C H R O N I C A
Angefangen zu Meinertzhagen und
continuirt [fortgesetzt] zu Schwelm
Von
Joh. Adam Sohn.
Past[or] zu Meinerzhagen von 1740 d. 21. Aug. biß
1749 d. 24. Aug. demnächstens
Past[or] zu Schwelm bis d. 12ten Aug. 1784.
Nachdem mein sel. Vater d. 12ten Aug. 1784 im
Herren entschlaffen; habe ich dis Buch Continuirt
zuerst in Lippstadt und darauf in Iserlohn
Christian Wilhelm Sohn
Pastor zu Lippstadt von 1781 bis 1788 dann
Pastor zu Iserlohn
Nachdem mein Vater am 25ten Febr. 1829 im Herrn entschlaffen habe
ich dies Buch fortgesetzt in Iserlohn W[ilhel]m. Sohn.
Hinweise zum Text:
Diese Transkription wurde unter größtmöglicher Wahrung der damaligen Schreibweise angefertigt. Lediglich an den Stellen, an denen es für das Verständnis angebracht erschien, sind die Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung sowie die Zeichensetzung den heutigen Gepflogenheiten angenähert worden.
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Übersetzungen bzw. Erklärungen der Fremdwörter und lateinischen Ausdrücke wurden [in kleiner Schrift] geschrieben.
Die Erklärungen der Fremdworte ist dem Buch von Carl Cubasch "Neues Fremdwörterbuch. Ein erklärendes und verdeutschendes Handbuch der gebräuchlichsten in der deutschen Sprache vorkommenden Fremdwörter" Hamburg, Verlag von J.F. Richter ohne Erscheinungsjahr, wahrscheinlich zwischen 1870-1875, entnommen.
Es liegen den beiden Bearbeitern der Chronik nicht alle Originalseiten vor. Einige der vorliegenden Seiten befassen sich mit der Schwelmer Geschichte oder sind Familiennachrichten. Sie wurden nicht mit abgedruckt. Daher erklären sich die teilweisen Lücken in den Seitenangaben.
Meinerzhagen und Geisenfeld im Februar 2018
Karl-Heinz Bartsch und Christian Voswinkel
Seite 2
Unsere Vorfahren, die alten Sachsen hiesiger Orten, sind blinde Heyden gewesen. Sie haben leider den Götzen gedienet und deren sehr viel gehabt, e.g. die Sonne, der Mond, Tuisco, Gudan, Thor, Frea, Crodo, Tibelie, Tanfana, Heerde, Retto Gurcho, Renzelio, Hess oder Heess, welchen Menschen geopfert sind, Stuffo, Ihis. Loe ist der alten Sachsen Viehgott gewesen, daher es ohne Zweifel kommt, daß noch viele Wälder in welchen er ist verehret worden, den Nahmen Loe tragen, und daß die Vieh Hirten zu singen pflegen He Loe He Loe und dadurch das verfluchte Andencken dieses Götzen unterhalten. Es soll aber He Loe soviel heissen als der heilige Loe.
Seite 5
Die Historie von Meinertshagen
Denominatio. [Benennung].Woher dieser Ort den Nahmen habe, ist zwar ungewiß, indessen hat mann doch eine frequente [häufige, viel begangene] Tradition desfals, die ich auch in dem Anfang zu meiner Antrits-Predigt mit drucken laßen, laut selbiger hats den Nahmen von einem Eremiten nahmens Meinhard, der eine kleine Capelle auf dem Platz stehen gehabt, wo ex post [hinterher, nachher] unsre Kirche ist hingebauet worden. Nun soll schon hiebevor hiesige Gegend, wo meistentheils Gebirge gewesen, wegen benandten Eremitens Aufenthalt, des MeinhartsHagen seyn genandt worden. Bey Anbauung des Orts aber hat man eine Kirche nötig gehabt, hie ist nun wieder eine Tradition, daß solche Kirche anfangs oben im Tempel stehen sollen, woher selbiges Land annoch den Nahmen führen mag, endlich aber habe man sich vereiniget und solche an den Ort gebaut, wo des Meinhards Capelgen gestanden, und der hiesige Ort und Dorff ist nach wie vor Meinertshagen genandt worden.
Seite 6
Um welche Zeit der Ort, Kirche und Capelle erbauet?
Ich habe keine Nachricht noch Anzeige finden können, wenn es geschehen, den die älteste Nachricht, so ich in der Kirche gefunden, ist von 1326; [es] muß also schon zuvor geschehen seyn. Es ist aber ein neu Chor an die Kirche gebauet, das ist geschehen A[nn]o 1474, wie an einem Stein auswendig am ChorPfeiler [noch heute!!] zu sehen ist.
Wann die Capella S. Crucis die hillige Crütz Capelle, so gen Abend [=Westen] am Dorff, an der Landstrassen in Langhars Hofe im Eck gestanden, gebauet, davon ist keine Nachricht, nur muß es doch eine berühmte Capelle gewesen seyn, denn man findet viel davon; [die]selbe hat auch die herlichste Revenues [Einkommen, Renten] gehabt, so jetz zu unser Kirche gezogen. Zu dieser Creutz Capellen ist eine Bruderschafft gewesen, und hat sie zwey Brödermeister oder Vorsteher gehabt; man findet noch Nachricht von häuffigen Fundationen [Begründung, Stiftung, Anlage] der Messen in dieser Capelle.
Die Patronen dieser Capellen sind gewesen Sanct Johann, St. Catharina u. Lucia.
Seite 7
Die Päpstische [=katholischen] Pastores
und Vicarii
1399 Johan von Brylon Cappelan
Johan van Heyschotten, welcher um die
Zeit von 1482, 1491 hie gestanden.
Zu seinerZeit, nembl. 1483, ist mann
eins worden, daß alle Jahr auf Pfingst Dinstag
die Kirchen Rechnungen etc. abgethan
werden sollen u. die Consistorialwahl ge-
schehen. Zu dieses Pastoris Zeiten ist
Vicarius gewesen wie auch 1500, 1514
Göddert van Karbecke, Vic[ar]
Johan van Bentenrot. Pastor in anno 1500
Kerstjen Grischlach, Pastor
1522 ist Pet. Prumbohm Vicarius worden.
Gottschalk vam Hee, Past in Anno 1536.
Mattheus Strobecker Past[or]
in A[nn]o 1552 ist er schon hie geweßen
Seite 8
Die Patronie [Schutzherrin] der Kirche
ist S. Maria, die Mutter Gottes, daher heist sie: Leif frauen Kercke tho Meinertshagen. Moeder Kercke p. wie in alten Nachrichten zu sehen ist. Der Marien Altar ist gewesen, wo jetz noch das kleine Altärgen bey den Kinder Bänken stehet, denn soweit hat ehedem die Kirche nur gereichet, ehe A[nn]o 1474 das neue Chor ist drangebauet. Darauf hat das Marienbild gestanden, welches noch in der Sacristey [das Zimmer in der Kirche, wo der Geistliche sich aufhält, z.B. vor Beginn der Predigt] liegt.
Ja zu anfang dieses Seculi [Jahrhunderts] und vor ein dreißig Jahren sind noch einige alte Weiber so aberglaübisch gewesen, daß sie solchem Marienbilde, das damahls noch auf dem Altar gestanden, zu gewissen Zeiten ein feines weisses Tuch umgehängt und es damit geziret, ja wohl im Todtbette dergleichen vermacht.
Seite 9
Die Altäre
Es sind unterschiedliche Altäre in der Kirchen gewesen, so aber vor und nach weggebrochen worden. Ich finde in alten Fundations briefen etliche benandt
Altare Summum ad Honorem Salvatoris nec non Gloriosissime virginis maria.
Altare Sanctorum et Sanctanum Nicolaj, Stephani, Catharinae
et Luciae virginum.
Altare altissimae et gloriosissimae Virginia Mariae et oium San-
ctorum.
Altare Johannis Baptistae, Johannis Evangelista, Andreae, Jacobi
et aliorum Sanctorum Apostolum.
Altare Petri et Pauli.
NB. Es ist per Traditionem bekand, daß alhier 5 Canonici [Stiftsherren, Weltgeistliche] sollen gewesen seyn, deren zwey auf dem Nebengewölbe an der Kirchen gegen Norden sollen gewohnt haben, wo eine Treppe vom Kirchhove herauf gegangen wie noch zu sehen, die aber unten zugemauert worden. Die andre sollen auf dem Spicker [Gut Nr.235 im Hypothekenbuch des Kirchspiels Meinerzhagen 1727-1809] und auf dem Cleve [heute Hauptstr. 10 oder 15 nach W.Kämper in "Meinhardus 2+3/1969, S. 31]gewohnt haben. Es werden dis aber nach meiner Muthmaßung wohl MeßPfaffen gewesen seyn, die etwa einen Altar zu bedienen gehabt.
Wie A[nn]o 1732 das hohe Altar geöfnet und die Tauffe hineingemacht wurde, so hat sich ein Glaß mit Reliquien gefunden, darinnen auch ein Papier von des Altars Consecration [Weihe, Einweihung, Einsegnung], so aber voneinander gefallen wens angerühret worden, doch ist es sauber wieder auf ander Leim Papier gelegt worden und wieder in den Altar, nicht als ein Heiligthum, sondern als ein Alterthum, eingestecket worden. Aus dem Zettelgen ist folgl. Verstand gebracht:
Consecratum hoc altare anno Domini 1476. Decimo quinto die mensis Maji per Referendum Dominum Vicarium Dominum Henricum de Vnckel Dei et Apostolicae sedis gra apud Reverend Dom. Hermann Archi Episc. Colon. Vicarium generalem p.p.p.
Seite 11
Von den Prossesionen
so hier und hiehin gehalten worden.
Weil man hier eine große Menge Reliquien und Heiligthümer gehabt, so sind viele Processionen hiehin gehalten worden, und sind die benachbarte Kirspiele mit ihrer Heiligentracht hieselbsten erschienen, denen man sodann das Heiligthum oder Reli-
quias Sanctorum aus den Heiligenhause, so noch lange ex post [lat. aus danach= aus nachträglicher Sicht] auf dem Kirchhove gestanden, vorgezeiget hat.
Auch soll ex relatione [aus dem Bericht] einiger Alten ehemals von Cölln am Rhein eine Procession hiehin seyn gehalten worden, so daß die Collnische, welche auf Mariae Heimsuchung nach dem Kloster Marienheyde kommen und dasiges Marienbild besuchen, ehedem auch zugleich mit hiehin kommen, und die hiesige Mariam auch heimgesucht haben, daher denn noch ein gewisser Fußweg zwischen hier und Marienheyde, wo man nemlich von hier nach dem Herweg gehet, das Mönchspfädgen genandt wird, weil die Pfaffen und Mönche da herunter gekommen.
Die grosse Procession, welche sonst jährlich von hier aus der Leif-Frauen Kirche üm das Dorff herümgehalten worden, hat folgenden Weg gehabt: Aus der Kirche zum Dorfe heraus nach der Heherhöver [Heerhofer] Linden, von dar über die Stemecke über Obern Corbach [Ober-Korbecke] durch den Weg im Rotenstein, der noch jetz der Leif Frauen Weg heisset, ferner nach der Scherl und immer herum über das Löe und nach dem Lingelgen hinter der Vogelstangen, nach der Güntenbecker Linden, weiter nach der E[i]cker Linden, nach Hahnebecke und von da durch den Kirspels Weg wieder herunter ins Dorff, und bey allen Linden, deren vordem sieben üms Dorff gestanden, haben sie ihre Ceremonien verrichtet.
Seite 19
ANNO 1500.
hat der Catholische Pastor zu Meinertshagen geheissen Johann von Bentenrot.
Der Vicarius Göddert van Karbecke.
1502
In diesem Jahr, wie auch 1521, 1536 biß 1540 p.p. ist Johan Schultgen Richter allhie geweßen.
Seite 25
ANNO 1573.
Ist das Meinertshagische Reformations Jahr. (vid. sub [siehe unter] A[nn]o 1666).
Mann sieht dieses aus alten Nachrichten de Statu Ecclesiae Meinertshagensis, welche auf Churfl. Befehl in Anno 1648 et 1666, 1712 p. eingesandt worden.
Die Nachricht von A[nn]o 1648, wie sie im Alten Kirchenbuch annotirt ist, lautet also:
Demnach das WohlEhrwürdige Ministerium hiesiger Grafschafft Marck auff einkommende Papistische praetensiones [Ansprüche] einige Pfarr Kirchen wieder zu acquirieren [erwerben], vor rathsam und nothwendig erachtet, daß ein jeder Pastor Statum suae Ecclesiae [den Zustand seiner Kirche] solle zu Papier setzen und designiren [bezeichnen, bestimmen] , darüber durch jedes Orts Obrigkeit gehörende gerichtliche Information einzunehmen und selbige zu confirmieren [bestätigen]. Weil dann der Ehrwürdige und wohlgelehrter HErr Johannes Lemmerus, rechtmäßig vocirter [berufener] und confirmierter Pastor allhier zu Meinertshagen, mich endtsbenenten Richtern solches zu erkennen geben und mich ex officio requirirt [von Amts wegen aufgefordert], dieserhalb die älteste und glaubhaffte Leute dieses Kirchspels [Kirchspiels], was ihr Wissenschafft davon sey, gehörend abzuhören, als habe dem zufolge heute dato unten gemeldt per publicum proclama nach gehaltenem Gottesdienst die Kirchmeistere und Provisores benenten nachbenandten Eltesten auf dem Chor bey das hohe Altar convociren [zusammengerufen] laßen, und denselben des Herrn Pastoris und des gantzen Ministerii Meynung vorgehalten, darüber Wissenschafft eidlich zu deponiren [niederzulegen], worauf sich resolvirt [entschlossen] wie folget:
1.) Erstlich erschienen Junckherr Jacob von Karthausen, seines Alters ohngefehr 80 Jahr, sagt [dass es] wahr, daß das Exercitium Augustanae Confessionis [Ausübung der Augsburgischen Konfession] solange [er] alhie zu Kirchen und Strassen gangen, in vigore [in Kraft] gewesen und niemalen einigen MeßPriester mit seinen Augen in der PfarrKirche zu Meinertzhagen gesehen habe.
2.) Zweytens erschienen Hansmann van Carbicke, seines Alters ohngefehr 74 Jahr und sagt an leiblichen Eides statt wahr, daß er Zeit seines Lebens im Kirspel Meinertzhagen gewohnet und dis GottesHauß besuchet hätte, aber keine andere Lehr und Dienst darinn gehört, allein was unser jetzigen Lutherischen Religion gemäß ist.
3.) It[em] [ebenso, ebenfalls] erschienen Peter auf der Höe, seines Alters ohngefähr 70 Jahr, deponiert gleichfals an eydes statt wahr, daß er Zeit seines Lebens im Dorffe gewohnet und alhie zur Kirchen gangen, habe aber niemahlen einen andern Gottesdienst verrichten sehen wie jetzund geschieht, was nemlich der Evangelisch Lutherischen Lehr zugethan.
Seite 26
4.) Johan Schröder, seines Alters ohngefehr 75 Jahr, sagt an Eydes statt wahr, daß Zeit seines Lebens alhie im Kirspel gewohnet und jederzeit dis Gotteshauß besuchet, hat niemals anders den Gottesdienst verrichten sehen als auch jetziger Zeit.
5.) Johan Mencke, seines Alters ohngefähr 62 Jahr, sagt gleichfals an Eides statt wahr, daß Zeit seines Lebens zu Imbecke und im Dorffe gewohnet und niemahl in unser Kirchen andre Ceremonien beym Gottesdienst gesehen, als noch heutiges Tages gesehen werde.
Sonsten ist weiters nicht ohne sondern wahr, wie aus den Nachrichten zu ersehen und glaubwürdig auch kan berichtet werden, daß vor alten Jahren diese Kirche und Gemeine zu Meinertshagen der Papistischen [=katholischen] Lehr und Religion zugethan geweßen, indem sie auch für eine Haupt und MutterKirche ist gehalten worden, angesehen auf gewisse JahrsZeiten die benachbarte umliegende Kirchspiele mit ihrer Heiligen-Dracht hieselbst erschienen und öffentliche Procession mit ihren Ceremonien halten helffen, welchen folgends aus dem Heiligen Hauß, so annoch auf den Kirchhoff stehet, das Heiligthum oder Reliquiae Sanctorium [Überreste der Heiligen] vorgezeiget worden.
Es ist auch kundig, dessen man glaubhafften Bericht eingenommen, daß ohngefehr für [vor] 80 Jahren alhie noch ein MeßPriester mit Nahmen Mattheus Strobecker geweßen, demselben ist ein Vicarius adjungiret [beigeordnet] worden mit Nahmen Fridericus Beurhusius, so hieraus gebohren, welcher in seinen Studios einen ansehnlichen Progress [Fortschritt] gethan und der Augspurgischen Confession zugethan geweßen, welcher auch alsobald angefangen die reine Evangelische Apostolische Lehre dem Volck vorzutragen und, obwohl solches obgemeltem MeßPriester nicht wohlgefallen, auch Ihm, Herren Beurhusio, mit seinen Gründen und Argumenten nicht vermocht wiederzustehen, derselbe in seinem Proposito [Vorsatz] fortgefahren und ungescheut die wahre Lehr der Lutherischen Religion eingeführt. Als aber nach etlichen Jahren vorgemelter HErr Beurhusius wegen seiner Erudition [Bildung] zum Rectorat auf die Schule nach Dortmund vociret [berufen] worden, ist an dessen statt wiederum vociret worden, auch aus hießigem [Seite] 27 Kirspel bürtig Gotfridus Zimmerus, welcher gleichfals in Studiis wohl fundiret und der Augspugischen Confession zugethan gewesen, welcher ebenmäßig ihm, MeßPriestern Strobeckern, nicht nachleben wollen, sondern gleich Herren Beurhusio die Evangelische Warheit geprediget, worüber Herr Strobecker kranck worden und Todes verfahren und als einige Leute ihm im Todtbette offenbahret dass HE. Vicarius Zimmerus aus Bewilligung HE. Drost Lappen die teutsche Messe das Volck desto ehender zu gewinnen angefangen zu singen, habe geantwortet: Laß ihn frey singen, ich habe ausgesungen.
Nach dieses MeßPriesters Absterben Herren Strobeckers ist wiederum zum Pastoren vocirt worden Fridericus Hase, auch aus dieser Gemeine gebohren, und weil sein Studium annoch nicht sufficienter [genügend] vollendet und die Fundamenta Theologica [theologische Grundlagen] nicht recht geleget, ist auf Gutachten Herren Vicarii Zimmeri pro Substituto [als Ersatz] Herrn Hasen einer von Wittenberg vociret worden, Dominus Christophorus [Christoph Bech] so ein Meißner gewesen und also mit HE. Zimmero weilen zusamen studiret und einer Religion zugethan gewesen, öffentlich angefangen zu reformiren und die Meß[e] gäntzlich abgeschafft und also succesive [allmählich] den Päbstischen Saurteig aus den Hertzen ihrer Zuhörer gantz ausgefeget, worauf die Gemeine durch die Lieblichkeit ihrer Lehre und Trostes dermassen eingenommen, daß sie sich zur Ruhe begeben und die seligmachende Evangelische Warheit angenommen.
