Stiftung Jesus-Christus-Kirche 

Kirchenarchiv Meinerzhagen

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Übersicht der Geschichte der evangelisch lutherischen Gemeinde Meinertzhagen

Die Gemeinde Meinerzhagen ist ohne große Wohlhabenheit, sondern die Bewohner, sowohl der Stadt als des Kirchspiels sind durchweg wenig begütert, und es gibt unter ihnen mehr Arme. Solches hat seinen Grund in dem kalten Clima mit zum Theil sterilem Boden, in dem vielen Unglück, welches öfterer Brand und Truppendurchzüge u. Mißjahre herbeigeführt haben und besonders in dem fast gänzlichen Mangel an allen Fab riquen und auswärtigem Handel. Für Holzcultur ist bis dahin auch wenig geschehen, und es ist ein großer Mangel an Holz=Streu, so daß sich außer den Bergen der adelichen Herren u. der Kirche nur wenige gute Berge in der Gemeine finden. Die Bewohner ernähren sich hauptsächelich vom Ackerbau, und suchen als Handwerker, besonders als Schmiede in den benachbarten Gemeinden Kierspe, Lüdenscheid, Halver etc, wo mehr Fabriquen sind, ihr Brod, dadurch, daß sie für Lohn schmieden und arbeiten. Ein Haupterwerbszweig, welcher noch das meiste auswärtige Geld hereinbringt, ist die Wirthschaft, indem in den Jahren 1788, 89 u. 1790, unter der Leitung des damaligen Bergraths, jetzigen Ministers von Stein, und des Oberinspectors Steinmeister die neue Chaussee durch den Ort und die Gemeinde nach Siegen und Frankfurth angelegt ist, welche viel Fuhrwerk und Passage veranlaßt hat. Es stehen jetzt nur noch 7 Osemunds Hämmer u. ein Raffinierhammer, 2 Osemunds Hämmer und ein Raffinierhammer in der Gänckeler Bauerschaft, 2 Osemundshämmer in der Wiebelsaat, ein Osemundshammer an der Lister, 1 Osemundshammer hinter dem Rothenstein, in der Gemeinde, und werden außer einem in der Gemeinde einsäßigem Klute zum Beckerhofe durch auswärtige Reidemeister betrieben. Früher muß hier wohl mehr Fabrique gewesen seyn, indem an der Imbach von Immecke bis zur untersten Mühle 7 Hämmer gestanden haben, wovon der letzte bei Kücks Häuschen u. Bouckens zu Immecke seine Wiese, der Hültehammer genant, 1770 noch gestanden hat. Jene Hämmer aber hatten nur ein Blasrad und das Eisen wurde aus der Hand geschmiedet. 1780 waren hier auch noch 3 Brandweisbrennereien, 1801 ein Essigbrauerei u. späterhin 2 Bierbrauereien und es besteht jetzt eine Brandweinbrennerei, seit 1817 von Caspar Schürfeld zum Redlendorf angelegt. An Schlächtern, Bäckern und Kleinkrämern fehlt es nicht. Es wird auch seit einigen Jahren hier mit Baumwolle nach Barmen gesponnen, welche Peter Schubbaeus im Schöppenhaus, Bremicker aus dem Gilhause, Ernst Bäcker im Burreshause, Wilhelm Schubbaeus in der Rose spinnen laßen, wobei ihre Kinder von 5 Jahren spinnen konnten, und wobei auf einem kleinen Rade 6 bis 9 Stränge täglich gesponnen wurden, wofür per Strang 1 ¼ bis 1 ½ Stbr. vergütet wurden. Noch sind her 2 Lohgärbereien und vor 3 Jahren ist hinter dem Rothenstein eine neue Mühle gebaut.

Die adelichen Häuser der Gemeinde sind Badinghagen, seit langen Zeiten der Familei von Nagel gehörend und zuletzt dem zuletzt in Cölln wohnenden von Nagel, der früher Amtmann in Hückeswagen gewesen und hier später lange gewohnt hat, gehörend; und ferner Listringhausen, welches nachdem im Jahre 1780 erfolgten Absterben des Died. Fried. Wilh. von Neuhof, genannt Ley, welcher der reformirten Religion zugethan war, anfangs auf den Herrn von Nagel zu Badinghagen, welcher die Güter der Ley angekauft hat, und welches demnächst auf den Herrn von Frentz, den Schwiegersohn des von Nagel, welcher in der französischen Zeit hier wohnte und Maire war, übergegangen ist. Beyde Herrschaften sind katholisch, und mit den andern wenigen Katholiken in Marienheide eingepfarrt, müßen aber nach einer alten Übereinkunft, durch von Nagel geschlossen, bei Beerdigungen auch die jura stolae hier in Meinertzhagen bezahlen, und an Opfertagenjeder wenigstens 1 stbr., jeder Katholik, opfern. Auch führe der hiesige Preiger, wie auch früher geschehen, das Personenstandsregister über der Katholiken seiner Gemeine, und es muß ihm daher von jedem Amtsfalle Anzeige gemacht werden.

