten

§ 1

Die Gemeine zu Meinerzhagen, welche ein besonder Königlich Gericht ausmacht, und sich in der Länge zu drei, in der Breite aber zu drei Stunden erstreckt, gegen Morgen an die Valbert und Herscheider, gegen Mittag an die Libberhauser und Mühlenbacher, gegen Abend an die Lüdenscheider Gemeinen grenzt, wird in drei Bauerschaften eingetheilt, nämlich die

1. Die Osterbauerschaft, welche aus zwei Theilen besteht, dazu gehören zum ersten Theile alle Höfe, so diesseit, zum anderen alle Höfe, so jenseit des Rothensteins an den Grenzen des Kichspiels Her scheid

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gelegen sind.

§ 2

Sonst ist in diesem Kirchspiel noch Folgendes zu bemerken:

1. Es hat dieser Ort die Ehre, daß er besonders zwei grund gelehrte Leute hervorgebracht hat, nämlich

a) Friedrich Beurhaus, dessen Leben und Schriften R. G. Rolle in seinen Memoriis Tremoniensibus beigebracht hat

b) Friedrich Dasypodius, 3ein Vetter des Pastors Friedrich Dasypodii oder Hasen, ist im Dorf Meinerzhagen auf dem Mühlenhof (der Ort ist noch vorhanden und heißt der Mühlenteich) im 16. Jahrhundert geboren worden, und daher ist es kommen, daß ihn H. ab Hövel in seinem Speculo Westphaliae Meinertzhagensem nennt,

3 Als Respondus hat er vertheidigt: Positiones de actinonibus ad persequenda legata competentibus. Darunter steht Frid. Dasipodius Meinertzhagensis

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andere aber gleichfalls nicht unrecht gethan haben, wenn sie geschrieben, er sei von Mollenhawen, aus der Grafschaft Mark, bürtig gewesen. Ich habe von ihm gesehen

1. Disp. De iurisdictione, die er 1586 zu Basel gehalten, und Diederich v. und zu der Reck zugeschrieben hat, darinnen nennt er

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Sich Müllenhavio Meinertzhagensem.

2. Disp. De iure accrescendi, welche er 1589 bei Annehmung der Doktorwürde gehalten hat.

3. Centuria thesium miscellanearum ex utro que iure sparsim desumptarum. Helmstadii

4. Ap. Jacob Lucium, 1594.4

Daß er Professor zu Helmstädt gewesen und des ersten Ev. Luther. Abts zu Marienthal, Caspar Schösgen, Tochter geheirathet habe, meldet Maibaum.

2. Im Jahr 1640 den 15. Octob. Kam des Königs von Dänemark Christian IV. natürlicher Sohn, Christian Ulrich Baron von Güldenlowe, mit einem Regiment Soldaten, welches er zu Dienst des Königs von Spanien angeworben hatte, in Meinertzhagen an, und nahm daselbst sein Nachtquartier. Weil nun die Staatischen davon Nachricht bekommen hatten, kamen sie am 16. October mit 600 zu Pferde und 400 zu Fuß bei anbrechendem Tage ins Dorf, besetzten die Pässe und ruinirten das ganze Regiment. Der Obrist, Baron von Güldenlowe, welcher sich auf den Kirchhof retirirte, wurde daselbst mit zwei Kugeln erschossen, und bis aufs Hemd ausgezogen, auch blieben 14 Reiter todt, welche alle auf dem Kirchhof, der Obrist aber in die Kirche begraben wurde. Bei dieser Gelegenheit haben die Staatischen große Beute gemacht.

3. Im Kirchspiel Meinertzhagen entspringen

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viel Flüsse als

a. Die Volme entspringt in der Ostbauerschaft, bei dem Hof zur Volme, und hat davon den Namen. Dieser fischreiche Fluß ist wegen der vielen Mühlen, auch der Osemund, Platen und Rohen Stahlhammer sehr nützlich. Er fließt gegen Mitternacht, und fällt, nachdem er viel andre Bäche verschlungen hat, unweit Marien Herdicke bei des Schulzen = Hof zu Husen in die Ruhr.

b. Die Agger, welche nicht weit vom Haus Badinkhagen entspringt, läuft gegen Mittag durch das Neustadt= und Bergische in die Sieg.

c. Die Lister, ein kleiner Bach, quillt bei dem Rothenstein und fließt gegen Morgen durch das Kirchspiel Valbert und Herzogthum Westphalen in die Lenne.

d. Noch entspringen viel kleine Flüsse hieselbst, als die Genkel, so bei dem Hof Genkel entspringt, und am Ende des Kirchspiels in die Agger fällt, Grotmicke, Hoost, Schleipe, Sichte, Schmiedebecke, Wese, Wiebelsaat, welche in die Volme fällt, und andere mehr.