Als nun der vocirter Pastor Hase nach vollendeten Studiis von Rostock abkommen und in sein PastorathAmt eingetretten, hat er vorbenanten succediret [die Nachfolge angetreten] und die Apostolische wahre Lehre samt dem Catechismo Lutheri [Lutherischen Katechismus] fleißig geprediget und die Gemeine gebauet, sein Substitutus [Stellvertreter, Nachgeordneter im Amt] aber HE. Christophorus ist nach Umgang einiger Monathen nach den Benachbarten nach Rönsahl zum Pastore vociret [berufen] worden.
Dieser Pastor Fridericus Hase ist ohngefehr an die 52 Jahr allhie zu Meinertshagen verus [wahrer] Pastor gewesen, welcher in anno 1639. den 1. Jann. gestorben, nach dessen Todt ist jetziger Pastor Dominus Johannes Lemmerus aus beschehen Vocation wieder allhie zum Pastore eingetretten, welcher gleichfals der wahren Evang.-Luth. Religion zugethan, sein Amt fleißig
[Seite] 28 und treulich bißhiehin verwaltet und biß an sein Ende solches zu thun angelobet.
Sonsten Successionem et vocationem Vicariorum [Berufung und Nachfolge der Vikare] belangend, hat obgenahnter Vicarius Zimmerus noch ein Zeitlang bey Herrn Hasen gestanden, wie dessen Altar/: Herr Gödderts Altar genanndt: :/ ausweiset. Als derselbe mit Tod abgegangen, ist wieder zum Vicario beruffen Theodorus Nippelius, Lennepensis [aus Lennep]. Nach deßen tödtlichen Hintritt ist vocirt worden Theodorus Cöllerus, welcher, weilen es in A[nn]o 1636-37 und folgenden Jahren hiesiges Orts durch die Kriegszüge sehr verderbet, daß mann bey Hauß und Hoff nicht hat bleiben können, eine Condition [Stelle] zu Dortmund in St. Nicolai Kirch angenommen, und ist von der Zeit seines Abzuges bißhiehin wegen Mangel Unterhalts kein Vicarius wiederum beruffen worden, sondern der Dienst durch HErrn Pastorem Lemmerum verrichtet worden. Nunmehro aber designirt [bestimmt] Johannes Riese, welcher zur Lipstadt studiret und auf annahenden Ostern eintreffen wird.
Diesemnächst ist wahrhafft deponirt [niedergelegt, ausgesagt] daß a Morte [seit dem Tode] des MeßPriesters Strobeckers bißhiehin die eingeführte Lutherische Lehr niemahlen, weder von Papisten noch anderer Religion zugethan, angefochten, sondern die Gemeine bey dem Lutherischen Religions exercitio [Religionsausübung] in Fried und gewünschter Ruhe belassen worden, daher auch allhie eine lange Zeit eine pur und reine Gemeine gewesen, darin kein eintziger Papist zu finden.
Daß obgemedte Zeugen obgesetzter massen vor mir Richtern in Gegenwart Herrn Pastoris, Kirchmeisteren, Scheffen und Provisoren der Armen also deponirt, und nachgehende wie gesetzt es mit unser Kirchen also ergangen und anjetzo bestehet, bezeuge mit meiner Hand Unterschrifft und aufgedrückten Gerichtl. Insiegel beneben vorgemelten unterschriebenen eigenen Händen.
Also geschehen den 6. Aprilis Anno 1648.
L.S. P. Wever, Richter Friderich Pollmann, scheffe,
Peter Gräve, Kirchmeister,
Johan Mehler, Kirchmeister.
Die weiteren Nachrichten hiehe sub Anno 1665 et 1666, darin ausdrücklich das Jahr 1573 zum Ref. Jahr angegeben wird.
Seite 29
Spec. de A[nn]o 1666 vid a.d.
Vorstehende Nachricht bezeugt, daß das Meinertzhagische Reformations Jahr 1573 gewesen sey, wenigstens hat sich darin der erste Anfang ereignet durch Fridericum Beurhusium, obgleich leicht zu dencken, daß biß an Strobeckers Todt werden zwey Partheyen gewesen seyn, den Strobecker ist ein Papist geblieben biß an seinen Todt. Wielange aber nach 1573 bemeldeter Strobecker noch gelebet, habe ich bis hiehin noch nicht genau erkundigen können. Anno 1578 auf Pfingst Montag hat er noch gelebet, Anno 1581 aber ist er schon todt geweßen, den in selbem 1581sten Jahr auf Martini hat Zimmerus allein hie gestanden und schreibt von sich: Vicarius und Bewahrer der Pastorie zu Meinerzhagen vid. sub. A[nn]o D. Ich muthmasse also daß Strobecker entweder in anno 1580 oder 81. gestorben sey.
Die Reformation ist hie nicht auf einmahl, sondern successive geschehen, zumahl dieser Ort wegen der berühmten MutterKirch entsetzlicher Menge Bilder, Reliquien, Capellen, u. Processionen eifrig Papistisch wird geweßen seyn, daher auch Valbert, Herschede, Altena, Kierspe, Breckerfelde schon viel eher vom Pabstum abgetretten.
Es ist mir auch ein Verzeichnüs von einem guten Freunde zu Händen gekommen, darinnen werden die Reformations Jahre der Luth. Gemeinen Amts Altena also angegeben:
1550 Valbert
1554 Herschede
1557 Altena 1560 Rönsahl
1568 Kierspe
1571 Breckerfelde
1573 Meinertzhagen, muß seyn 1573
1578 Lüdenscheidt
1583 Halver 1582 Hülscheid
Seite 30
Weilen nun Fridericus Beurhusius ohnstreitig der erste hiesige Reformator gewesen, so muß von ihm etwas anmercken:
Weilen Beurhusius in Dortmund am Gymnasio gestanden, so hat der jetzige HE. Doct. und Prof. Rolle in Giessen, als er noch in Dortmund war, in seinen Memor: Tremon. prolich tertia pag 46 sg. seine Lebens Beschreibung angeführet „Vermöge derselben ist Fridericus Beurhusius gebürtig von Imbecke, einem Hof in dieser Gemeine in der OsterBauerschafft. Er soll gebohren seyn auf Martini [11.11.] abends 1536. Daß er ein hiesig Gemeins-Kind gewesen, bezeuget auch vor angeführte alte Nachricht, welche meldet, daß er von hieraus gebohren. Das Hauß heiß jetz Menckenhauß da haben vormahlen Beurhusii gewohnt. Sein Vatter ist geweßen Tilman Beurhaus, Eisen und Stahlhändeler reique venatoriae addictus. Seine Mutter Margaretha von Karthaußen eine Tochter Frid. von Karthausen, Herren zu Badinghagen u. Winterssen. Er ist erzogen zu Badinghagen mit seiner Mutter Bruder Frid. von Karthausen, jun. Wie sein Vatter gestorben, soll seine Mutter wieder geheyrathet haben Engelbertum vom Hove, Richtern zu Meinerzhagen. Dieser Stiefvatter hat diesen Beurhusium den Studiis gewidmet, und ihn erst hie zu Meinerzhagen, hernach zu Altena auf die Schule geschickt. A[nn]o 1551 soll er auf das vor einigen Jahren zuvor gestiffte Archigymnasium zu Dortmund gezogen seyn, wegen grassirender Pest aber ist er gezwungen worden bald von da weg und nach Münster zu gehen, im Jahr 1553 ist er wieder nach Dortmund kommen und ein Alumnus tertiae Classis worden. Die Söhne Jacobi von Neuhoff, Drosten zur Neustadt, hat er privatim informirt [unterrichtet]. Zwey Jahr hernach, nemlich A[nn]o 1555, ist er ad auditorium publicum promovirt worden, und ist Hofemeister geworden bey den drey Söhnen des HE. von Fürstenberg zu Waterlappen, mit welchen er hernach auf Cölln verreiset biß in anno 1560. Der älteste dieser jungen Herren, Fridericus, ist zu Maynz Canonicus Exl. [Eul?] Cathed. worden, der jüngste Theodorus ist Bischoff zu Paderborn geweßen, und der mittelste Casparus Lic. sur.[Inc.?] Drost zu Bielstein und propagator familiae generosae.
Anno 1561 ist Frid. Beurhusius studiis satis excultus nach Soest zum Lectore 4tae Classis vocirt und hat da zwey Jahr gestanden.
A[nn]o 1562 hat er geheyrathet seines Hospitis Tochter zu Dortmundt Sophiam Brass.
A[nn]o 1563 hat er die Rectoratstelle zu Unna angenommen, ob ihn gleich der Rath zu Soest ungern ziehen laßen, und ob sie ihm auch nachhero gleich das Rectorat in Soest, ja gar auch die Pastorath St. Petri [Seite] 31 aufgetragen, so hat er doch keines annehmen, noch nach Soest wiederkehren wollen, zumahl, da er in Unna solchen Zulauff gehabt, daß auch die Schule zu klein worden und mann dieselbe grösser bauen müsse.
Als A[nn]o 1567 Unna durch die grosse Pest devastiret [verwüstet, verödet, verheert] worden und bemeldter Beurhusius von seinen ehemaligem Praeceptore D. Joh. Lambachio zum Collegen verlanget wurde, so ist er nach Dortmund gezogen und üm das Michaelis-Fest nach erhaltenem Beruff in das Prorecorat eingetretten.
A[nn]o 1582 ist er Gymnasiarcha worden nach dem Tode des Lambachii. Ubrigens hat er viele Vocationes [Berufungen] ausgeschlagen als die Rectorat Stelle zu Düsseldorff, Braunschweig, Hamm, Lemgor, Corbach. Kayser Max. II. hat ihn zum Com. Palat gemacht u. sein Pettschaft verändert. Doctur quidam vir ex Beurhusiis Cecinit:
Malleus et Volucris praegrandia cornua cervi
Haec mihi stemma vetus signa patrina dedit.
Atq. Coronatae galeae decus addidit ille
Quem penes est Summae nobilitatis apex.
In der 4ten Classe sind zu seiner Zeit 148 Studenten geweßen, viele von adlichen Geschlechtern aus Sachßen, Schweden, Dännemarck, Preussen, Engelland, Hamburg, Lübeck, Dantzig.
Jo. Angelii Werdenhagen ib. et Prof. Helmst. Testim. Tract. de Respubl. Hanseat. pag. 984. Edit Lugd. Bat.” Successorem (Lambachii) fecerunt Frid. Beurhusium ex
Cujus informatione prodiere hinc. Plurima clarissima ingenia, velati ego incredibilis eruditiois Theologum, Casparum Pfaffradium p.m. inde emergentem vidi et in Acad. lulia Collegam habui de quo hoc affirmare ansim quod doctiorem tum nuspiam deprehenderim.
Pfaffradio similem non unquam lulia cernet.
Tantus vir fidei cognitione fuit Cocinerunt Helmstadienses. Ferner rühmt ihn Hamelmannus in Praef. Relat. Hist. Quod Westphalis potissimum debeatur quod lingua latina et politiores artes per germaniam restitutae sint.
In Epitaphio lap. Sepulch. Inciso hat man ihn genand: Verae Philosophiae Rameae primum Propugnatorem.
Im Ehestande hat er gezeugt 17 Kinder 8 Söhne 9 Töchter, davon 14 in der Jugend gestorben und liegen alle auf St. Nicolai Kirchhoff in Dortmund. Drey sind aufkommen, eine Tochter Gertrudis, welche verheyrathet an Andream Schaffmann D. Theol. et Past[or] Marian: und zwey Söhne Fridericus Rector 4. Classis, dum viveret parens. Johannes Prorector post obit. patris.
Er ist gestorben A[nn]o 1609 d. 6. Augusti, u. begraben aufm Kirchhove St. Reinoldi gegen Mitternagt. Prorector ist er gewesen 15 Jahre und Gymnasiarha 27 Jahre. Er ist alt geweßen 72 ¾ Jahre.
Seite 32
Obgleich nun in vorstehender Nachricht des HE. D. Rollens von Beurhusio nicht gedacht wird daß er Vicarius Meinertzhagensis ein zeitlang geweßen, so befindet sich die Sache doch würcklich also, und es kan seyn, daß er, nachdehm er von Unna wegen der Pest weggezogen, sich hie aufgehalten und ex post Vicarius worden oder daß er doch aus Liebe zu seinem Geburtsort gar von Dortmund hieher gezogen und, nachdehm er die Reformation eingeführt, wieder dorthin abgangen. Zudehn ist auch noch die Frage, ob sich die Nachrichten, bemeldten D. Rollens von unseren Beurhusio recht befinden ?
Scripta Beurhusii,
Analysis Epistolarum et Evangeliorum Domin. Scholastica Erf. 1585. 96. Northrs. 1595. 8.
Analysis Palmorum Poenit Lat Germ ib. 1589. 8
Erotematum Musicae libri duc ex optimis hujus antis scriptoribus vera perspicua g. Methodo descripti Tremon. 1573. Novb. 1580.8
Paedagogia Logica Colon 1583. 8.
De Petri Rami Dialecticae praecipuis Capitibus Disputatives scholasticae et cum iusdem variorum tum antiquorum tum neote ricorum logicorum et quorundam etiam animiadversionum Comparationes ib[idem]. 1587. 8
Defensio Petri Rami Dealecticae per scholasticas juarundem interpretationum animadverision Disquisattiones Erf. 1588
Franc. 1589.8
P. Rami Libri II et his e regione compasati:Phil. Melanchtonis Dialecticae lib. 4. Cum explicationum et Collationum notic ad untraruqua evaformationem uno labore addisel edam Erf. 1586. Mülhos. eod. 4 Franc. 1588. 1591. 1595. 4 et 8.
Cornelii Martini Antverpii adversus Ramistas Disputatio de subjecto et fine Logicae una cum alies Ribus ejusdem importunitati oppositis Disputatioibus a Frid. Beurhusio in schola Tremon. Loer Hoddae o.D. in schola Göttingensi. Heizone Büschero in Schola Hannov. Fimgow. 1597. 8.
Ad L. Rami Dialectina praxie generalis Introductio et Specialis illustrium exemplorum
Nafurales artis progressis inductio Francef. 1596. 8.
Dialecticae P. Rami Libri duo praelectionum et Repetitionum quaestionibus illustrati Color. 1588. 8. et Plura.
Seite 34
1576.
In diesem Jahr ist die Stadt Lüdenscheid abgebrandt. (vid. sub A[nn]o 1578.) und ist der Anfang geschehen hinter Rosen-Crantzes Hauße. Mehr Brandschaden dieser Statt siehe sub. annis 1589, 1656, 1681, 1723.
Seite 35
1577
Von diesem Jahr habe ich einen Brief der Kirchmeister hieselbst an den damaligen Drosten gefunden
Inscriptio.[Inschrift]
Dem Edelen und Erentfesten Caspar Lapp Drosten to Altena und Iserloin, unserm gebeidenden lieben Amptmanne tho Handen, deinstlich geschrieben.
N - - - N - - -
Unsern willigfertigen underthenigen und gehorsamen Dienst tovorn, Edell und Ehrenfeste gebeidender lieber Droste v. Ed. L. schreibendt belangende unsers gstn.
Landtfürsten und Herrn gnediglich befell vor Anzeigunge der Kercken, Capellen, Altare, Broderschafft und Scholmesterien, wes dartho upkomsten gehörende abermails tho doen und was die Kerckmeister sinder letzgehaltener Reckenschop an dei Kercken angelagt und verobert, clerliche an dat Ampthuiß Altena überschrieben sollen, haben wir lesende vernommen und mögen v. Ed. L. daruf tho güitlichem und grüntlichem Berichte untertheniger und gehorsamer freundlicher Meynunge nicht verhalten, dat wir uff jüngst gehaltener Reckenschop to Altena wahren Bericht aller Upkomst unser Kercken und Capellen gedahn, dair wyr nicht anetwirelen v. Ed. L. werden deinach in guder Bewahrunge hebben, by uns ist nicht mehr dan ein Altair
dat begiffet [ausgestattet] hefft der Vicarius under die Schulmesterie ist nicht mit Upkömste versehen, sundern dei Kercke moith jehrlichs IIII goltgl.[4 Goldgulden] dem Schulmester vernoegen uth furstlicher versehunge: So will awerst belangt der Raitlüde Anlage an die Kercke und waiß sei sider gehaltener Reckenschop verübert, daruff mögen wir v. Ed.L. nicht verhalten, dat dei Kerckmester Korts nach gehaltener Reckenschop heben angefangen Mester Frideriche dem Conrectoir tho Dortmund de unser Vicarius und Schoilmester syn wolde, und von v. Ed. L. uns befollen wair Eyn Huiß uth dem grunde uff to buggen, dair sei in den ersten Do negst volgenden II [2]en Jahren nicht alleine angelagt wat sei von der Kercken wegen ingebort sundern wat sei oich in der Kercken im Vürrade gehat, und dartho noch to vollenzehunge des gebügges etzlich Geldt lohnen morten, wy sei solchs vur dem Pastoir, Richter und Seßmannen in unser Kercken bereckert. Des folgenden LXIIII [64] stigen Jahrs hebben damals wesende Raitlüde nach Verglichunge was man uthgegiven und ingebovt gelickfals berecknet, dat sei X daler und IIII alb [10 Tahler und 4 Albus]in gehat. Anno 75 die Raitlüde gerecknet von wegen der Kercken und hilligen Creutzes dat sei nach Verglichungen uthdiffe und Inboerunge verorert XIIII daler und 1 Ort. Anno 76 gerecknet dat sei nach affereckunge der [Seite] 36 Uthgiffe und der Inboerunge verovert LIII Daler. Anno 77 abermals gerecknet uff verordneten Dagh und gewontlichen Mennern dat sei noch uffzehen der Uthgifft von der Inboerunge verovert hatten LIII daler und VIII st[über], und düsser veroverten Penninge hefft mann noch etzliche under den Luiden stahen, neffen andern hinderständigen Schulden, der men in Duissen schwerlichen Tyden von den Luiden, wywol enen upt hefftigsten darumb angehalten, nicht bekommen kan. Thodeme so moegen wir v. Ed. L. nicht verhalten, dat an unsere Kercken torne grote gebrecke vürhanden die men mit Selen und Negelen gefesselt, den men uff den Sommer helffen moith mit Geholte und Blytaffeln, nicht mit geringer Anlage und Unkosten, hebben neffen dem an unserem Orgel Mangel und Gebreck, und enen Mester daby gehat, dei uns vür dei Gebrecke to betteren XXV Daler vür syne Belonunge affgerischet ohn dei Unkoiste dei darop garn werden, hebben den ümb Gelts Mangel willen nicht annehmen dürven. Solches heben wir v. Ed. L. thom grundlichen Berichte unser Kercken Gelegenheit underthenigen Meynunge nicht verhalten solden, dei hirmit dem Allmechtigen uns tho Gebeiden in langwieliger Gesundheit befellend. Datum den 18ten Novembris Anno 77.
v.Ed. L. Raethlüde der Kercken
underthenigen und Kerspels Meynertzhagen
gehorsamen
Seite 37
1578.