Doe Policey=Wege am Schnüffel bis an den Rothenstein wurden 1822 und der von Scherl nach Valbert 1823, 1824, 1825 gemacht. Die Leitung der Anlage dieser Wege ist dem Bürgermeister Gerlach und deren Nivellierung dem hiesigen Scheffen Peter Ohler übertragen. 1824 ist auch das Eisenbergwerk bei Hösinghausen in Valbert durch Klauke und Trommershausen wieder angefangen, wo zuletzt 17749von Jacob Uhlenberg und dem Bergmann Peter Eisleben, welche beyde die Muthung nachgesucht hatten, worüber ein Streit und Proceß entstanden, gebergt ? war.1806 haben die Erben des Uhlenberg das Bergwerk Edmund Wever in Olpe für 500 Thlr. verkauft, welcher solches liegen laßen. 1824 ist von 2 Seiten die Muthung von neuem nachgesucht.

Es ist noch merkwürdig, daß hier die wegen der nachher anliegenden Fabriquen berührten Flüsse die Volle oberhalb dem Hofe Vollme, die Acher rechts von dem Hause Badinghagen, so wie auch die Lister und Ferse springen.

Der gegenwärtige Bürgermeister Gerlach hat einen Beruf als Bürgermeister nach Brilon im Jahre 1822, auch einen Beruf als Bürgermeister nach Iserlohn abgelehnt, und der Gemeinderath hat deßfals aus eigenem Antriebe seinem Gehalte, ungefähr in 400 Rthlr. bestehend aus Erkenntlichkeit noch 100 Thlr. zugesetzt.

Im Jahre 1780 hatte die Stadt Meinertzhagen 128 Feuerstellen und 138 regulaire Haushaltungen und mußte bezahlen an Accise 1362 Rthlr. 29 stbr., an Tabacksgeld 121 Rthlr., an Paraphen Geld 15 Rt. 30 stbr. und mußte 2 Last, 13 Scheffel, 9 Mezzen Salz jährlich nehmen. Nach einer 20jährigen Fraction der Geburtsjahre 1751 mithin 1770 sind bei der heisigen Gemeine geboren 78 Kinder und gestorben 53 Menschen jährlich. Mithin sind in den letzten 20 Jahren nach einem Fractions=Satze 7 Kinder jährlich mehr geboren als in den früheren 20 jahren, aber ebenso viele gestorben. Hierdurch läßt sich über die Vermehrung oder Verminderung der Gemeine urtheilen. Das stärkste Sterbejahr in diesen 40 Jahren ist gewesen das Jahr 1814, wo 133 Menschen gestorben sind, und wo hier nach den Durchzügen der russischen und anderen Kriegstruppen das Spitalsterben gewüthet hat. Vielleicht starben hier nie so viele Menschen in einem Jahre als in diesem Jahr gestorben sind.

Die Stadt Meinerzhagen hatte im Jahr 1824, wo hierüber von dem comittirten Scheffen Ohler genau Erkundigungen eingezogen sind, 97 Häuser, mit den Außenbürgern 116 Hausnummern und 174 Feuerstellen, und 810 Einwohner, wovon 402 männlichen und 398 weiblichen Geschlechts sind. Die Osterbauerschaft hinter dem Rothestein hat 29 Häuser und 41 Feuerstellen und 38 Hausnummern und 213 Einwohner, 115 männlichen und 98 weiblichen Geschlechts. Die Gänkeler Bauerschaft hat 55 Häuser, 74 Feuerstellen und 64 Hausnummern und 377 Einwohner, und davon 177 männlichen und 200 weiblichen Geschlechts. Die Osterbauerschaft hat 44 Häuser, 61 Feuerstellen, 54 Hausnummern, 315 Einwohner, 149 männliche und 166 weibliche. Die Lengelscheider Bauerschaft hat 74 Häuser, 96 Feuerstellen und 93 Hausnummern. Einwohner 467 und davon 210 männlichen und 257 weiblichen Geschlechts. Die Einwohnerschaft der ganzen Gemeinde betrug also nach einer richtigen Zählung im Jahre 1824 2182. Darunter sind 21 Katholiken, nämlich 7 in der Stadt und 14 aus dem Kirchspiel, und 2 Judenfamilien.

An Communalsteuer zahlte die Stadt 1824 238 Thlr. 4 Sgr. 9 Pf., das Kirchspiel 560 Thlr. 15 Sgr. An Grundsteuer zhalte die Stadt 485 Thlr. 3 Sgr. 4 Pf., das Kirchspiel 1868, 15 Sgr. 9 d.

Mit dem Jahre 1838 ist der verdienstvolle Bürgermeister Gerlach, dem die Bürgermeisterei sehr vieles zu verdanken hat, als Posthalter nach Olpe abgegangen und ist der Herr Bürgermeister Hattermann aus Anspach, früher Bürgermeister zu Winterberg und später und zuletzt in Marsberg und zugleich Feldwebel, wieder an seine Stelle eingetreten. Die mit der

Bürgermeisterei Meinerrtshagen bis dahin unter Gerlach verbundene Bürgermeisterei Valbert ist indessen seinem Schreiber, dem .Melchior aus Siegen übertragen.

1840 am 18. Juli ist der Herr Bürgermeister Hattermann, zugleich Lieutenant und Compagnie = Führer im Landwehrbataillon des 35ten Regiments, am Lungenbrande gestorben. Nach seinem Absterben ist dem Beigeordneten und Gerichtsscheffen Herrn Ohler hierselbst die Verwaltung des hiesigen Bürgermeisteramts vorläufig übertragen. 1846, am 1. Jan. ist Valbert und Meinertshagen zu einem Amte vereinigt und ist Melchior Amtmann geworden, der 1848 als Amtmann nach Wattenscheid abgegangen, worauf Posthalter Weyland hierselbst die Amtmannsstelle übernommen.