4. Eine Stunde von Meinertzhagen nach Osten liegt der Rothestein, ein überaus groß und hohes Gebirge, von welchem man in weit entlegene Länder fahren kann. Den Namen führt es von der roten Kupfererde, von welcher im Sommer die Reisenden grüne Schuhe zu bekommen pflegen.

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5. In der Genkeler Bauerschaft, bei dem Hof Sundthellen, ist vor Zeiten ein Kupfer = Bergwerk gewesen, es ist aber, weil es nicht ergiebig genug, deferirt worden.

6. In den Jahren 1631 bis 40 hat das Kirchspiel von Krieg und Pest viel gelitten.

7. Im Jahr 1648, als nicht weit von der Kirchen einige Häuser verbrannten, hat die Kirche und das Schulhaus großen Schaden gelitten.

8. Se. Churf. Durchl. Zur Pfalz haben zu Meinerzhagen, Breckerfeld und Halver von gewissen Leuten Güter und Gefälle, die zu einer gesetzten Zeit in Rader Gelde und schwerer Münze, nachdem am 25. Januar 1582 ausgegangenen Münzecict bezahlt werden müssen.

Diese Gefälle können die Bergischen Richter vor sich einfordern, die Säumigen pfänden und die Pfänder an den Bergischen Gerichten losschlagen, wie dann noch den 11. Mai 1661 durch die Churbrandenburgischen und Churpfälzischen Abgeordneten darüber in Essen ein Vergleich gemacht worden ist. Es wurde zwar bei dieser Gelegenheit eine Austauschung inVorschlag gebracht, sie kam aber nicht zu Stande.

Vallet Seufzer des seligen Hr. Pastor Sohn, als er nach Schwelm gehen wollte.

1. Nun, so sag ich gute Nacht, leg den Hirtenstab darnieder, doch mein Jesus ruft mir wieder: „Geh aus Deinem Vaterland, Gott hat Dich nach Schwelm gesandt.“

2. Meinertshagen, gute Nacht, du hast doch mein

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halbes Herze und ich scheide mit bitterem Schmerze, doch wenn man des Höchsten Willen treulich suchet zu erfüllen, wird das Scheiden nicht gerecht, Meinertshagen, gute Nacht!

3. Gotteshaus, nun gute Nacht, in dir wird noch ferner schallen Gottes Wort nach Wohlgefallen. Höchster laß in diesen Bänken manches Herz nach Dir sich lenken, bis das alles ist vollbracht, Gotteshaus, nun gute Nacht!

4. Liebste Canzel, gute Nacht, auf dir wird man ferner sehen einen treuen Lehrer stehen, der vor Menschen Herzen wacht, liebste Canzel, gute Nacht!

5. Werther Altar, gute Nacht, alle. Die vor dir erscheinen, schmerzlich ihre Sünd bereuen, die sich unter Herzens Thränen zu den Wunden Jesu sehnen, die hat Jesus wohlbedacht, werther Altar, gute Nacht!

6. Meine Schäflein, gute Nacht, Jesus wird euch selbsten weiden und das beste Theil bescheiden, nehmen seine Heerd in Acht, meine Schäflein, gute Nacht!

7. Gottesacker, gute Nacht, die in dir begraben liegen, hoffe ich endlich mit Vergnügen vor des Lammes Thron zu sehen mit den Siegesplamen stehen. Wohl dem, der sein End betracht`t, Gottesacker, gute Nacht!

8. Meine Freunde, gute Nacht, müssen wir uns jetzt und scheiden, bringt das Scheiden Herzens Leiden, meine Zeit ist hier vollbracht, gute Nacht!

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Das 25jährige Amtsjubiläum des Pfarrers Geck sen. Als Schul=Inspector feierten die Lehrer in Meinertshagen am 20. Juli 1850 und wurde dem Jubilar eine Prachtbibel zum Andenken geschenkt. Nachstehendes Gedicht wurde zur Erinnerung an dieses Fest hier geschrieben.

1.

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Willkommen, Jubilar, willkommen Im Kreise, den die Liebe schließt, wo wird von dir so oft vernommen, was höherm Lebensquell entsprießt; doch heut soll nicht Belehrung walten, der Frohsinn kehre bei uns ein, und glätte alle Sorgen=Falten, jedem dem Feste wir uns weihe

2.