Ist eine Collecte vor die brandbeschädigte Bürger zu Lüdenscheid von hier entrichtet laut eines scheins:
Bekenne ich Henrich Sprenckelmann, dieser tydt Hogreve zu Lüdensche, daß mir Frederich zu Lengelsche von wegen des Kerspels Meinertzhagen tho behoeff und Stuir der gemeinen verbrannten Bürgere binnen Lüdensche twelff Daler jedern tho sechs und tweintigh schillinge und dartho VI ß gelievert hatt, die ich obg. Hogreve also entfangen und gemelten Bürgern überlievren woll. Urkundt dieser meiner eigener Hand. Hirbey gewesen Peter Claucke Bürgermeister zu Lüdensche. Datum am 19ten Februarii Anno p 78.
Henrich Sprenckelman
obgt. mpp.[manu propria=mit eigener Hand]
In diesem 1578ten Jahr ist in der Gemeine zu Lüdenscheid die Reformation angegangen und ist der erste Prediger, welcher die Päbstische Lehr quittiret hat und daselbst abgeschaffet, Johannes Rosencranz gewesen, welcher zwar anfänglich 8 Jahr der Päbstischen Religion zugethan war, allein nach Absterben Herrn Ludemars, dessen Vicarius er anfänglich gewesen, in bemeldtem Jahr 1578 auf das Pabstum gäntzlich renuntiirt [Verzicht getan, aufgekündigt] und die Evang-Lutherische Religion eingeführet, doch sind schon zuvor die Luherische Gesänge viel Jahrlang in der Kirche daselbst gesungen worden. Bemeldter Joh. Rosencranz hat sich auch in eodem anno [in ebendem Jahr] verheyrathet, wie dieses alles in derjenigen Nachricht zu sehen, so in A[nn]o 1648 auf Guthfinden des Ministerii von damaligen Past[or] Melch. Halbach zu Lüdenscheid verzeichnet worden, wie es von allen Gemeinen geschehen müssen, es steht auch darin, quod Ecclesiae Lüdenschedensis sit et semper fuerit quasi mater Ecclesiae Halverensis et Hülschedensis, Dannenhero ein zeitlicher Pastor zu Lüdenscheid obgemeldte beyde Pastorathen zu conferiren [vergleichen]. Sonsten ist das Hauß Neuenhoff zugleich mit der Lüdenscheider Gemeine Lutherisch worden. Past[or] Joh. Rosenkrantz hat sich auch wohl Rosarius geschrieben.
Seite 39
1581.
Unter diesem Jahr habe ich eine Pfachtnotel [Abschrift einer Pachturkunde] über eine Kirchenwiese gefunden von dem hiesigen Vicario HE. Göddert Tymmermann oder Zimmero, aus welcher zu sehen, daß er in bemeldten Jahr auf Martini allein hie gestanden, folglich Strobecker todt und Hase noch nicht hie geweßen, weil sonsten ein zeitl. Pastor die Pachtnoteln gemacht, ja er nennt sich ausdrücklich Bewahrer der Pastorie, alß[o] hat er beyde Dienste damahl versehen u. ist der Substitutus HE. Christophorus noch nicht hie geweßen, daher ich muthmasse, daß der Päbstische Strobecker in diesem Jahr oder dem vorigen irgend gestorben sey. Der Anfang u. Ende besagter Pfachtnotel lautet also:
Wir Her Göddert Tymmerman, itzige Vicarius und Bewarer der Pastorie zu Meinershagen, und Frederich der Buirgermeister zu Lengelsche, Kerst zu der Schuiren, Thomas Kellinck up dem Klinglenberge, Mattheus Wever up dem Kroppelsberge, alle veer der hilligen Kercken dairselbest zu Meinerßhaigen Vürmünder oder Radtlüde doin allesamt kund bekennen und betügen - - - - Datum Anno Duj Duisent viffhundert achtentich und eine, up sintt Mertyns Dach.
Seite 40
1582.
In diesem Jahr oder doch in folgendem ist Johannes Schulte, welcher Vicarius zu Lüdenscheid gewesen und sich vom Pabstum zur lutherischen Religion gewendet hatte, nach Hülscheidt zum Pastoren der ohngeänderten Augspurgischen Confession beruffen worden. Darin er auch biß an seinen Todt geblieben, bemeldter Schulte hat auch in Synodo der Ev. Luth. Prediger, zu Unna in A[nn]o 1612 gehalten, mit unterschrieben, folglich genugsam offenbahr daß die Gemeine zu Hülscheid ehedem Lutherisch gewesen. Welchergestalt aber der Calvinismus daselbst eingeführt worden siehe sub [unter] A[nn]o 1623.
Seite 41
1583.
Sind Kirchmeistern oder Rathlüde alhie zu Meinertshagen gewesen die Ehrbare und bescheidene:
Friderich tho Lengelsche,
Thomas Kellinck ufm Klinglenberge,
Kerstian thor Schüren,
Henrich tho Niergenckel.
Seite 44
1586.
In diesem Jahr ist Fridericus Hase beruffener Pastor von Rostock wiederkommen und hat hiesigen Pastorath Dienst angetretten. Da den sein bisheriger Substitutus HE. Christophorus seines Dienstes wieder entlassen worden, und vermuthlich die Schule hieselbst versehen, weil im Rönsahlschen Kirchenprotocollo, als wohin er A[nn]o Sqta vocirt, steht: Christoporus Bechius Schuldiener zu Meinertzhagen.p
Was nun bemeldten HE. Hasen ersten Evang-Luth. Pastoren hieselbst anlangt, so ist er nach HE. Strobeckers Todt zwar zum Past[or] designirt worden aber er hat seine Studia ehe volziehen müssen, solches bezeugen alle Nachrichten, unter andern hat auch in einem Zeugen Verhöer sub A[nn]o 1658 (wo es zu finden) ein gewisser Zeuge nahmens Johannes Huck ausgesagt, so damahl an die hundert Jahr alt gewesen, daß Henrich Hase gewesener Cöllnischer Schultheiß als der Past[or] Strobecker verstorben, bey den adlichen Richter, Vorstehern und Kirchmeistern vor seinen Sohn Friderichen Hasen ümb den Pastorath Dienst zu Meinertzhagen angehalten, welchen sie ihm auch gegeben und hätte der Abt zu Dütz damalen die Collation [Übertragung einer kirchlichen Anstellung] drüber gehabt, also wäre er Henrich Hase vorgemelt mit seinem Sohn Friderichen Haßen nach Cölln [ge]gangen, woselbst der Abt sich aufgehalten und das Documentum Collationis von demselben abgehohlt, und dis hätte er von dem HE. Past[or] selig offtmahl erzehlen hören, weil er Schulmeister und Organist zur Zeit des sel. Past[or] Hasen Bedienung gewesen.
Es ist also der Pastor Hase ein Sohn des Henrich Hasen, eines damaligen hiesigen Cöllnischen Schultheißes gewesen, welcher am Kirchhofe in dem Schulteshause gewohnet, welches daher den Nahmen hat. Denn da Vorzeiten in dieser Gemeine Cöllnische Güter gewesen, so hat auch ein Cöllnischer Schultes hie gewohnt es ist aber Henrich Hase der Letzte geweßen. Und so ist auch ein Bergischer Richter hie gewesen, weil von einigen Gütern gewisse Pfenninge haben müssen gegeben werden.
Es ist auch klar daß er gleich zu dem Pastorath Dienst nach dem Tode des Strobeckers designirt worden, wie ausdrückl. auch der Zeuge ausgesagt hat, weil er aber seine Studia noch nicht vollendet, so ist er weggezogen und hat zu Rostock studieret, so hat den inzwischen der Vicarius Zimmerus und der Subsitutus Christophorus Bechius, ein Meißner, die Dienste verrichtet, biß daß der Pastor Hase in A[nn]o 1586 wiederkommen.
Dieser Hase hat sich bißweilen Dasipodius geschrieben, wie auch also im Synodal-Buch sub Anno 1612 sein Nahme zu finden, mann kan leicht aus dem grichischen erkunden, was er sagen wollen [Latinisierung von altgriechisch δασύπους „Rauchfuß“ = Hase].
Seite 45
1587.
In A[nn]o 1588 ohngefehr ist der hiesige Substitutus Bechius nach Rönsahl zum Pastoren vocirt
[anschließender Text ist gestrichen worden]
und hat bey ihnen biß A[nn]o 1598 an seinen Todt das Amt treulich verwaltet.
Hievon befindet sich im Kirchenprotocollo zu Rönsahl folgendes: "Nachdem Tilmannus Fiddick acht Jahr hieselbst (zu Rönsahl) im Dienst gestanden, wegen seiner übelen Aufführung aber removiret [entfernt, abgesetzt] worden, so ist darauf Christophorus Bechius, ein Schuldiener zu Meinertzhagen, bürtig aus Meissen, beruffen worden, welcher dann den Pfarr-Dienst hieselbst biß aufs Jahr 1598 treulich verwaltet hat.“
Seite 46
A[nn]o 1589.
Hoc Anno ist die Stadt Lüdenscheid wieder abgebrand und ist das Feuer angegangen an Funcken Hause. Nachdehm sie noch vor 13 Jahren (vid. 1576) ebenfals in die Asche gelegt worden. vide etiam 1656, 1681, 1723.
Seite 61
1612.
Hat der Durchlauchtigste Fürst u. Herr, Herr Wolfgang Wilhelm Pfaltz-Graff bey Rhein Hertzog zu Neuburg p. als dero Zeit gantz eifriger Lutherischer Fürst, sich der armen zerstreuten Evangelisch Lutherischen Gemeinden im Land von der Marck vätterlichst erbarmet und seinen HoffPrediger, den Weiland WohlErwürdigen und Hochgelehrten Herren M. Georgium Heilbrunnorum, nacher Unna gesandt, welcher dort hin auf den 2 Oct. alle Evangelisch Lutherische Prediger dieser Graffschafft Marck ad Synodum Generalem et magnam beschrieben hat, daselbst eine kurtze aus Gotteswort und unseren gewöhnlichen im H.R.R. [Heiliges Römisches Reich] aufgenommenen Schrifften ausgezogene Lateinische Glaubens Bekäntnüs öffentlich verlesen und manniglichen [alle, ausnahmslos] zu unterschreiben vorgehalten.
Darauf die Ehrw. u. Wolgelehrte Männer HE. Joem Zytopaeum zum Pastoren in Wischling HE. Joem Schölvingk Past[or] in Barop und HE. Joh. Schillingium Vicarium Parvo Tremoniensem in omnium Confessio rite et Apostolice ordiniret. Ein formal Ministerium Markense noc Illustrissimi Principis Neoburgici tanquam Episcopi loci angeordnet und demselben dem WohlEhrw. u. Hochgl. HE. Thomam Haverum dero Zeit. Past[or] zu Unna zum GeneralInspectoren vorgesetzet und S. W. hie u. wieder in den Ämtern gewisse Coadjutores benennet und denselben eine gewisse Instruction, nach welcher sie ihre Inspection ordentlich zu verrichten eingehändiget.
Marchiacien ! primus fundatur ab aethere Magnes Caetus: sustenter, qui fuit ante Lapis
Die vorgemeldte Märckische Conffesion haben folgende Prediger unterschrieben:
M. Georgius Heilbrunner, Eccl. Aula Pat. Neob.
Stadt und Amt Unna
Thomas Haver, Past[or] Unnensis.
David Davidis Ecclesiastes Unnensis,
Jodocus Uphoff Sacellanus Ejusd. Eccl. ,
Degenhardus Maeß Past[or] Hospit. Unn.,
Herm. Rosenboem Past in Curll,
Nicolaus Witthenius Past[or] Aplerbecc,
Arnold Telonius Past[or] in Üpherd,
Franciscus Matthiae Past[or] in Delingh.
Melch. Distelbrinck Past[or] in Asselen,
Theod. de Steinen Past[or] in Froemb.,
Laurentius Back Eccl. In Metler,
Georgius Schefferus Eccl. Lünerens. Mod.,
Joh. Pipenstock Vic[ar] Lunerensis,
Winoldus Schimmelman P[astor] in Bosenh.,
Pet. Fröenhaus Vic[ar] in Bosenhagen,
Joh. Zur Weste Vic[ar] Eccl Hemmerdens,
Henr. Peupinkhaus Vic[ar] in Delwigk,
Joes Gocklenius Rect. Scholae Unn.
Stadt u. Amt Iserlohn
Johannes Varnhagen Past[or] Iserlohn,
Joh. Matthiae Hemerensium Pastor,
Johannes Wedekindus, Rect. Scholae Iserlohnensis
Seite 62
Amt Altena
M. Joh. Rombergius Past[or] Alten.,
Herm. Krane Vic[ar] ibid. per Romb. per noiatum [notatum=kennzeichnen,bezeichnen?],
Christ. Göbelius, Past[or] Kierspensis,
Johannes Rosarius Past[or] Eccl. Lüdenscheid,
Fredericus Dasipodius P[astor] Meinertzh.,
Godefridus Zimmerus Vic[ar] ibid. per Anted. Dasipodium,
Nicolaus Stellerus P[astor] Breckerfeldensis,
Joes Rerinckhusius P[astor] Herscheid,
M. Joes Wittenius P[astor] in Halver,
Herm. Rövestrunck Vic[ar] in Kierspe,
Anth. Junckher Past[or] Valbertensis,
Nicolaus Capito Vic[ar] ibid. p. ment. Junckherum,
Hermannus von Hunschedt P[astor] in Rönsahl,
Arnoldus Fischer Vic[ar] in Herschede,
Joes Schultz Past[or] Hülschedensis.
Amt Wetter
Joes Herinckhusius Past[or] Eccl. Wetter,
Joes Dopperus Past[or] Swelmensis,
Ulricus Medebachius V. ibid. per Dopperum dictum,
Bernh. Brochman S. Schwelm Minister,
Henricus Riese P[astor] Giebelsbergensis,
Goswinis Künemannus ap. Hagensis V. D. Min.,
Joes Fabricius P[astor] Ecclae Wingeranae,
Theod. Schluckenig Diac. Wingerens.,
Theod. Klenius P[astor] Herdichensis,
Joes Tackenius Col. idid. p. Cleniu., dir.,
Wesselus Dröghorn Past[or] Volmerst.,
Melchior Ebbingkhausius Vic[ar] Vördesis
et Eccl. Buchemensis Orth. Min.
Statt und Amt Schwerte
Henr. Ludwigh Vice Curatus Eccl. Schwert.,
Herm. Niederstadius Eccl. Schwert. Min.
Amt Bochum
Joes a Wullen Past[or] Parv. Trem.,
Gottschalins a Borg Vic[ar] et Sacrit nb. Defecit ad Calvinism...m,
Joes Zytopaeus Col. Trem. S. et. P. Wischeh.,
Herm. Fabrixius P[astor] in Langendreer,
Leonh. Frillinchhus P[astor] Hern per. Alsted.,
Matthias Alstedt V. Hern. et P[astor] in Stründe,
Henricus Rumpaeus P[astor] Capella Grimbergensis,
Henr. Alberhausen V.D.M. in Krange,
Theod. ab Auwe P[astor] Wittensis.
Amt Hoerde
Christoph a Monte P[astor] Brackelensis,
Georgius Drögehorn Min. Ecclae in Hörde,
Laurentius Wuneberg P[astor] in Kirchhörde,
Pet. Murhaeus P[astor] Wellinckhowensis,
Jodocus Scholring P[astor] in Barop,
Herm. Ludwig P[astor] in Eickelinghoven,
Gerhardus Statthauer P[astor] Rüddingh.
+Theod. Ab Auwe dictum[?].
Stadt u. Amt Lünen
Wilh. Back P[astor] in Lünen per Laur. Back fil. P[astor] in Metler,
Joes Tappius V.D.M. in Lünen,
M.Henr. Martini P[astor] in Derne.
Gerichtern
Herm. Maercker P[astor] Ecclae Herbedensis,
Herm. Westerman P[astor] in Stipel.
Amt Neustadt
Hermannus Garenfeld P[astor] in Liberh.,
Joes Hollmann L. zur Neustadt.
Seite 63
Mauritius a Neuenhove Cognomine Ley pro Parente Gerh. a Neuenhove Cogn. Ley et pro Pastore Gummersbacensi Collatore et pro Johanne Henckelio P[astor] Möllenbacensi et Joe Schorremio Vic[ar]
Robertus Corvinus V.D.M. in Gummersbach
Joh. Blomicus Ludimag. in Gummersbach.
Amt Hamm
Simon Philippus Gummersbach V. et Min. in Marcke,
Herm. Hermelingius Eccl. in Marcke.
Es ist auch dem Inspectori Haver ein Fürstl. Patent ertheilet worden, wie auch den HE. Coadjutoribus und Subordinatis Inspectoribus eine Instruction, wornach sie sich in ihrem munere [Aufgabe] zu richten, u. darauf beyde Pfarrherren u. andre Diener am Wort, auch die Schuldiener, zu sehen gegeben worden.
Seite 64
1613.
Nicht lange hernach, wie ein ordentl. Ministerium angeordnet, hat der allein weise Gott gezeiget, wie wenig mann sich beym Schutz seiner Kirchen auf Menschen zu verlassen habe. Indem beyde possidirende [besitzende im Sinne von herrschende] Chur- und Fürsten in Uneinigkeit u. Mißverstand gerathen, sich einander bekrieget und ausgetrieben, auch beyderseits ihre Religionen mutirt [verändert, gewechselt], also daß Chur- Brand: zur Reformirten und Pfaltz-Neuburg zur Päbstischen Seite getretten, dadurch die arme Schääfflein wiederum jämmerlich zerstreuet und vieler Menschen Gedanken offenbar worden.
Seite 65
1614.
Den 19. May hat Georg Wilhelm Margraf als gevollmächtigter Gewalthaber alle und jede Unterthanen fest versichert, daß ohngeachtet seine jetzbekandte Religion ohngeändert auch gern gefördert sehen wolte, dennoch aber keinen Menschen oder Platz der Religion und des Exercitii halber drücken wollen, sondern an allen Orten den Reversalien [Versicherungsschreiben, das die Rechte u. Freiheiten der Untertanen nicht zu schädigen verspricht] gemäß regieren.
Dieweniger nicht sind hiedurch die Reformirte hin und wieder muthig worden, haben sich zusamen rottirt und entweder unsere Kirchen invadiret [überfallen] oder zum wenigsten ihre Separata Exercitia haben wollen, massen den auch unter andern zu Altena in der Freyheit D. Simeon von Diest, dero Zeit BurgerMeistr bereits in A[nn]o 1612 d. 13. April durch Einrichtung einer Singulär Calvinischen Confession unterstanden, und noch andre zehn Bedienten und Bürger an sich gezogen und nachgehends kostbahre und gantz ärgerliche Motus [Empörung, Aufstand] erreget.
Was Meinertzhagen anlanget, so ist mann daselbst jederzeit ohnangefochten blieben.
Hoc Anno ist hie zu Meinertshagen Christian von den Stöcken Küster geweßen.
Seite 66
1615
Stirbt Ulricus Medebach Vicarius zu Schwelm. Ihm folgt M. Peter Borberg welcher ex post als Pastor nach Vollmarsteni beruffen worden. Da ihm denn Caspar Finckius gefolget.
Seite 67
1616.
D. 31. Aug. haben die Calvinisten zu Altena ein Churfl. Befelh ausgebracht, daß Bernhardus Decanus, ein Calvinischer Priester zu Neuenradt, ihnen zu Altena apart ihre Sacra öffentlich und ohnbehindert ahndienen solle. D[octo]ris Simeon von Diestes Kind getaufft und d. 27. Dec. in der Frau RentM[ei]st[e]rschen Behausung zum erstenmal geprediget und solches ferner continuiret. vid. a. seg.
Seite 68
1617.
Mit deme, was unter vorigem Jahr erwehnet, haben sich die Calvinisten zu Altena nicht begnügen laßen, sondern alsbald den 27. Jan. den Heydelbergischen Catechismum par force [gewaltsam, mit Gewalt] in die Schule eindringen wollen, darüber schreckliche Motus [Empörung, Aufstand] entstanden, die Schulmeistere wegen Collusion [heimliches, betrügerisches Einverständis] ihrer Dienste erlassen, andere wieder angesetzet, dieselbe von den Statischen Guarnisonen, so dero Zeit unterm Commando des HE. von Potlez auf dem Churfl. Schloß gelegen, gefänglich angehalten und endlich durch den Pastoren M. Rhombergium aus Ursachen, deß bey seiner Bedienung
- Die grosse Oblaten abgeschaffet
- Das Brodbrechen in actione S. lienae unterlassen.
- Die Sacramente=Mündliche Niessung gelehret
- Eine neue Adhortation [Ermahnung] gebraucht
- Und die Reformirte so offt, als sie ihre absonderliche Bekäntnüs treiben und darauf hinzugehen wollen, von der Communion abgehalten.
endlich cassirt, und seine Anhänger pro Tuibatorius pacis publicae [für Aufwiegler des öffentlichen Friedens] erkläret worden, davon die Freyheit Altena ad Cameram appelliret auch Processus u. Inhibitionem [Unterlassungsschreiben, -befehl] erhalten hat.
In diesem Jahr sind einige Reformations artickel von Churfl. Brandenburgischer Regierung publiciret worden, so alle Prediger Lutherischer Religion unterschreiben solten, darüber sie sich, ausserhalb sehr wenigen so weder kalt noch warm gewesen, beschwert gefunden, auch durch Gottes Gnade vor dismahl befreyet worden.
Seite 69
1618
In diesem Jahr ist geschehen der große und schreckliche Comet, welcher innerhalb 30 Tagen fast die gantze Welt durchlauffen, und derselben als ein schneller Postbotte Gottes den eingefolgten [nachfolgenden] 30. jährigen Krieg verkündiget hatt. So steht dieses in einem alten Convents Buch annotiret.
D. 11. May ist HE. Johannes Rosarius oder Rosencrantz, nachdem er zu Lüdenscheid bey 48 Jahr Prediger gewesen, gestorben. Und hat der Hogräve Paul Bitter die Pastorath von dem Collatore dem Abt zur Grafschafft anfänglich auf seinen ältesten und nach dessen Todt auf seinen jüngsten Sohn, der Gemeine gantz ohnwissend, hinterlistig expractisiret und Herren Wilh. Hallbachium etliche Jahr pro substituto gehalten.
Weilen aber Wilh. Hallbach bey der Pastorath geblieben, so ist zu schließen daß der Hogräve nicht durchdringen können.
Seite 70
1619.
In diesem Jahr ist der hiesige Vicarius Gottfridus Zimmerus oder Zimmermann gestorben. Er hat bey die 40 Jahr allhie gestanden. Wegen der Treue in der Reformation hat ihm die Gemeine vieles zu dancken. Der Altar beym Armenstock hat HE. Gödderts Altar geheissen, (welcher zu den Päbstischen Zeiten U[nser] L[ieben] Frauen Altar gewesen); an selbem Altar hat sein Nahme gestanden nebst diesen Worten, beym Armenkasten:
Wem et Gott get in sinen Sinn, dei get hie den Hußarmen wat in.
Göddert Timmermann, Vicarius zu Meinertshagen.
Er ist sonst gebürtig gewesen vom Redtlendorff, entweder aus Knaps Hause oder, wie andre wollen, einer jetz verfallenen Haußstette in Knaps Hofe.
An seine Stelle ist alhie wieder zum Vicario vociret [berufen] Theodorus Nippelius von Lennep. Wie lange dieser Nippel hie gestanden und wenn er gestorben, finde [ich] nicht, nur daß nach seinem Tode Theod. Cöllerus oder Cöler in Vicariata gefolgt.
Sonst ist hie zu notiren daß die Begräbnüsstette derer Vicariorum [der Vikare] gewesen vor dem Altar am Armenstock (olim [einst] Lieben Frauen Altar) unter den Listringhauser Kirchenständen.
Hoc Anno ist auch der hiesige Meinerzhagische Richter Peter Wever gestorben aetatis [Alter] 104 Jahr.
Er ist der erste Lutherische Richter hieselbst geweßen, er hatte zwar wegen seines Alters den Dienst seinem Sohn Christian Wever übergeben, weil aber solcher noch vor seinen Vatter gestorben, so hat er den Dienst wieder post obitum filii [nach dem Tod des Sohnes] übernommen. Dieser Peter Wever hat zur Zeit der Reformation hie gestanden. Sein Wohnhauß ist geweßen unter der Linden neben dem Grunde in alte Richtershause, sein Sohn Christian Wever hat die Crone gebauet [heute Hauptstr. 42] und da gewohnet. Sonst ist bemeldter Peter Wever der StammVatter aller Wevers wie unten aus der Stammtafel zu sehen.
Nach seinem Tode hat sein Enckel Henrich Wever, Capitain u. Commendant zu Altena, den Richters Dienst zu Meinerzhagen wieder bekommen u. ist auch Richter zu Valbert geweßen. Wie aber dieser Henrich Wever seinem Bruder nach dreyen Jahren den Dienst zu Meinertshagen übertragen vid. sub. A[nn]o 1622.
Seite 72
1621.
D. 28. Apr. haben Churfl. HE. Commissarii benandlich HE. Johan von der Borg, Drost zu Altena und Iserlohn, HE. Wilhelm von Hatzfeld zu Öhdendahl, dero Zeit General-Commissarius der Grafschafft Marck, HE. Joh. Schmid, Märckischer Anwald und Herman zur Megden, Amtschbr., den H.M.Jo. Rombergium Past[or] zu Altena, welchen sie in vorigen Jahr wegen verweigerten Subscription [Unterschrift] einiger im Gewissen praejudicirlicher Articulen ab Officio suspendirt hatten, ex mandato illustrissimi totaliter destituirt und cassirt, mit dem Anfang, daß alle diejenige, so HE. Rhombergium post dato pro Pastore Altenano erkennen würden, pro turbatoribus pacis [für Aufwiegler des (gegen den) Friedens] hiemit solten erkläret seyn u. nach Verdienst bestraffet werden, welches Churfl. Cassatorium folgenden 28. May oder Montags in Pfingsten von Adolpf Klocken zu Altena vor dem hohen Altar ist offentlich verleßen und publicis valvis affigiret [an der öffentlichen Klappe angeschlagen, d.h.veröffentlicht], und daselbst von einem immatriculirten Notario Rudolph Drächtern genand, abcopyret, und von Rath u. Gemeine zu Altena hingegen öffentlich protestiret und ad cameram appelliret worden, massen auch daselbst in folgender Zeit processus, inhibitionem et restitutionem Dnj M. Rhombergii sub poena 10. Mare. Aur erhalten haben.
Unterdessen aber hat Jacob Hase Schultheiß zu Meinerzhagen d. 23. Aug. mit Einführung einiger Amtschützen u. zugezogenen Soldaten vom Schloß sich zum
Wiedenhoff zu Altena verfüget, des Pastoris Mobilia aus dem Pfarhause unter den blauen Himmel geworffen. Die Hausfrau aber wegen zwey Kranck liegender Kinder vier Tage zur Ausräumung indulgiret [nachgesehen, erlassen], und Rötgerum Hordtbau, den Schulmeistern, auf das Churftl. Schloß gefängl. aufgeführet, auch in diesem großen Tumult ein Hauß in Brand gestecket, so doch durch Gottes Gnade wieder gelöschet worden, welche ohngeheure Gewalthaten die Kayßl. Inhibitoria u. Restitutoria, so d. 19. Dec. durch Philip OberRath, den Kayßl. Cammerbotten, insinuiret [bekannt gemacht] worden, nicht wenig befördert haben.
Seite 73
1622.
Hoc Anno hat der Richter Henrich Wever seinen Bruder Peter Wever den hiesigen RichterDienst überlaßen und er hat den zu Valbert vor sich behalten. Dieser Peter Wever hat geheyrathet Gerdruth Dürholtz, einige Tochter und Erbin zu Dürhöltzen und vieler andrer Güter zu Hahnebecke, Grönebecke etc., etc., vid. sub A[nn]o 1671 et 1677.
*
[...]
In diesem Jahr haben die Spanisch-Lothringische das Schloß Altena zu Behuff Ih[rer] F[ürst]l[ichen] Durchl[aucht] Pfaltz Neuburg wieder eingenommen.
Auf Sontag Septuagesimae haben Bürgermeister, Rath u. Gemeine zu Altena ihren Anthoritate Caesarea restituirten Pastorem M. Rhombergium in Gottes Nahmen wieder in die Kirche geführet, auch folgends die Wiedemhov wieder einräumet, und sind also durch Gottes Gnade wieder zu ruhigem Stande kommen.
[...]
Seite 74
1623.
[...]
In diesem Jahr hat Thomas Nüßgen seine anvertraute Gemeine zu Hülschede zu hinterschleichen angefangen. Den[n] nachdehm der Pastor Schulte, davon wir oben sub. Anno 1582 gehört, gestorben, so ist damaliger Schulmeister zu Hülschede Thomas Nüsgen wieder zum Lutherischen Pastore installiret worden, es hat aber selbiger den Heidelbergischen Catechismum pedetentim [eig. pedetemtin(lat.)=allmählich, bedächtig, nach und nach] und ohnvermerckt eingeführt, und ob zwar die Gemeine zu Hülscheid dawider geweßen, so hat gleichwohl damahls Commissarius Haesfeld, welcher folgends Drost zu Altena worden und der Reformirten Religion zugethan gewesen, connivendo [ein Auge zugedrückt, Nachsicht gehabt] zugesehen u. dieselbe Reformirte Religion de facto et Authoritate beym Kriegsweßen manutenirt[erhalten; beschützen, bewahren], dahero sie bey etlichen von der Gemeine zu Hülscheid eingeschlichen.
Seite 75
1624.
Dis 1624ste Jahr und zwar der 1ste Jann. ist der notable Terminus, so in dem Westpfälischen Religions Friedensschluß bestimmt und angeordnet, als ein Restitutions[Wiederherstellungs]Tag, da in specie das Religions Exercitium, wie es in diesem Jahr d. 1. Jan. an jedem Ort geweßen u. irgend durch den 30jährigen Kriege gestohret oder verdrungen, hat müßen restituiert [wiederhergestellt] werden. Instr. Pac. §.5.
Was Meinertshagen in Specie betrifft, so ist das Exercitium Religions Evang. Lutheranae seit der Reformation beständig ohnperturbirt [ungestört] geblieben, es ist auch im 30jährigen Krieg beständig damit fortgefahren, wie denn in Ao 1624 allhie Lutherischer Pastor geweßen Fridericus Hase, der Vicarius Theodorus Nippelius, der Schulmeister Conradus Fabricius, welche alle der Lutherischen Lehre zugethan geweßen.
[...]
Seite 88
1635
D. 16. Feb. haben Churfl. Herren Commissarii Sr. HochEdl. gestrenge Stephan von und zum Neuenhove, Amtman u. S. EhrenVg. HE. Casper Grüter, RentMstr u. Hogreve zu Altena, ein Ehrw. Ministerium Altenanum auf den 23sten dit. zu Lüdenscheid auf das Rathhauß beschieden pp.
Unter andern haben sie ein[en] Churfl. Befelh vorgehalten nebst 6 vorgeschriebenen Articuln, befehlend, dieselbe nicht allein zu unterschreiben, sondern auch denselben inskünfftig nachzuleben: Der ohngefehrliche Einhalt ist geweßen:
Daß alle Luth. Prediger angeloben sollen 1.) In u. ausser der Kirche sich zu enthalten der schreckl. Lästerungen und Schmähungen über die Reformirten p.
2. sich zu entäußern der falschen Zeugnüsse, als wen die Reformirten lehrten, daß Gott ein Ursach der Sünden und ein blosser Mensch für uns gestorben wäre. 3.) Sich mit den Reformirten aller Christbrüdl. Liebe und Einigkeit zu befleissen und also allerseits Gebrechen mit aller Christl. Bescheidenheit und Sanfftmuth zu ertragen. Und 4. Zu Verhütung aller Zweyspaltigkeit aller neuen Parasium und ungewöhnlicher RedensArten sich allerdings zu enthalten. Und 5. und 6tens: Sich reciproce [wechselseitig] einander zu begrüssen, Conventus zu besuchen, einander zu Communiciren und zu begraben.
In Summa mit einem Wort, einen Syncretismum [Konfessionsvermischung] einzugehen, und solange fein stillschweigend zu dulden biß daß das gantze Land öffentlich Reformirt und Calvinisch worden.
Weil aber Ministerium Altenanum bald gemercket daß dieses eine sehr praejudicirl. [schädliche, nachteilige] Sache sey, hat mann Copiam et tempus deliberandi gebeten, auch von dHHr Commissariis gerne erhalten.
Hierauf ist alsobald an benachbahrte HE. Confratres [Amtsbrüder] geschrieben u. ihr[e] Rath u. Meinung eingehohlet, so all und jede einmütig dahin gezielet, daß Churfl. Articulen von keinen aufrichtigen Luth. Prediger schlechthin könten unterschrieben w[er]d[en], massen auch die Consilia Clar: Theologorum D. Menz, D. Feuerbornii, M. Scheibleri, M. Weveri, M. Hornungii et aliorum eben dahin gegangen.
Wes endes sowohl d. 1. Martii a.h. als auch d. 19. und 20. Conventus zu Lüdenscheid gehalten worden, darin resolvirt [beschlossen], diese Articulen zu beantworten, die nothwendigen Kosten dazu beyzubringen und bey Libris Symb. beständig zu beharren. In letzterm Convent ist beschlossen 1.) daß die Ev. Luth. Märkische Confession, so A[nn]o 1612 zu Unna aufgesetzt von allen Ministris Altenanis nun und inskünfftige solle unterschrieben werden. 2) Diese Churfl. Articul solle keiner unterschreiben, sondern es solle durch eine unterthänigste Bitt u. Erklärungs Schrifft abgebethen werden, weilen sie 1.) in vielen §§ praxi Ecclesiasticae 2.) August. Confessioni 3.) juramento Ordinatiois et gheqtr.4. Officio pii. Concionatoris zuwider wären.
Selbige Schrifft ist auch alsobald alle gefertiget ud intituliret [betitelt] worden:
Seite 89
Unterthänigste Exusation und Erklärungs Schrifft cum annexa petitione dero ohnv. Augsp. Confession zu gethanen Prediger des Amts Altena
uff
Die Nahmens Churf. Durchl. ihnen am 28. Feb. 1635 proponirter Ordnung, wie sie sich hinführo in ihrem Predigtamt zu verhalten.
Sie ist von folgenden unterschrieben:
Joes Mestingius Pastor in Altena,
Wilh. Halbach Past[or] Eccl. Lüdensch.,
Herm. Meyering Vic[ar] ibid.,
Joes Witthenius Past[or] in Halver,
Herm. Pipenstock Vic[ar] ibid.,
Fridericus Hase Past[or] Meinertshag.,
Theodorus Cöllerus Vic[ar] ibid.,
Herm. Hunschedius Past[or] Rhoensal,
Jacobus Gerhardi Past[or] Breckerfeld,
Herm. Cramerus Vic[ar] ibid.,
Herm. Rövestrunck Past[or] in Kierspe,
Herm. Rövestrunck junior Vic[ar] ibid.,
Antonius Schulte Past[or] Hersched,
Arnoldus Fischer Vic[ar] ibid.,
Wennemarus Leonhardi Past[or] Valbert,
Melchior Becker Vic[ar] ibid.,
Gottsch. Hebentheil Lud. in Halvern.
[...]
Seite 90
1636.
In diesem Jahr ist in gantz Westpfahlen, auch andrer Orten mehr, mitten unter den schrecklichen Kriegspressuren eine überaus gifftige Pestilentz gewesen, also daß in allen Kirspielen dieses Amts die Menschen in solcher Anzahl gestorben, daß wenig übergeblieben. In der eintzigen Freyheit Altena sind innerhalb drey Monathen bey 700 Menschen gestorben.
Wie hoch sich die Anzahl allhie zu Meinertzhagen belauffen kan aus Mangel der alten Kirchenbücher nicht wissen, doch habe mir referiren [berichten] laßen, daß einmal 400 Menschen u. auf einandermahl 300 daran gestorben. So viel ist gewiß, daß sie mehr als einmal hieselbst stark grassiret. Es sollen auch nach der Pestzeit nur 7 Güter aufm Kirspel seyn bewohnt geweßen.
Jacob Wever, Kauffhändler und Reidemeister hieselbst zu Meinerzhagen, und seine Ehefrau Catharina Weindrancks sind in diesem Jahr zugleich an der Pest gestorben und folglich in hiesiger Kirchen in ein Grab beyeinander begraben worden. Damals ist ihr Sohn Johannes Wever nur 10 Jahr alt geweßen. Vid. Past[or] Schübbaei LeichPredigt auf sel. Joh. Wever gehalten 1697. pag. 29.
Weil nun in diesem und folgenden Jahr also ein schlechter Zustand war, sowol wegen der Pest als auch den schrecklichen Kriegszügen, so hat der hiesige Vicarius zu Meinerzhagen Theodorus Cöllerus seinen Dienst alhie aufgegeben und ist Diaconus in St. Nicolai Kirch zu Dortmund worden. Die Jahre sind so schlecht gewesen, daß mann bey Hauß und Hoff nicht hat bleiben können. Um welche Zeit er eigentlich weggezogen, obs in A[nn]o 36, 37 oder zu Anfang des 1638sten Jahrs gewesen, weiß nicht. Doch ist biß zu Ende des Kriegs [ist] kein Vicarius wieder beruffen worden, und der Pastor Joes Lemmer hat die Dienste bis dahin allein verrichtet, vid. A[nn]o 1648, 49 et 1573.
Zu Schwelm sind in Ao 1636 Tausend Menschen weniger 5 gestorben, nemlich 940 an der Pest und 55 an andren Kranckheiten.
D. 15. Nov. ist M. Johannes Witthenius, seit 1611 gewesener Past[or] zu Halver gestorben, ihm folgte sein Sohn Matthias Ernestus Witthenius.
[...]
Seite 92
1638.
Hoc Anno ist dem alten abgelebten Pastori Friderich Hasen hieselbst Johannes Lemmerus adjungirt worden, welcher Vicarius in Lüdenscheid war.