Heil dir, seit fünf und Zwanzig Jahren Ward dir das schöne Amt vertraut Der Schulen Wohlergehen Zu wahren An ihm du treut=gerecht Gebaut. Doch auch der Güte galt dein Pflegen wo aber sich Gerechtigkeit mit Güte eint, keimt der Segen des wahren Wohls für seine Zeit.

3.

Macht bei des Lebens Wechselfällen Nicht jede Blume schön erblühn, und in der Zeiten Stromes- wellen das Licht der Schatten auch umziehen; doch muß es dir das Herz erweiten Daß du mit Eifer Angestrebt Zur Wahrheit Alle Hinzuleiten, die Leid und Freud mit dir erlebt.

4.

Du kennst des Schicksals Prüfungsstunden, die Tod und Leben wechselnd bot, doch fest du stehst in Gott gefunden nach Nacht ein helles Morgenroth. So glänzt deine Lebenssonne Bedeutungsvoll im Silber= feuer! So glänze fort zu unserer Wonne Dir – unserm theuren Jubilar.

5.

So soll des Himmels reiche Gnade Dir noch an manchem Morgen blühn! Und wird dein Geist dem Pilgerpfade Einst spät zur Ewigkeit entfliehn, dann mögen Engel dich begleiten zu unvergänglich reichem Lohn! Zu jenen höhern Seligkeiten – Vor des Allvaters hehrem Thron!

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Bei dem Absterben des Pfarrers Fr. Geck am 18. October 1859 erschien nachstehendes Gedicht im Wochenblatte, von dem Lehrer Grimm zu Berken bei Kierspe verfaßt.

Dem Andenken des Herrn Schulinspectors, Pfarrer Geck sen. In Meinerzhagen

1.

Spät am Abend – schon graute still die Nacht – Stand noch am Acker emsig ein müder Greis, streute Samen in die Furchen, die er gepflügt mit eigenen Händen.

2.

Fülle der Jahre hatte sein haupt gebleicht, Mühe des Lebens längst seine Stirne gefurcht; Und nach so manchen rauhen Pfaden Zitterten längst seine müden Beine. 3. Doch, wie ein Jüngling – dem nach des Lebens Last Dem noch so freundlich Bluemen des Lenzes blühen Heiteren Blicks uns begrüßet, - So stand der Greis da, voll heitern Sinnes

4.

Freundliches Lächeln spielte um seinen Mund, als sei die Arbeit traute Gespielin ihm; als sei des Jünglings heitres Hoffen, das noch voll Wonne den Blick umschwebe

5.

Siehe – da nahet freundlich der Hausherr ihm „Ei – du mein frommer – du mein getreuer Knecht Du noch am Acker? – jetzt noch thätig, wo schon die Nacht durch die Fluren graut?

6.

11

„Jünglinge ruhen – Männer sie schlafen schon „Müde der Arbeit, müde der Tageslast „du nur Getreuer, willst noch wirken, wo schon ermattet die Beine zittern! 000259 2020_03_11_15_11_49_030

7.

„Komm – denn der Saaten hast du genug gestreut, komm – denn sie reifen dir für den Erntetag; komm – geh zum Frieden, der dein harret ruh und Erquickung will ich dir reichen

8.

Freundlich und lächelnd blickte der Greis ihn an Folgte dann schweigend, wie ihn der Hausherr führt; Ging zu der Ruhe, die sein harrte, ruhet nun aus von der Arbeit Mühen.

9.

Schlaf denn in Frieden! Wohl schlaf du müder Greis! Friede der Stätte, die dir die Ruhe gab. Sacht sei dein Schlummer. Bange Träume Nacht nicht der Kummer der stillen Ruhe.

10.

Leise, o Wanderer, tritt an sein stilles Haus Stör nicht den Müden, der von der Arbeit ruht! Schüle des Tages drückt ihn nieder Laß ihn erquicken des Schattens Kühle.

11.

Birg du ihn friedlich, freundliches Schlafgemach; Kühl ihm die Stirne, gib ihm nun süße Ruh; Sanft laß ihn schlummern bis zum Morgen, wo ihm die Sichel zur Ernte klinget.

12.

 

Laß ihn dann grüßen freundlich den Wonnetag Der vor den Hausherrn führet den treuen Knecht, daß er ihn segne, ihn