Der Contract ist geschlossen d. 28. Nov. folgender massen:
Zu wissen Kund und offenbahr sey jedermänniglich mit gegenwärtigem Breive, daß heut dato untenbenendt ein Christlich gütlich u. beständiger Contract und Einswerdung aufrecht und redlich gehalten und geschlossen zwischen den Wohledelen, Ehrenfesten auch Ehrenhafften und Vornehmen Adlichen, Richtern und sämtlichen Vorstehern Kirspels Meinertshagen und dann dem Ehrwürdigen und Wohlgelehrten Herren HE. Johanni Lemmero, zur Zeit Vicario zu Lüdenscheid nachfolgender massen: Nachdem der Pastor zu Meinertshagen Friderich Hase nunmehro alt und schwach und demselben in solcher Schwachheit den Gottesdienst allein zu verrichten beschwerlich und unmöglich ist, des endes dann nötig befunden, daß Zeit seines Lebens ein guter gelehrter Mann Sr. Ehrwürden adjungiret [zum künftigen Nachfolger geben] und beygeordnet werde, welcher den Gottesdienst verrichten helfe, worauf mit Ehrengl. HE. Lemmero contrahiret [übereingekommen], verabscheidet und entschlossen, daß S. Ehrwürden anfänglich auf alle und jede Bettage als des ersten Freytags in dem neuen Monath, welcher alle vier Wochen einfält, alhie zu Meinertshagen erscheinen und den Gottesdienst verrichten soll. Darnach und zum andern, daß jederzeit auf den andern Sontag und also von 14 Tagen zu 14 Tagen verpflichtet seyn soll, gleichfals zu erscheinen und den Gottesdienst verrichten. Folgends und zum dritten, dafern durch Schickung Gottes jetziger Pastor Todes verfahren oder schwach würde, daß er des Gottesdienstes nicht verpflegen könte, daß alsden jederzeit den Gottesdienst verrichten und laut der Vocation zu einem Pastoren eingesetzt werden deßendes sich allhie zu Meinertzhagen einstellen verpleiben und aufhalten soll. Würden aber der jetzige Kriegspressuren und besorgende gefährliche Durchzüge noch etwas continuiren, also daß S. Ehrwd. alhie nicht sicherlich wohnen könten, sondern viellieber sich zu Lüdenscheid aufhalten wollen, soll solches deroselben, solange jetziger Pastor den Dienst verwalten kann, erlaubt, nicht destominder alle obengesetzte Zeit alhie zu erscheinen und gegen Recompens [Vergütung] diesen Dienst zu vollziehen, auch wie obengemeldt da er den Pastor überleben würde, alsden alhier zu Meinertshagen zu wohnen verpflichtet seyn.
Dargegen sollen u. wollen Sr. Ehrw. die Vorsteher im Nahmen des Kirspels bey des HE. Pastors Lebzeiten [Seite] 93 und solange deßen Ehrw. den Gottesdienst bedienen helffen kan, vor die Mühe zum Recompens ausrichten und bezahlen Monathlich 4 Rthlr, welche ihm Engelbert Struppert zu Lengelscheid auf alle u. jede Bettage, so monathlich einfallen, sicherlich abzubezahlen angelobt und bezahlen soll, nach Absterben aber des Herren Pastors oder bey dessen vorfallenden Schwachheit oder daß S. Ehrw. den Gottesdienst nicht länger vertretten könte, soll mehrgltr HE. Lemmerus derer Renthen u. Accidentalien [Zufälligkeiten, Nebeneinkünfte], so einem zeitlichen Pastoren zu Meinertshagen von altersher verordnet und zugelegt, gewärtig und allerseits versichert, auch damit content und zufrieden seyn.
Ferner ist verabscheidet, daß mehrgmltr zukünfftiger HE. Pastor alhie nach Meinertshagen s. Dienst zu verrichten ankommen wird, ihm als den bey Peter Nippel oder sonsten bey jemand frey Herberg bestelt u. sobald auch die Gelegenheit fürfallen würde, daß dessen Ehrw. alhie wohnen und sich einstellen müste, daß diesem nächst in Mangel eines Hauses Sr. Ehrw. ein Guth u. bequemes Haus verschafft und freygestelt werden soll, biß daran ein gelegen oder sonsten der Kirchen zuständig u. zu diesem Dienst verordnet Hauß repariret und erbauet ist. Und ist dis alles getreulich und ohn gefährde verabscheidet u. beschlossen in Gegenwart
des Ehrw. u. Wohlgelehrten Herren Wilhelmi Halbachs Pastors zu Lüdenscheid, und dann des Ehrenhafften Engelberten Struppert zu Lengelscheid als hiezu insonderheit beruffenen und erbethenen. zu Urkund seynd dieser Contracts Breive zwey gleichlautend aufgerichtet mit einer Hand geschrieben, deren jeder Part einen zu sich genommen, auch zu mehrerer Bekräfftigung von beyderseits Contrahenten unterschrieben und auf Begehren von dem HE. Richtern mit seiner Pittschaft bekräfftiget.
Geschehen uf den 28. Novembris des Jahrs 1638.
L.S. Peter Wever, R[ichter] mppia
Peter Nippel
Christian Bremicker vor mich und
Stoffel auf dem Schürfelde hab ich unterschrieben
Engelbert Struppert
Uf Begehren
Henrich Vetter und
Johan Faßbenders sub scripsit:
Abraham Manne
Johan Prumbohm
Johann Schroer p.
Daß ggwl. Copey gegen sein wahres original abgelesen u. demselben von Wort zu Wort gleichlautend befunden bezeuge ich Hermann Sprenckelman öffener geschworener Kayßl. u. am Churfl. Clevischen Hoffgerichte immatriculirter Notarius mit dieser meiner Transription u. Subscription mppria
Seite 94
Die Vocation lautet folgender Maßen:
Ehrwürdig u. Wolgelehrter großgl. Herr benachbarter u. vertrauter Freund.
Ew. Ehrw. sollen nechst unserem freundl. Erbiethen anzufügen nicht vorbeygehen, wasgestalt unser Herr Pastor allhie zu Meinertzhagen HE. Friderich Hase nunmehr alt und schwach, also daß ihm der Gottesdienst länger allein zu verrichten beschwerlich fallen wird. Wann dann in diesen gefährlichen und beschwerlichen Zeiten neben unserem Pastor allhie eines guten Seelsorgers allhie vonnöthen, des endes vorhabens einen guten gelehrten Mann hiehin zu vociren, welcher unserem Pastori Zeit seines Lebens den Gottesdienst verrichten helffe, und dessen Ehrwürden sich adjungiren lasse. Als ersuchen Ew. Ehrw. hiemit freundlich begehrend, diese Condition zu acceptiren, unserem HE. Pastori sich adjundiren und den Gottesdienst Zeit seines Lebens verrichten zu helffen, mit dem Versprechen dafern durch Schickung Gottes des Allmächtigen unser nunmehr alter und schwacher Pastor zeitlichen Todes verfahren und den Lauf dieser Welt vollenden würde, daß Ehrw. alsden versichert seyn soll, daß wir dieselben vor einen zeitl. Pastoren erkennen und annehmen, die Pastorath und deren einkommende Renthen überliebern und einräumen und was sonst zu der Pastorath gehöret, und deroselbigen Accidentalien [Zufälligkeiten, Nebeneinkünfte] versichern wollen, befehlen Ew. Ehrw. hiemit in Schutz des Allerhöchsten und seyn dero Resolution und Einstellung gewärtig. Datum Dürhöltzen am 28. Novemb. A[nn]o 1638
Ew. Ehrwürden Freundgeflissene
Peter Wever, Richter mppria.
Christian Bremicker
Peter Nippel, ich auch vor
Henrich Vetter
Johan Faßbender
Engelbert Struppert
Johan aufm Velde vor
Stoffeln aufm Schürfelde
Peter zur Krummicke
Johann Prumbohm
Johan Schröder
Inscriptio:
Dem EhrWürdigen und Wollgelehrten Herren Johanni Lemmero jetziger Zeit Vicario zu Lüdenscheidt unserem Vielgünstigen, vertrauten und benachbarten Herren und Freund.
Pro vera Copia suo Originali de verbo ad verbum aequisona Hermannus Sprenckelmannus Publicus juratus laeharens inque Summa Electorali aula Clevensi approbatus Notarius Subscripsit.
Seite 95
1638.
Wie nun Johannes Lemmerus die Vocation angenommen, so ist der alte Pastor Hase einige Wochen hernach gestorben und hat ihm also die Pastorath allein überlaßen.
Der eigentliche Tag des Todes HE. Pastoris Hasen wird verschiedentlich angegeben. Ich habe in der gedruckten Nachricht hinter meiner Antritts Predigt den 1. Jan. 1639 angeführt, aus Ursach, weil in der alten Nachricht so in A[nn]o 1648 vom Richter Peter Wever ausgefertigt worden, ausdrücklich der 1sten Jan. stehet, da solches nur ohngefehr 10 Jahr nach HE. Hasens Tod geschehen auch bemelder Richter schon seit 1622 am Dienste gewesen. Indeß aber hat auch ebengedachter Richter in A[nn]o 1666 in seinem Bericht gesetzt, daß er circa finem anni [ungefähr Ende des Jahres]1638 gestorben. Da ich nun noch in einer andern Annotation [Anmerkung] in einem alten Convento Buch gefunden, daß er den 31. Decemb. 1638 soll verschieden seyn, so bin auf die Gedanken kommen, ob er vielleicht in der Neujahrs Nacht gestorben, daß daher sein Tod bald auf den letzten Dec. bald d. 1. Jan. gesetzt worden.
Er hat 52 Jahr alhie als Pastor gestanden, und hat sein Alter gebracht biß ins 74ste Jahr.
Seine Ehefrau ist eine Wittwe von Schwerte geweßen.
[...]
Seite 96
1639.
D. 1. Jan. obiit Fridericus Hase gewesener 52 Jähriger Pastor zu Meinertzhagen aet. 74 JaHE. Vid. pag. anteced.
Eod. A[nn]o ist Jo. Meslinginus Past[or] zu Altena Subdelegatus Classis Altenanae geworden.
[...]
Seite 97
1640.
In diesem Jahr ist der sogenandte Dänemärcker alhie erschlagen, es ist dis zu Meinertshagen eine bekandte Sache, aber die wahren Umstände sind den wenigsten bekandt. Der gemeinen Sage nach soll es seyn der König in Dännemarck gewesen, welcher alhie nebst seinen Völckern des Nachts überfallen, erschlagen und in die Kirche begraben worden, ja viel Leute haben es vor so merckwürdig gehalten, daß sie darnach gerechnet haben. Die wahre Umstände sind zu sehen aus einer Nachricht des damaligen Richtern Pet. Wevers, welcher zu der Zeit Richter geweßen und folgendes sub dat. 1665 hinterlaßen.
Copia
Angehet des erschlagene Güldenlevisch Regiment Christian Ulrichs von Dännemarck Datum A[nn]o 1665.
...mamorum
Interesse.
Anno 1640 am 16. Oct. hat sich zugetragen, alß des Königs Sohn in Dännemarck p. Christian Ulrich Baron von Guldenleve mit seinem neugeworbenen Regiment zu Dienst des Königs von Hispanien zu Meinertzhagen des Nachts inlogiret und sein Nachtlager allda genommen, seynd die Statischen von unterschiedenen Guarnisonen ad 600 Pferde und 400 zu Fuß mit Feuer Röhren auscommandirt gewesen, welche obgemeldtem HE. Obristen im marchiren auf den Dienst gepasset
und in obgl. dato des Morgens, als der Tag eben angebrochen gewesen, im Dorff eingefallen und an allen Kanten und Pässen sich mit tapferm schiessen, die Trommen und Trompeten geröret, dermaßen angefallen, daß sich die Dännemaerckischen stracks ergeben und die Flucht so gekont davon genommen, der sahliger Obrister sich aus seinem Logiment gestracks nach dem Kerckhofe begeben, woselbsten sich praesentiret, und als eben üm kein Quartier geruffen, ist er von den Statischen auf dem Kircheneisern mit 2 Schüssen niedergeschossen, und als [er] niedergesuncken, von ihnen biß auf das Hembd ausgezogen. Haben alle seine Pferde, Bagage und was an grossen Geldern in Vorrath geweßen, alles bekommen und so große Beute davon bracht, das nicht zu glauben.
Es sind 14 Reuter im Einfall geblieben, welche [ich] ehrlich auf den Kirchhoff begraben lassen, übrige allnoch sechs gequetschete werden nach Vermögen verpfleget.
Hiebey findet sich auch ein Brieff, welchen obgemeldter Richter also rubricirt:
Copia des Dännemärckers Schreiben ehe zu Meinertzhagen an General Sparen gethan, als er daselbst geschlagen worden. Ao 640 d. 18 Oct.
WolEdler Insonders Hochgeehrter Herr Bruder,
Ich habe von Nöthen gehabt zu avisiren [Seite] 98 an meinen HE. Brudern meinen Zustand und die Beschaffenheit meiner marche, als bin ich endlich mit grosser Mühe und Umwege diese Nacht anhero gelanget, und werde morgen wils Gott meinen Weg auf [Berg]Neustadt nehmen und alda ein Nachtlager nehmen. Der weite Weg und diverse Zufälle vom Feind haben mich sehr travalliret [travailliren=sich abmühen, sich etwas sauer werden lassen] und habe ein groß Theil Reuter zu Fuß und viel Gequetschete [Verwundete]. Mir wird von Dortmund vom Comendanten avisirt, daß 500 Statische den Rhein auf disseits hinaufgegangen seyn, darüm werde ich von Neustadt mich auf Siburg begeben. Aus Soest und Lipstadt haben mich gefolget 300 Fürrörers und 4 Compagnien Cavallerie, aber füder gestern Mittage habe ich sie nicht mehr vernommen, und etliche meiner Reuther, so ihnen wieder entkommen seyn, berichten, daß sie sind gesinnt, sich nach Gebelberg zu wenden, als bitte ich den Herrn Brudern, er wolle mir avisiren auf Siburg und neger her, ob es müglich ist, was ihm vom Feind bewust ist, und wie ich am sichersten logiren könte 2 Tage zwischen Siburg und Cöllen, biß ich meine arrivee [Ankunft] an sein Exp. dem Marquis de Lede avisiren könte und Ordre empfangen. Ich werde die meines Herren Bruders Zuthuung zu meiner Conservation [Erhaltung] an meinen Principalen rühmen und ich meines theils bin in allen Occasionen [Vorfällen, Gelegenheiten] meines Hochgeehrten Herren Bruders
getreuer und williger Diener
C U Guldenleve.
Mon frere obligire mich, daß dieser Brief möge addressiret werden, und thue mir die Gnade und melde wieder an mir mit einem Wort, ob es Ihr noch wohl gehet oder nicht und nehmen nicht übel auf diese meine Kühnheit, sondern befehlen mir wiederüm alß ich meinem Bruder in allen Occasionen bereitwillig dienen werde.
Aus diesen vorstehenden erhellet sodan zur G[e]nüge, wer der Dännemärcker gewesen, so alhie erschlagen worden, nemlich ein Guldenleve, ein natürlicher Sohn des Königs in Dännemarck, als welche pflegen v. Güldenleve genant zu werden. Sieht mann nun in die Daenische Historia, so hat es kein ander seyn konnen als ein natürlicher Sohn Königs Christiani IV., den daß dieser König natürliche Kinder gehabt, sieht mann aus Hübe. Geneal. Tabellen Tab. 87.
Mann siehet ferner, daß er ein Regiment geführet zum Dienst der Spanier, nun ist bekand, daß zu selbiger Zeit der blutige Krieg wegen der Niederlande geführet worden, darüm haben ihm die Staatischen Völcker aufgepaßet, ehe er sich mit seinem neugeworbenen Regiment mit den Spaniern conjungiren [verbinden, vereinigen] können. [Seite] 99 Ob und wo er in der Kirchen begraben liege ist mir unbewust. Das aber ist bekand, daß er grosse Gelder mit sich geführet, davon in dem Tumult noch einige Einwohner hieselbst zimliches mitgenossen haben sollen. Wen es d. 16. Oct. geschehen ist, so kan der Brief, den mann noch bey dem Güldenleve oder in seinem Quartier gefunden, nicht d. 18 datirt seyn, daher muß es entweder im Original oder Copey verschrieben seyn.
Seite 100
1641.
In diesem Jahr 1641 d. 6. Aug. ist zu Dahle im Amt Wetter von gesamten Ministerio Wetterensi et Altenano ein gemeinsamer Convent gehalten, auf welchem der erste Stein unsers Evangelisch Lutherischen reassumirten [wieder aufgenommenen, wieder vorgenommenen, erneuerten] Inspectorii, in Gottes Nahmen gelegt worden, indehm aus demselben an die HE. Prediger der 4 Hauptstädte dieserhalb geschrieben worden. Damahls sind aus diesen beyden Classen praesent geweßen.
Joh. Fabricius Past[or] Schwelmensis,
Petrus Borbergius Past[or] Hagensis,
Joes Kallenius Past[or] Herdeck. Praenob. Coll.,
Casp. Rodenradius Past[or] Wetter,
Casp. Wienthal Past[or] Herdeck,
Theod. Mallingrodt Past[or] Gevelsb.,
Casp. Kleppingius Past[or] in Dahle,
Adamus Messing Past[or] in Voerde,
Arnoldus Droighorn Past[or] Winger,
Joes Revelmanns Eccl. Volmerst.,
Herm. Cramerus Eccl. Schwelm,
Wilhelmus Halbach Past[or] Lüdensch.,
Jacobus Gerhardi Past[or] Breckerf.,
Joes Meslingius Past[or] Alten.,
Wennemarius Leonhardi P. Valbert,
Herm. Hunschedius P. Rönsal,
Anthonius Schulte Past[or] Hersched,
Herm. Rövenstrunck Eccl. Kiersp.,
Martinus zur Löwen Vic[ar] Breckerf.,
Joes Melmannus Vic[ar] Alten.,
Johannes Lemmer Past[or] Meinerzhag.,
Matthias Ernestus Witthenius P. Halv.
Diese einmüthige Schrifft ist alsobald durch HE. Casparum Kleppingium, Herren Johanni Varnhagio, Past[or] zu Iserlohn üm mit andern benachbarten Hauptstädten
daraus zu communiciren, eingeschicket. Das Ministerium Altenanum hat darauf den 13. Aug. einen Convent zu Lüdenscheid gehalten und Jo. Meslingium Past[or] in Altena subdelegiret, dasjenige, was in Conventu Dahlens. verabscheidet, helffen einzurichten. Desgleichen haben auch die Prediger des Amts Bochum gethan und daselbst d. 19. Aug. einen Special Convent gehalten, auf welchem M. Jo. Christoph Scheibler, Past[or] in Lütgen-Dortmund, zu dessen Amt Subdelegato erwehlet worden. Nachdehm nun dergl. auch in andern Ämtern geschehen, haben die Ministri der 4 Hauptstädten einen Conventum Subdelegatorum auf den 29 Aug. 1641 in Dortmund verschrieben, auf welchem einmütig unter andern beschlossen daß
1. Die Prediger der 4 Hauptstädte benandtlich Unna, Iserlohn, Schwerte und Lünen mit Zuziehung der Special Subdelegatorum aus den Ämtern aliquale Directorium Ministerii Marc. über sich nehmen wollen, biß der Barmhertzige Gott progressu temporis etwa einen gewissen Superintendenten verleyhen wolle.
2. Ein allgemein Buch ausfertigen, in welches Confessio generalis, so 1612 zu Unna approbirt, eingeschrieben und von allen Evang-Luth. Predigern, so jetziger Zeit in der Grafschafft Marck erfindlich, möge unterschrieben werden.
3. Solch gemein Buch solle per vices, von einem Pastoren der 4 Hauptstädte, ein Jahrlang verwahret, von demselben ein general Convent ausgeschrieben, und alsden seinem HE. Confratri vici- [Seite] 101 niori in folgendem Jahr dergleichen zu thun, und also 9 generalem Inspectionem cum Directorio zu führen einzuhändigen, damit mann zum wenigsten wissen könne, was bey dem Ministerio vorlauffe. Praesentes, sind geweßen
Thomas Davidis Past in Unna
Jo. Varnhagen Past[or] in Iserlohn
Matthias Glaser Past[or] in Schwerte
Wilh. Töllner Past[or] in Lünen
M. Jo. Christoph Scheibler Past[or] in Lütgen Dortmundt
Scotus Baack, Past[or] in Metler
Jo. Meslingius Past[or] in Altena
Melch. Bormecke Past[or] in Derne
Herm. Witthenius Past[or] in Aplerbeck
Pet. Borberg Past[or] in Hagen
Pancratius Ebelius Past[or] in Barop.
In diesem Jahr 1641 ist HE. Wennemarus Leonhardi Past[or] zu Valbert nach Unna zum StattPrediger beruffen und ihm ist in Officio gefolgt HE. Schöneberg. Gemelter Leonhardi Sohn Henr. Melchior Leonhardi ist expost in A[nn]o 1665 hieselbst Schulmeister worden.
Seite 102
1642.
Nachdem Ihro Churfl. Durchl. Georg Wilhelm Marg. zu Brandenburg, unser gnädigster Landesherr, das Zeitliche gesegnet, u. dessen Chur-Erbe Friderich Wilhelm in der Regierung succedirt [die Nachfolge angetreten] u. zu Königsperg in Preußen residirt, dieser Orten Reformirte sich äußerst bemühet, unsre mit Gott befangene Ordnung und gemeine Conventus zu turbiren, auch hin und wieder absonderlich zu Schwerte u. Werdohl den Predigern allerhand Drangsahl u. Betrübnüße unterm Vorwand, als wann dieselbe Gemeinden zur Zeit herausgegebner Chur- u. fürstl. Reversalen das Calvinische exercitium öffentlich verübet hätten, als hat mann den 28. Julii zu Schwerte einen Conventum subdelegatorum gehalten, darinne de ablegatione et congratulatione ad Illrim geratschlaget, dieselbe concepiret u. andre Nothwendigkeiten ad referendum von gesamten Subdelegatis aufgenommen worden.
Darauf d. 7. Aug. Conventum hujus Satrapiae in Lüdenscheid gehalten, darauf unter andern die ausgefertigte Respee Condolenz und Congratulation schreiben, sowohl an Ihro Churfl. Dürchl. selbst als auch alleroselben Stadthalter Marggrafen von Jägerndorff, von allen und jeden Herren Confratribus unterschrieben, dem Ministerio Wettterensi verschlossen zugeschickt und der EhrWürdige u. Wolgelehrte HE. Albertus Cramerus zu dienen allgemeinen Ablegato vorgeschlagen und erbethen worden. Die Unterschriebene Respee Condelenz Congratulation u. Intercession Schreiben seynd im gantzen Land de manu ad manus Subdelegatiorum ad Subscribendum fortgesand und endlich unterschrieben worden wie folget:
Ew. Churfl. Durchl.
Unterthänigst Demütigte Gebeth und Gehorsam willigste der Evang. Luth. Kirchen und Gemeinden Verordnete Prediger in der Grafschafft Marck.
Stadt und Amt Unna
Thomas Davidis Past[or] in Unna,
Wennem. Leonhardi StattPrediger,
Melchior Mallingrodt Diaconus,
Henr. Alb. Haver Past[or] ad Spir. S.
Dietrich von Steinen P. in Frömern,
Schotte Baeck P. in Metler,
Joh. Töllnerus P. in Opherdicke
Bernh. Westhoff P. in Asselen,
Herm. Mithenius P. in Aplerbeck,
Jo. Schultenius P. in Dellwig,
Herm. Pempinckhus Diac. ibid.
Eberh. Distelbringk Sac. in Aplerb.
Statt u. Amt Iserlohn
Joh. Varnhagius Past[or] in Iserlohn
Herm. Westhoff Sacell
Jo. Störing Vic[ar] et ad S.S. Past[or]
Herm. Niederstadt P. in Hemern
Eberh. Orsterpfort P. zu Deilinghoven
Statt u. Amt Schwerte
Matthias Glaser in Off. Eccl. Senior,
Albertus Cramerus Eccles. ibid.
Statt u. Amt Leunen
Wilh. Tölner Past[or] in Leunen
Melch. Bormcken P. in Dernen
Amt Hamm
Phil. Gummersbach P. zur Marck,
Eberh. Hermelingk P. in Berge
Stätte, Freyh. u. Amt Altena
Wilh. Halbach Past[or] in Lüdenscheid
Bernh. Hülshovius Vic[ar] ibid.
Jacobus Gerhardi P. Breckerfeld
Martinus zur Löwen Vic[ar] ibid.
Seite 103
Joh. Meslingius Past[or] in Altena,
Joh. Melmannus Vic[ar] ibid,
Herm. Rövestrunck Sen. P. in Kierspe,
Herm. Rövestrunck Jun. Vic[ar] ibid,
Joh. Lemmer Past[or] in Meinertzhagen,
Matthias Ernestus Witthenius P. Halverans.
Herm. Hunschedius Past[or] Rhoensal,
Joes Schonebergius Vic[ar] in Valbert,
Anth. Praetorius Past[or] Herschedensis
Arnold Fischerus Vic[ar] ibid.
Amt Wetter
Jo. Fabricius Eccl. Schwelm, Pastor
Petrus Borbergius Eccl. Hag. Past[or]
Joh. Kallenius Past[or] Herdeck,
Casp. Weendahl Past[or] Herdeck
Casp. Rodenrodt Past[or] Wetterensis,
Joh. Ernesti Vic[ar] ibid,
Arn. Dröghorn P. Wingerensis,
Jo. Revelmannus P. Volmerstein,
Theod. Mallingrodt P. Gevelsberg,
Herm. Cramerus Eccl. Schwelm,
Casp. Kleppingk Past[or] in Dahl,
Adamus Messingk P. in Voerde
Amt Blankenstein
Jo. Bert. Maercker P. in Hattneggen,
Bernh. Welstacker Vic[ar] ibid,
Bernh. Brinckman P. Werdensis,
Henr. Fischer Past[or] in Sprockhövel
Amt Bochum
M. Jo. Christoph Scheibler Past in Lütgendortmund
Theod. Kleine Past[or] in Eyckel
Jo. Baeck Past[or] in Herne,
Jo. Vörstins P. in Gelsenkirchen,
Christoph Boeker Vic[ar] Ibid,
Conr. Wischmann P. in Ümmingk.
M. Jo. Reppius P. in Grimberg,
Henr. Fabricius P. in Wattenscheid
Casp. Piscator P. in Wethmar
Jo. Osterman P. in bochum
Jo. ab Awe P. in Witten et Vic[ar] par. Tr.
Wennemar Christiani P. Langendr.
Theod. Ludovici P. in Harpen
Freyh. und Amt Hörde
Georg. Dröghern Past[or] in Hörde,
Jo. Westhoff P. in Brackel,
Wilh. Baeck P. in Wellinghoven,
Herm. Grube P. in Kirchhoerde,
Petrus Rotarius P. in Eicklinghoven et Rüddinghausen,
Pancratius Ebelius Past[or] in Barop
Gerichter
Christoph Steller p.t. Past[or] in Witten,
Andr. Hülshovius P. in Stipel,
Georg Westerman P. Herbedensis,
Jo. Haver V.D. Minister in Megede
In Summa haben diese Schrift 76 Prediger unterschrieben.
Die andre sind nicht praesent gewesen. Theils Stellen haben vacirt, maßen schon diese Zeit bey Hundert Prediger in der Grafschafft Marck Ev. Luth. Religion zugethan geweßen.
Den 2. Oct. ist HE. Alb. Cramer Vic[ar] zu Schwerte in Gottes Nahmen nach Königsberg abgereiset, vorgemeldtes Schreiben Sr. Churfl. Durchl. eingeliefert und d. 24. Feb. folgenden Jahrs glücklich u. gesund, auch mit gnädigster Resolution (Gott sey ewig lob) wieder heim kommen.
Zu dieser äuserst nötigen Ablegation [Ablegat=Abgesandter] sind unter gesamten Evang. Luth. Predigern hiesiger Grafschafft ausgeschlagen 122 Rthlr, davon hiesigen Amts guota 18 RtHE. richtig geliefert worden, und haben die HE. Brüder Amts Wetter und Bochum ihre recht behörende Quoten nicht beygelegt, so in folgenden Zeiten nicht weiter zu dulden. In diesem Jahr haben S. Churfl. Durchl. [Seite] 104 in einem Rescript aus Königsberg d. 26. 9bris sich allgdst resolvirt 1.) daß sie niemanden in Ungnaden verdenken wollen, er sey geist- oder weltlichen Standes, wen er in seinen Bedrängnüssen zu Ihro Churfl. Durchl. Persohn u. Hoflager Zuflucht nehmen werde. 2.) Auch niemand in seiner rechten Befugnüssen trost- u. hülfloß zu laßen 3.) auch die einmahl gnädigst ertheilte Reversalen [Versicherungsscheine], so oft sie nur vorlauffend Sachen rechten Grund eingenommen, nimmermehr aus den Augen zu setzen.
It[em] in diesem Jahr unter gesamten HE. Gerichtlichen dieser Grafschafft ausgeschlagen d. 19. Xbr. ad 61. Rthlr u. davon diesem Amte 9 zugetrungen, so zur Preussischen Reise verwendet worden.
Seite 128
1660.
Weilen HE. Leopold Wever, des HE. Richters Sohn, den Vicariat Dienst nicht acceptiren wollen, so ist HE. Jo. Engelbert Lemmer, welcher sub ea Conditione vorigen Jahrs vociret worden, bey der Vicariat geblieben.
D. 27. Junii ist HE. Wilhelmus Sartorius, Waldeccus, alhie zum Schuldiener und Organisten unanini Consense an und aufgenommen, und ist ihm pro salario Jährlichs aus Kirspels Mitteln versprochen die Summa ad 40 RtHE.
D. 5. Aug. ist das Vicarien Hauß mit Glück aufgerichtet und aus gemeinen Kirspels Mitteln ausgefertigt worden.
In der Nacht vom 18 auf d. 19. Dec. ist alhie und durch gantz Westphalen ein mächtiger und gewaltiger Sturmwind entstanden, welcher lange Zeit schrecklich getobet und gewütet, auch vielen Schaden gethan, neue und alte Häuser niedergerissen, viele Dachloß gemacht, Bäume ausgerissen und abgeworffen, ja dieser entsetzliche Sturm hat auch den schönen u. mächtigen Thurm zu Unna dermassen angegriffen, daß er einen plötzlichen und schreckl. Fall gethan, dadurch nicht allein die grosse StadtKirche mehrentheils ruiniret, sondern auch sieben Persohnen, die des Sontag Morgens früh sich nach dem Gotteshauße verfüget, in der Kirche erbärmlich ümkommen, andere sind auch sehr gequetschet worden.
Seite 129
1661.
Im Febr. ist ein schreckl. Cometstern gegen Sonnen Aufgang eine geraume Zeit gesehen worden, des Morgens üm 4 und 5 Uhren, zwischen dem Adler und Delphin.
NB. Dieses habe auf einem Blatt aus einem alten Kirchen Buch von sel. Past[or] Schubbaeo notirt gefunden.
D. 15. May des Abends üm 10 Uhr ist das herliche und Fürtrefliche Gebäu des Thurms zu St. Reinoldi in Dortmund, dessen Spitze mit Bley und Kupfer gedecket war, zu Grunde gefallen zusamt dem Maurwerck und darunter stehenden starcken Pfeilern, welcher schreckl. Fall die Halbscheid [Hälfte] der grossen Kirche, samt dem herlichen Orgelwerck zerschmettert, die Glocken mehrentheils zerbrochen, das Uhrwerck zermalmet, daß also ein überaus grosser Schaden geschehen, doch aber ist nur ein Nachtswächter dabey todt blieben.
Seite 130
1662.
Von diesem Jahr habe ich eine gar besondere merckwürdige Annotation [Anmerkung] von HE. Past[or] Schübbaeo gefunden, folgender massen:
A[nn]o 1662 ist ein gar genehmer Winter gewesen, daß mann auch mitten im Januario Hageböcken und Hollunden Mäy gesehen, und sonsten allerhand Blumen häuffig aus der Erden kommen, dergleichen bey Menschen Bedencken nicht geschehen!
D. 14. April üm Mittags Zeit sind die zwey Häuser auf der Grönebecke zu Grunde abgebrandt, davon auch der anstossende Berg angangen und mehrentheils verbrand worden, ist vom Toback angangen.
D. 1. Sept. Nachts zwischen 12 und 1 Uhr ist allhie ein grausam und erschreckl. Donnerwetter entstanden, davon die an der Erd stehende Kornfrüchte fast mehrentheil ausgeschlagen u. verderbet, wie auch folgenden Tag den 2. Sept. in der Nachbarschafft durch gewaltigen Hagelschlag zu Lüdenscheid und Halver geschehen.
In diesem Jahr ist auch eine schwere und theure Zeit eingefallen, daß man kaum vor Geld Brod bekommen können.
Auf St. Thomae Tag ist von Geistlichen und Kirchmeistern placidiret [gutgeheißen], und bewilliget, daß da eines zeitl. Schuldieners Haus Frau keinen beständigen Kirchen Stand hat, die hinterste Trauer Banck (doch citra Consequentiam) dazu soll genommen werden, doch also, daß dafern Leichbegängnüße sind, sie sich dessen gäntzlich enthalten, und niemand verhinderlich seyn soll.
Seite 131
1663.
In A[nn]o 1663 sind zu Meinertzhagen
gebohren 17.
gestorben 27.
Copuliret 6 Paar.
Seite 132
1664.
D. 13. Oct. des Morgens üm 4, 5 und 6 Uhr ist dieses Orts, sonsten durch gantz Teutschland, ein grosser Comet Stern mit einem langen Schweif nacher Osten gesehen worden, so biß ins folgende 1665ste Jahr und zwar biß den 14. Jan. erschienen, war schrecklich anzusehen, sintemal der Schweif nach der Astronomorum Aussage 336 Meil Weges soll lang gewesen seyn. Ao B Schübbaeus. P.M.
D. 16. Aug. Vormittag zwischen 11 und 12 Uhr ist Junckern Engelbert von Neuhoff genand Ley zu Badinghagen sein Sohn Joh. Wilhelmus zu Wipperförde bey seinen Studiis an den Kinder-Blattern gestorben und alhie in der Kirche begraben worden, seines Alters 8 Jahr 20 Wochen 6 Tage.
D. 11. Oct. ist die Viel Ehr u. Tugendreiche Frau Anna Halbachs, des Ehrenhafften Joh. Mehlers Kirchmeisters hieselbsten Haußfrau, im HE. entschlaffen matr. 5 Jahr weniger 7 Wochen aet. 43 Jahr.
D. 31. Oct. ist der WohlEhrw. HE. Johannes Meslingius Pastor in Altena im HE. entschlaffen aet. 70 [Jahr]. Er ist Vicarius zu Kierspe gewesen von 1620 biß 1626. Da ist er an die Stelle M. Jo. Rombergis, welcher von Altena nach Unna vocirt, wieder Past[or] zu Altena worden. Dieser Meslingius hat also zu Altena 38 Jahr gestanden, ist auch Subdelegatus Classis Altenanae gewesen.
Herm. Cramer von Dortmund, erst Vic zu Breckerfeld, demnächst Vic[ar] zu Schwelm stirbt d. 3. Feb.
Ao 1664 sind allhier:
gebohren 40.
gestorben 11.
Copuliret 7 Paar
[...]
Seite 133
1665.
D. 11. Feb. ist, nachdem Wilhelmus Sartorius, Waldeccus von hiesiger Schule nach Eckenhagen zum Vicarius vociret und folgl. der hiesige Schul- und Orgeldienst vacant worden, auf Vorschreiben des HE. Drosten Stephan von und zum Neuenhove und des Herren Inspectoris Thomae Davidis, wiederum zu besagtem Schul und Organisten Dienst unanimi Consensu vocirt und angenommen Henricus Melchior Leonhardi Unnensis, Filius Dom. Wennem. Leonhardi, gewesenen Past[or] In Valbert und StadtPredigern in Unna. Dessen Vices der HE. Vic[ar] Jo. Engelb. Lemmer biß zu seiner Antrettung verwaltet. Den 30. Aug. ist endlich bemeldter Leonhardi ankommen und hat folgenden Tages sein Amt zu verwalten den Anfang gemacht.
Im April des Morgens früh ist abermahl gegen der Sonnen aufgang ein grosser, schrecklicher und feuriger Cometstern gesehen worden.
Hoc anno sind allhie:
gebohren, 35.
gestorben 14.
Copuliret 8 Paar.
D. 29. Jann. Morgens früh üm 6 Uhr ist des zeitl. Vicarn Joh. Engelb. Lemmeri Söhnlein Johannes tod in seinem Wiegelein gefunden aet. 19 Wochen 3 Tage.
Seite 134
D. 21. Feb. ist wegen hiesigen Kirchen Status von unserem großgebietenden Herrn Drosten Stephan von und zum Neuenhoff laut gnädigster Churfl. Verordnung ein Rescriptum [Antwortschreiben] eingesand worden, darauf resolviret [beschlossen] wie folget:
Diesemnächst haben S. Gestrl. der HE. Droste der Ämter Altena und Iserlohn Stephan von und zum Neuenhoff mir sub dato den 21. Febr. auf einkommene Churfl. Verordnung ein Befehl Schreiben eingesand pflichtgemäßig zu berichten, welcher Religion zugethane das Exercitium a dato vorgemeldten eingenommenen attestati.
(NB. Dis ist das attesti von 1648 so oben sub A[nn]o 1573 angeführt habe.)
in der Kirchen zu Meinertzhagen gehabt, zu welchem Ende habe die unten bemelte beschworene Vorsteher u. Scheffen zu Rede gestellet und ihres Vorstehers und Scheffen Eides errinnert, welche dann darauf deponiren [aussagen] daß im Jahr 1648 HE. Johannem Schübbaeum zum Vicario beruffen, und nach Absterben HE. Pastoris Johannis Lemmeri im Jahr 1657, wiederum zum Pastore vocirt, und des abgelebten HE. Pastoris Lemmeri Sohn Johannem Engelbertum Lemmerum zum Vicario im Jahr 1659 beruffen, welche dann der wahren Evangelisch Luth. Religion zugethan und ihr Amt treufleißig bisherzu verwaltet, und biß an ihr Ende zu verrichten angelobt. Betreffend die Rhenten so ein zeitl. Pastor u. Vicarius zu Meinertshagen zu geniessen gehabt sind schlecht, daß dieselbe damit kümmerlich auskommen können. Dieserhalb die Gemeine wegen der ruinirten Güter beyspringen muß. In hiesigem Kirspel ist fast kein Unterthan oder Beerbte, so der Röm. Cathol. Religion zugethan. Von den Kirchen zu Lüdenscheid, Halver, Herschede und Valbert ist mir anders nicht wissig, und soweit sich die Gedächtnüs erstrecket und ich in Ihro Churfl. zu Brandenb. Diensten nun in 43 Jahr gestanden, als daß bey denselben gleichergestalt das Exercitium Augspurgischer Confession geübet und gebrauchet worden. Zu Wahrheits Urkund bezeuge hiemit, daß unterschriebene Vorsteher und Scheffen sowohl voriges als dieses Wahr zu seyn bezeugen, gestalt sie den auch mit eigener Hand Unterschrifft bescheinigen, zu welchem Ende habe meinen Gerichtl. Insiegel darunter gesetzet. So geschehen Meinertshagen d. 28. Febr. 1665.
L.S. P. Weuer Richter
Wilhelm Schürman, Scheffen
Joh. Wever, Vorsteher
Friderich Knoche
Johan Lüsebrinck
Johan Glabicker
Jacob zur Güntenbecke
Jacob Wever, Vorstehern
Seite 135
1666.
D. 28. May ist ein Churfl. Befelh ümgeschicket, daß ein jeder Bericht einschicken soll, was sowoll die Römisch Catholische als Evang-Reformirte oder Lutherische Religions Verwandten vor dem Jahr 1624 vor Kirchen, Schulen oder sonsten publicum oder privatum Exercitium ihrer Religion gehabt, darab sie zwischen dem Jahr 1615 und gltm Jahr 1624 verdrungen oder de facto et per vim majorem entsetzet worden, von wem und quo anno solches geschehen, ob sie ex post facto und quando restituiret [wiederhergestellt], auch alnoch anjetzo in ruhigem Besitz davon seyn? Da aber die Restitution biß auf jetzige stunde nicht geschehen seyn solte, ob noch und wieviel Familien und Haushaltungen selbiger Religion an solchem turbirten [stören, verwirren, mit Bosheit verfolgen] Ort sich anjetzo aufhalten und wie und wo sie ihren Gottesdienst üben, und wie sie von anderen tractiret [behandelt, bearbeitet, getrieben] werden ?
Jh. von Heyden
Wilhelm Bochman
Welches unterthänigst beantwortet folgender massen:
Auf einkommenden gnädigsten Churfl. Befehl, Ich Churfl. Brandenburgischer Richter zu Meinertshagen Peter Weuer der Ältere urkunde und bezeuge hiemit unterthänigst, wie seithero Anno 1573, da die öffentliche Abtrettung vom Pabstum zum Evangelischen Christenthum, durch Gottes Hertzliches Erbarmen und Erleuchtung
geschehen, diese Kirche zu Meinertshagen u. Schuldienste von ohngezweifelten Evangelisch, unterscheid halber Lutherisch genanten Dienern allemahls biß auf gegenwärtigen Tag verwaltet, und die dazu verordnete Renthen genutzet worden. Also ist absonderlich und in Specie A[nn]o 1615. hieselbst Pastor gewesen wie auch 1609 Herr Fridericus Haße, sintemahl selbiger A[nn]o 1638 circa finem selig und ruhig in seinem Pastorat Dienst ohnperturbirt [ungestört] verstorben. Jisdem annis ist Vicarius oder Capelan gewesen Goderidus Zimmerus, welcher ebenfalls in ohnturbirter Dienst Verwaltung 1619 Todes verblichen. Ao 1615 hat den Schuldienst öffentl. vertretten Conradus Fabricius Luth. Augspurgischer Confession, dem in gleicher Religion Johannes Eiringhauß succedirt [die Nachfolge angetreten] und biß hiehin von obgl. Luth. Augspurg. Confession zugethanen verwaltet worden. Daß demnach durch Gottes Väterl. Gnade A[nn]o 1609, 1615 also auch 1624 und gegenwärtig in dieser Gemeine, in Kirchen und Schulen, privatim und publice kein anders als allein gltr. Augsp. Confession und Lutherl. Religions Exercitium geweßen, auch von niemand solches vel vi vel facto turbirt, interrumpirt u. verdrungen worden. Gestaltsam ich Peter Wever der Ältere als eine durch wolthätigen Segen Gottes über 74 Jährige Persohn dasselbige aus eigenen Erfahrung u. Belebung [Seite] 136 mit guten Gewissen und Warheit für Gott, dem gerechten Richter alles Fleisches, für meiner gnädigsten lieben Obrigkeit, welches ich nun in die 44 Jahr, hier im RichtersDienst zu Meinerzhagen unterthänigst treufleissigst bey Tag und Nacht aufgewartet, und jedermännigl. kan bezeugen, wie auch vor mir in A[nn]o 1648 d. 6. Aprilis alte glaubwürdige Zeugen auf einkommenen damahligen gdstn Churfürtl. Befehl deponiret [niedergelegt, ausgesagt], sothane Deposition in forma probanti gehorsamst eingeschicket. Zu dessen wahren Uhrkund habe diesen Schein mit vor aufgedrucktem gerichtlichen Insiegel und mit meiner Hand Unterschrifft unterschrieben und bestätigt, so geschehen Meinertzhagen den zweiten Tag Junii A[nn]o 1666.
L.S. Peter Weuer, Richter
mppra. [manu propria=mit eigener Hand]
Anno hoc d. 12 Sept. ist Dom. Peter Wever junior zum RichtersDienst seine HE. Vatern Petro Wever wegen hohen Alters adjungirt und öffentlich von der Cantzel proclamirt und publicirt worden.
In diesem Jahr sind allhier
gebohren 33
gestorben 21
Copuliret, 3 Paar
Seite 137
1667.
Hoc anno sind allhier
gebohren 25
gestorben 19
Copuliret 11 Paar.
D. 7. Dec. ist der Anfang gemacht die Bank an der obersten Kirchthüren, wen mann hereinkomt gleich zur lincken Hand, wo mann nach dem Überstande geht, zu bauen.
Seite 138
1668.
D. 28 Jann ist Henricus Melchior Leonhardi (vid A[nn]o 1665) Schuldiener hieselbst und Organiste im 28sten Jahr seines Alters gestorben, da er den Schuldienst hieselbst verwaltet 2 Jahr 5 Monath. Er hatte sich vor 8 Wochen vorher mit Margaretha Nippels, Peter Nippels Tochter verheyrathet, welche noch nach seinem Tode eines Töchterleins genesen.
Hierauf ist den 5 April unanimi Consensu zu solchem Schuldienst wiederum vocirt Conradus Weiland, welcher hieher gebürtig, auch den 16. dit. sein Amt angetretten hatt.
In diesem Jahr sind alhier
gebohren 28
gestorben 23
Copuliret 9 Paar.
[von anderer Hand geschrieben:]
1684
ist ein schrecklich Kalter Winter gewesen, daß auch die Bäume vor Kälte auseinander gespaltet, darauf auch ein gar hitziger Sommer auch grosse Dürre erfolget, daß fast mehrenteils Bäche ausgetrocknet, das Gras, auch die Früchte im Felde verdorret und das Vieh verschmachtet und das Wasser (für Geld) verkauft worden.
Seite 141
1671
Stibt Peter Wever Sen. Richter zu Meinertzhagen, Aetatis 79. plötzlich den 16. Febr.
D. 13. Sept. ist Eberhard Brinckmann von der Buschhöe Kirspels Meinerzhagen nach gehaltener Früh Predigt daselbst auf dem Kirchhofe plötzl. gestorben aet. 71.
[von anderer Hand geschrieben:]
1685
Ist abermals ein sehr schrecklich kalter und langwieriger Winter gewesen, darin ein sehr tiefer Schnee gefallen, daß man nicht umhin komme, das Vieh in den Ställen zu verbeiben, daß viele aus Mangel Futters die Dächer [Strohdächer!] abbrechen und verfüttern mussten.
1688
Anno 1688 den 4. Augusti ist diesen Orts ein schrecklicher Hagel und Donnerwetter gewesen, da Schloßen gefallen wie kleine Hühnereier, dadurch die Glasfenster zerschlagen und die Früchte auf dem Felde in den Gärten und Baumen? sehr beschädigt worden.
Seite 173
1702
Stirbt Richter Peter Wever Jun. zu Meinerzhagen aet. 80 Jahr. Ihm succedirt [tritt die Nachfolge an] Pet. Wever, bisheriger Gerichtschreiber.
Seite 178
1707.
d. 13. Martii ist mein Vater Seel. wie er noch auf der Universitaet Jena war, zu Meinerzhagen zum Vicario erwehlet worden, und haben in der Wahl bekommen wie folget:
Sohn 118. Stimmen
Pollman 70.
Wittenius 2
Kayser 2.
D. 20. Jun. ist er vom Inspect. Emminghaus zu Hagen ordiniret worden. Dom. 1.p.Trin. hat er zu Meinertzhagen seine Antritts Predigt gehalten.
[von anderer Hand geschrieben:]
1709
In diesem Jahr ist der erstaunlich kalte Winter eingefallen, dadurch groser Schaden geschehen.
Seite 182
1711.
Ist die neue Cantzel zu Meinerzhagen verfertigt und auf Jubilate eingeweihet.
Seite 185
1714.
Resignirt [abdanken, ein Amt niederlegen] Peter Wever und übertragt den Richterdienst zu Meinerzhagen seinem Sohne Jo. Caspar Wever. D[octor]
Seite 186
1715.
[...]
D. 17. Dec. Abends üm 11 Uhr bin ich zu Meinertzhagen gebohren und den 22. Dec. getaufft. Meine Taufzeugen sind gewesen Adam Henrich Pollmann, damaliger Vogt zu Gummersbach, hernach Königl. Preuß. Resident zu Cölln und Envoye [Gesandter, Abgesandter] zu Regensburg, Johann Adam Pollmann Past[or] zu Leichlingen, Joh. Kayser Vic[ar] Meinerzhagensis, Jo. Caspar Viebahn zu Lantenbach Scheffe und Jgfr. Marg. Pollmanns zu Reppinghausen, nachmalige Frau Richterin Dornseiffen zur Bremicke.
Seite 190
1719.
d. 14. April Morgens Halb vier ist mein Bruder Johann Christoph zu Meinertzhagen gebohren und den 18. dit. getaufft worden.
Seite 191
1720.
[...]
D. 18. Aug. Dom. 12. Trinit. sind zu Meinertzhagen unter dem Gottesdienst 20. Persohnen von einem Commando Soldaten zu KriegesDiensten abgeholt und nach dem Hamm geführet worden.
Seite 198
1727.
d. 24. Nov. bin ich im zwölften Jahr meines Alters von meinem sel. Vater auf die Schule zu Lennep gebracht, bey HE. Rector Francke, und habe bey Herrn Hahnebeck logiret.
Seite 201
1730.
In diesem Jahr ist der Herr Johan Diedrich Hessmer, Kaufmann in Iserlohn, gebohren d. 20. Jan.
H.a. [hoc anno= in diesem Jahr] ist zu Meinertzhagen der Schulmeister Panth. Abraham Lemmer seines Dienstes entlaßen und der Rector Baehrens wieder vociret worden.
Seite 203
1731.
Nachdem ich und mein Bruder zu Lennep üm Michaelis valediciret [Lebewohl sagten, Abschied nahmen] sind wir darauf beyde aufs Gymnasium zu Essen gezogen und haben bey dem Bürger Herrn Wetzel aufm Brande logiret.
Seite 208
1734.
Vor Ostern habe ich auf dem Gymnasio zu Essen disputirt [wissenschaftlich streiten, eine öffentliche Streitübung halten] de Serpente Protoplastorum Seductore.
Dis Jahr ist Ostern außerordentlich späte, nemlich auf den 25. April gefallen, so in gantz Seculo [Jahrhundert] nicht wieder geschehen.
*
Den 29. April als Donnerstag nach Ostern bin ich mit dem Studioso Gottlieb Glaser, nachmaligen Predigern in Valbert u. Essen, in Gottes Nahmen nach Jena gezogen. Den 2. May sind wir bey die Fuhrleute in Ervete angelangt, nachdem wir aus Furcht wegen der Werbung durchs Cöllnische gangen. Den 9. May kamen wir nach Erfurt, da wir uns bey dem Studioso Karthaus, nachmaligen Prediger in Hagen, auffingen, die Merckwürdigkeiten besahen und endlich den 11. May in Jena anlangten bey Prorector Halbauer wurden wir inscribiret [eingetragen, eingeschrieben, aufgenommen]. Mein Stubenbursch ward HE. Bölling, jetziger Prediger in Iserlohn; nach deßen Abzug wohnte ich ein halb Jahr allein, und hernach, als mein Bruder ankommen, 1 ½ Jahr mit ihm zusamen in der Regierung, biß wir nach Halle zogen.
Seite 213
1736.
[...]
Im Oct. habe ich die Universitaet Jena verlaßen und bin wegen Königl. Befehls nach Halle gezogen.
Seite 214
1737.
Auf Gründonnerstag habe ich die Universitaet Halle verlaßen und bin in Geselschafft HE. Wenigers, Hiltrops und Rombergs in einer Kutsche biß Iserlohn gefahren. Von da bin nach Schwerte zum HE. Insp. Emminghaus mit der Kutsche, die auf Dortmund ging, daselbst Studenten mit herauf zu nehmen, hingezogen und habe mich examiniren [prüfen, erfragen, auf Wissen untersuchen, verhören] laßen, bin folgends von dort mit einem Pferde den [keine Angabe] des Abends spät zu Meinerzhagen bey meinen lieben Eltern glücklich wieder angelanget.
Nachdem ich Dom. Jubilate und Cantate zu Meinertzhagen gepredigt, bin ich Montags nach Cantate den [keine Angabe] nach dem HE. Baron von Kessel aufm Neuenhove in Condition getretten, die beyde jüngsten Herrn und jüngste Fraulein, jezige Domherren und Abtißin zu Elsey, zu informiren und bin in derselben Condition geblieben biß 1740, da ich post obitum Patris [nach Vaters Tod] nach Meinerzhagen beruffen worden.
[...]
Seite 227
1740.
Anno 1740 ist ein sehr merckwürdig Jahr gewesen, theils sind darinn unterschiedl. Hohe Haupter gestorben, als
Der Römische Kayser Carolus der sechste, mit welchem zugleich die Osterreichische Linie männlichen Stamms ausgestorben, nachdem aus solcher 300 Jahr lang die Römische Kayser den Thron besessen nach dessen Tod das Interregnum [Zwischenreich, Zwischenregierung] an gefangen und ein verderblicher Krieg entstanden. Desgleichen
Die Russische Kayserin Anna
Unser König Fridericus Wilhelmus in Preussen.
Der Pabst Clemens der Zwöllfte u. andre.
Theils ist dis Jahr merckwürdig, weilen hierin der sehr strenge und kalte Winter gewesen, darin ungemein viel verderbet und verfrohren und wegen anhaltender kalten Witterung und grossen Mangel des Futters vieles Vieh gestorben oder doch so entkräfftet, daß noch hernach im Sommer im Junio und folgends entsetzlich viel dahingefallen, daß mann auch wegen der vielen Äser [Tierleichen] eine Contagion [Ansteckungskraft, Ansteckungsfähigkeit] befürchtet, daher selbige eingehacket werden müssen.
In diesem kalten Winter sind sonderlich die 3 Tage als d. 9. 10. und 11ten Jannuarius von solch excessiver Kälte gewesen, daß sie soll höher gewesen seyn als in A[nn]o 1709. Daher auch unterschiedliche Menschen und Vieh todtgefrohren oder auch durch die Kälte Schaden genommen. Ja es hat auch schon den Herbst dieses Jahrs schon gut Zeit wieder angefangen zu wintern, daß man über einen Monath 3 oder 4 nicht guth Wetter gehabt hat, den ersten Junii hat an einigen Orten noch Schnee gelegen und den 6 Octob. hats schon wieder scharf gefrohren, d. 8. dito auf die Haber im Felde geschneyet, den 9. ist schon dick Eiß gefrohren gewesen.
Im Anfang Novembris hat zu Northelden, item auf dem Dannenberg noch Haber im Felde gestanden, desgleichen ist dis Jahr auf dem Langenohl Kirsp. Valberth die Haber nicht alle einkommen, sondern theils im Felde verfaulet.
D. 19. Jann. dieses Jahrs ist mein sel. Vatter Johann Christoph Sohn Rev. Minist. Inspector und Pastor hieselbst Abends um 10 Uhr im Herren entschlaffen und den 25. dit. auf den Tag Pauli Bekehrung in der Kirchen zur rechten des Altars beerdiget worden; seines Alters 58 Jahr 9 Monath, seines Ehestandes 30 Jahr, nachdem er ins dritte Jahr Vicarius und 30 Jahr Pastor gewesen. Die LeichReden sind gedruckt worden.
HE. Past[or] Glaser zu Halver ehemaliger Inspect. hat die Standrede gehalten.
HE. Past[or] Kayser hieselbst die Predigt, und
HE. Subdeleg. Schrage zu Rönsahl die Abdankung.
Der selbsterwehlte Leichen Text war Ezech.[Hesekiel] 44. 28 Aber das Erbtheil, das sie haben sollen, das will ich selbst seyn, darum solt ihr ihnen kein eigen Land geben in Israel, denn ich bin ihr Erbtheil.
Die Personalia sind beygedruckt.
Er war gebohren Ao 1681 d. 13. April zum Bredenbruch Kirchsp. Liberhaußen, sein Vater ist gewesen Christian Sohn, Kauf- und Handelsmann auch Gerichts-Scheffe daselbst. Die Mutter Agnes Bredenbruch.
Er hatt studiert anfangs zu Liberhausen Neustadt, ferner zu Dortmund wo er 8 Jahr geweßen und unter D. Nungessen frequentirt [sehr häufig besucht].
A[nn]o 1702 ist er nach Jena gezogen und unter Treunern, Buddeo, Hambergern etc. Collegio gehört.
A[nn]o 1704 ist er wieder nach Hause kommen.
A[nn]o 1706 aufs neue wieder nach Jena gezogen.
Seite 228
Im Jahr 1707 vor Ostern d.13. Martii Dom. Invocavit ist er hiehin zum Vicario beruffen und ihm die Vocation nach Jena geschickt worden. Confirmirt d. 30. April.
siehe dessen Personalien.
D. 20. Jun. Montag nach Trinit. auf Hagelfeyer ist er zu Hagen vom HE. Insp. Emminghaus ordinirt worden.
Dom. 1. Trin. hat er seine Antritts Predigt gehalten, war d. 26. Junii.
Im Jahr 1709 d. 25. Sept. ist er in den heil. Ehestand getretten.
A[nn]o 1739 ist er Inspector Ministerii Marcani worden.
Nachdem durch seinen erfolgten Todt hiesige Pastorath vacant worden, so ist aus Hochlöbl. Reg. zu Cleve befohlen worden, daß hieselbst die Paritaet [Gleichheit der Rechte (der Pastoren)] eingeführet werden solte und deswegen unterschiedliche Rescripta [Antwortschreiben,Verfügung] an hiesigen HE. Richter ergangen; das erste Rescript ist folgendes:
Von Gottes Gnaden Friderich Wilhelm König in Preußen etc.
Lieber Getreuer ! Nachdem wir vernommen, daß einer der Evangelisch Luth. Prediger zu Meinerzhagen Joh. Christoph Sohn verstorben, unsere allgdste Willens Meynung aber beständig dahin gehet, daß nach Einhalt unsers Reglements vom 4. Octob 1723 die Paritaet eingeführet werde; als befehlen wir Euch allgdst. solches dem dortigen Consistorio zu ihrer Achtung zu bedeuten, eures Orts drauf zu halten und uns vom Verlauff ex officio aller gehorsamst zu berichten. Seynd euch p. Geben Cleve in Unserem Reg. Rath d. 29. Jann. 1740.
An statt und von Wegen allhöchstgl. Sr. Königl. Maj.
J.C. FreyHE. von Strünckede
Jf v. Diest.
Nachdehm nun hierauf vom zeitlichen Richter die Umstände zurück berichtet worden, ist weiter folgendes Rescript eingelauffen:
Von Gottes Gnaden Friderich Wilhelm König in Preußen p.
Lieber Getreuer. Wir haben euren allunthgsten Bericht wegen der dortigen Paritaet empfangen und daraus ersehen, dass die Parification [Gleichstellung] der Evang. Luth. Prediger gnugsam practicabel sey. Gleichwie wir nun euch bereits vorhin ex Officio [von Amts wegen] aufgegeben gehabt, dahin zu sehen daß solche bey anstehender Wahl introducirt [eingeführt, eingeleitet] werde. Also habt ihr wenn, es noch nicht geschehen, das Nöthige dahin zu veranstalten daß der Eligendus [Wählbare] als zweiter Prediger erwehlet, auch die Paritaet sowohl in functionibus als Salariis und accidentica [Umstände] eingeführet und dem Ältesten weiter nichts als das Praesidium der KirchenOrdnung gemäß vor dem Zweyten eingeräumet und auf keine andre Weise ein neuer Beruf oder Eintrettung in die bisherige Pastorat-Stelle gestattet werden möge. Seynd euch p Cleve im Reg. Rath d. 12. Feb. 1740 An statt p
JC Freyhr von Strünckde
v. Diest
Hopp
Seite 229
Nachdem nun ein hiesiges Consistorium beschäfftigt gewesen, die zweite Pastorath Stelle zu besetzen, so hat solches bey Ihro Königl. Majs. im Hofflager üm allgdste Dispensation [Erlaubnis] vor mich angehalten, worauf den auch selbigen Dispensation ab aetate [von dieser Zeit, von diesem Zeitpunkt an] unterm 1. Jun. von Berlin eingelauffen.
Friderich König in Preußen p.
Weil Ihr vor den Candidatum Ministerii Johan Adam Sohn unter dem 21. April letzthin sehr favorabel [günstig, geneigt, vorteilhaft] berichtet, und die mit eingesandte Attestata ein gleiches besaget, demselben auch an dem nach denen Edicten erforderten Alter nur noch wenige Monathe fehlen, welche er vor Verlauff des Gnaden Jahrs dafern ihm die Vocation zu der Meinertshagischen Pastorath Vacanz gegeben, wird zurück leget so wollen wir demselben die gebethene Dispensation hiedurch Allgdst ertheilen. Jedoch muß er seinem verstorbenen Vater nicht immediate succediren [augenblicklich oder sofort die Nachfolge antreten], sondern er kann keine andre als die zweyte Stelle pro nunc erhalten; Welches ihr dem Evang. Luth. Consistorio zu gedachtem Meinerzhagen kund zu thun: Seynd p.
Berlin d. 1. Jun. 1740.
An die Clevische Regierung. Friderich.
Hierauf hat die Hochlöbl. Reg. zu Cleve ferner an hiesigen HE. Richter rescribiret:
Von Gottes Gnaden Friderich p.
Lieber Getreuer. Wir communiciren euch abschriftlich hieneben; welchergestalt wir allerhöchst den Candidatum Ministerii Johan Adam Sohn von dem sonst nach denen Edicten erforderten Alter Allgdst dispensirt haben. Mit allgdstem Befehl, solches dem Evang. Luth. Consitorio bekand zu machen und demselben zu bedeuten, gemelten Sohn nunmehro vor eligibel [wählbar] zu halten, auch die Wahl zu beschleunigen. Seynd Euch p. Geben Cleve in Unserm Reg. Rath d. 20. Junii 1740.
An statt und von Wegen pp.
J C Freyherr von Strünckede
D H. Becker
An Richtern zu Meinerzhagen E.S. Hopp.
Hier ist nun nicht vorbeyzugehen, was vor ein Streit wegen der Wahl alhie vorgefallen.
Die Adliche, Richter, Kirchmeistern und noch mehr Consistorialen haben den Vorschlag gethan, daß die Gemeine mich ohne abzuhaltende Wahl, üm dadurch viel Kösten zu ersparen, wieder beruffen möchte. Dem sind bey 200 Eingesessene beygetretten und haben sich auch desfals unterschrieben, allein der HE. Past[or] Käyser, drey Vorsteher und einige andre Leute sind damit nicht zufrieden gewesen, daher es zur ordentlichen Wahl kommen.
Dom. 6. post Trin. d. 24. Julii ist Consistorium in der Sacristey zusamen getretten und hat die Denomination [Seite] 230 vorgenommen, da den nebst mir der HE. Candidatus Cramer von Lüdenscheid, und der HE. Rector Baehrens in die Wahl gesetzt worden, darüber am künfftigen Sontag Dom. 7. Trin. die Wehlung [Wahl] geschehen solte. Weil aber des HE. Past[or] Kaysers sein Sohn nicht mit per plurima vota zur Wahl ausgesetzt wurde, alldieweilen selber noch minorenn [minderjährig (volljährig war man zu der Zeit erst ab 25 Jahre)] und allererst im 23sten Jahre war, auch keine Dispensation zu dieser Wahl erlangen können, so war bemeldter HE. Past Kayser mit denen drey Vorstehern hiemit nicht zu frieden.
Damit nun diese Consistorial Sache ümständlich und gründlich referirt werde, ist zu wissen, das damals folgende Persohnen ins Wahl Consistorium gehöret, auf einer Seite waren:
1.) Der FreyHE. Frid. Sigism. von Neuhoff genandt Ley zu Listringhausen.
2.) Der FreyHE. Conr. Casp. Von Nagel zu Badinghagen.
3.) Der Herr Richter Jo. Casp. Wever
4.) Der Kirchmeister Johannes Corbach zu Carbecke.
5.) Der Kirchmeister Peter Bremicker auf dem Gilhauße.
6.) Der Provisor Joh. Christoph Knoche.
7.) Joh. Frid. Hagedorn Vorsteher im Dorff.
8.) Christian Mehler Vorsteher im Dorff.
9.) Joh. Caldenbach Vorsteher in der Genckeler Baurschafft.
Auf der anderen Seite:
1.) dHE. Pastor Käyser.
2.) Jo. Henr. Grüber Provisor und Vorsteher hinterm Rotenstein.
3.) Jo. Pet. Langenohl Vorsteher in der Osterbaurschafft.
4.) Casp. Dörschlag Vorsteher in der Lengelscheider Baurschafft.
Diese drey Vorsteher, davon Grüber aus den Runsipen, Langenohl von Northelden, und Dörschlag aus dem Kotten gebürtig war, hielten HE. Past[or] Käysers Parthey u. liessen bey dem damahligen HE. Inspect. Möllenhoff in Unna gegen die Wahl protestiren, der HE. Insp. aber, weil die Wahl per plurime vota beschlossen war, und die Hochl. Regl. solche zu beschleunigen befohlen, subdelegirte den HE. Past[or] Glaser zu Halver und den HE. Past[or] Westhoff zu Valberth die Wahl vorzunehmen.
Es war der 31 Tag Julii als Dom. 7. post Trinit. da die Wahl geschahe. HE. Past Glaser hielt die WahlPredigt über das Evangelium, vor der Predigt ward gesungen: Dank sey Gott in der Höhe pro Exord. hat er gehabt 2. Sam. 24,12. So sprich dHE[rr] Dreyerley bringe ich zu dir, Erwehle dir derer eines daß ich dir thue p.
[Seite] 231 Nachdem nun die Wahl geendigt, befand sichs, daß ich durch 182 Stimmen erwehlet worden, welches der Gemeine kund gethan und alles mit Danksagung beschlossen ward.
Die drey Vorsteher nebst ihren Anhangen haben nicht mit gestimmet sondern gegen die Wahl protestiret. Nach selbigen Sontag Abends ward mir der Beruf zu hiesiger zweiten Prediger Stelle von den Consistorialen ins Hauß gebracht folgendes Inhalts:
Wir Adliche Richter, Kirchmeistern [kein weiterer Text vorhanden]
[Seite] 232 Nachdem nun die allgdst. Confirmation bey Hochl. Reg. zu Cleve gesucht ward, so meldeten sich die Opponenten [Gegner] dagegen, allein die Confirmation ward d. 8. Augusti allgdst. ertheilt, daher sie nach Berlin appellirten.
Indeß ward mit der Ordination ordnungsmäßig fortgefahren. Der HE. Inspector Möllenhoff von Unna, der HE. Past[or] u. ehemahl. Insp. HE. Glaser von Halver und dHE. P. Westhoff von Valbert fanden sich Sonnabends den 20. Aug. allhier ein, des Nachmittags geschahe das Examen in der Kirche.
Den folgenden Tag als Dom. X. Trin. D. 21. Aug. geschahe die Ordination. Der Text über den mir zu predigen aufgegeben war Joel II, 23. Und ihr Kinder Zion freuet euch und seyd fröhlig im Herren eurem Gott, der euch Lehrer zur Gerechtigkeit gibt und auch herabsendet Früh-Regen und Spätregen wie vorhin. Hiezu erwehlte ich das Exordium [Redeeingang, Einleitung] Psalm 40,10 Ich will predigen die Gerechtigkeit in der grossen Gemeine, siehe ich will mir meinen Mund nicht stopfen laßen, Herr das wissest Du. Es ward gesungen "Liebster Jesu GnadenSonne". Nach der Predigt. "Komm heiliger Geist Herre Gott", und sodann der Actus ordinationis verrichtet und mit den Versen beschloßen "Sey Lob und Ehr mit hohem Preiß", wobey eine gantz erstaunliche Menge Volcks gegenwärtig war.
Noch selbigen Abend ward mir das Testimonium Ordinationis [Zeugnis, Beglaubigungsschreiben der Einweihung in den Predigerstand]ertheilet.
[Seite] 233 Am folgenden Sontag, Dom. XI. Trin. als d. 28. Aug. hielt ich meine Antritts Predigt über den Text: 2 Cor. V. 20. So sind wir nun Bottschaffter an Christus statt usw. welche Predigt ex post [hinterher, nachher] durch einige Consistorialen als Joh. Christoph Knoche etc. zum Druck befördert worden.
Hinten habe ich bey solche Predigt einen Versuch von hiesiger Meinerzhagische Historie beydrucken laßen, welches jedoch kurtz, aber wegen mangelnder Nachricht mit vieler Mühe zusamen gesuchet und nun von einem Liebhaber desto ehender und leichter kann supplirt [ergänzen, nachtragen] werden. Doch bin ich auch durch diesen kleinen Versuch angetrieben worden, gegenwärtiges Buch als eine Chronick anzulegen und darinn, was vorfällt, zu notieren!
An diesem Tage meiner gehaltenen Antritts Predigt ist der Kirchmeister und Gerichts Scheffe Peter Bremicker auf seiner Reise zu Cölln verstorben und daselbst auf den Kirchhoff vor der Stadt beerdigt worden.
Wie nun also die Stelle wieder besetzet war, so ward mit den Hauptpredigten alternirt [abgewechselt] und ein jeder hatte seine Woche zu bedienen.
Da auch zuvor der Pastor die Beicht Rede vorm Altar und der Vicarius seine in des HE. Richters Stuhl gehalten, als wo ehedem auch ein Altar gewesen, so ward es nun folgender Gestalt genommen, daß allemahl nur ein Prediger Beichte halten solte und zwar immer vor dem Altar.
Die Einrichtung ratione [Art oder Weise] der Amts Verrichtungen nach der Paritaet ward schrifftlich aufgesetzt und unterschrieben.
D. 31. May starb unser ehrwürdigster König Fridericus Wilhelmus in Potsdam und der CronPrintz Fridericus kam wieder zur Regierung.
Seite 234
Zu Ausgang des Jahrs gieng der Krieg in Schlesien an, den wir nach dem Absterben des Kaysers Caroli VI. unser König bequeme Zeit zu seyn erachtete, seine Praetension [Verlangen, Anspruch] auf die 4 Schlesische Fürstenthümer Jaegerndorff, Ligniz, Brieg und Wohlau auszuführen, so ging der König in eigner hoher Persohn mit einer Armee in Schlesien. Es ward auf Preussischer Seits gedruckt: Recht gegründetes Eigenthum des Churhauses Brandenburg auf die Hertzogthümer Jägerndorff, Liegnitz, Brieg, Wohlau und zugehörige Herrschafften in Schlesien. Worauf den u. weiter sowohl am Wienerischen als Berlinischen Hoff unterschiedliche Schrifften pro et contra zum Vorschein kamen.
Inzwischen ward befohlen daß auf allen Cantzeln eine Vorbitte [Fürbitte] zu dieser Königl. Expedition geschehen solte, welches auch biß zu Ende des Krieges hie zu Meinerzhagen geschehen ist.
Von Gottes Gnaden Friderich König in Preußen p.
L[iebe] G[etreue]. Nachdehm wir in Höchster Persohn bey denen jetzigen weitaussehenden Zeitläuffen aus gerechten Ursachen bewogen und genöthiget worden, mit einem Theil unserer Trouppen einen March nach Crossen anzutretten und dahero allerhöchst gutgefunden haben, daß in denen sämtlichen Kirchen unserer Landen des Allerhöchsten Segen zu dieser zur Erhaltung der Wolfahrt des teutschen Reichs und zum besten der bedrängten Evangelischen Kirchen unternommenen Expedition erbethen werde.
Als habet ihr alsofort die promte Verfügung zu thun, daß aller Orten euren Districts in dem öffentl. Kirchengebäth Gott üm seinen Gnadenreichen Segen zu gedachter Expedition inbrünstig angeruffen werden möge. Geben Cleve in unserem Reg. Rath. d. 30. Dec. 1740.
An statt und von wegen Allerhöchstgltr Sr. Königl. Maj.
Joh. Conrad Freyherr von Strünckede zu Strünckede
D. H. Becker V.C.
E.S. Hopp.
Seite 236
D. 19. und 20. Dec. dieses 1740sten Jahrs ist allhier ein entsetzlicher Sturmwind gewesen, daß die Dächer, Zäune, Hecken, Brücken u. dgl. schrecklich ruinirt worden, auch die dicksten Eichbäume an etlichen Orten aus der Erde gerissen oder abgebrochen worden.
Dismahl ist auch der Rhein von entsetzlicher Grösse gewesen als in vielen Jahren nicht geschehen, und hat auf dem Deützer Frasen der Galgen halb im Wasser gestanden.
In diesem 1740. Jahr sind zu Meinerzhagen
1.) Gebohren 51.
2.) Gestorben 50.
3.) Proclamirt 18. Paar darunter 10 Paar hie Copulirt.
Seite 237
Anno 1741.
Zu Anfang dieses Jahrs haben die drey vorgemeldte Vorsteher gegen die in vorigem Jahr geschehene Wahl den Process zu Berlin noch weiter fortgesetzet, biß endlich das Decisivum [die Entscheidung] von Berlin eingelauffen und also diejenigen Unruhe, welche über ein Jahrlang gewähret, zu Ende kommen. Das Berlinische Rescriptum Decisivum ist folgendes:
Friderich König in Preussen p.
Unsern p. Da die Umstände der Evangelisch-Luth. Prediger Wahl zu Meinerzhagen dergestalt beschaffen wie ihr in eurem allerunthgst Bericht vom 22. Dec. a.p. anführet, so wird euer Verfahren hiemit überall approbiret [gutgeheißen], und euch allgdst anbefohlen, die unter dem Nahmen der Vorstehern und Gemeine besagter Kirchen sich hier gemeldet habende Supplicanten [Bittsteller, Eingeber einer Bittschrift] hiernach zu bescheiden und dieselbe zur Ruhe zu verweisen. Ihr müsset aber auch behörige Anstalt machen, daß das Consistorium alsofort wieder besetzt werde. Und wir seynd Euch p.
Berlin d. 3. Martii 1741.
Auf p.p.
An die Clevische Regierung.
Das Clevische Rescript ist folgl.:
Von Gottes Gnaden Friderich König in Preussen p.
Ehrbahr Lieber Getreuer ! Der Copeyliche Beyschluß [=der in Kopie vorliegende Beschluss] eröfnet euch mit mehrerm, was wir aus unserem Hoflager wegen der dortigen Prediger Wahl allgdst rescribiren lassen. Wir befehlen euch darauf allgdt dieses, denen Vorstehern und Gemeine bekandt zu machen, und die Opponenten [Gegner] in unserm hohen Nahmen völlig zur Ruhe zu verweisen, auch euren Orts die Verfügung zu thun, daß das Consistorium alsofort wieder besetzet, oder gewöhnlicher massen durch eine Wahl von Consistorialen, wenn es nicht bereits geschehen, abgewechselt werde: Da auch der vormahlige Vicarius Käyser seine Confirmation als Pastor noch nicht befördert hat; so habt ihr demselben ein solches gleichfals aufzugeben, und eine Frist von 3 Wochen zu praefigiren [anberaumen]. Seynd p. Geben Cleve in unserem Reg. Rath d. 17. Martii 1741.
An statt pp.
J.C. FreyHE. von Strückede.
D.H. Becker
An Richtern zu Meinerzhagen E.S. Hopp
Seite 238
Wie nun solchergestalt der Wahlprocess zu Ende, so ist auch das Übrige, was ratione Paritatis [Art der Rechtsgleichheit (betrifft)] annoch in quaestione folgender maßen verglichen worden:
Meinertshagen Auf Osterdinstag d. 4. Aprilis 1741.
Nachdem zwischen denen Predigern zu Meinertshagen nach der eingeführten Paritaet sowohl quoad functiones als wegen der Accidental [Zufälligkeiten, Nebeneinkünfte] und Substantial[wesentliche]-Renthen [=Grundeinkünfte] die behörige Einrichtung respective sub datis d. 23 u. 24. Dec. a.p. geschehen, als hat es lediglich dabey sein Bewenden. Indessen ist dem ältesten HE. Past[or] Kayser annoch aus extraordinairen [außergewöhnlichen] Kirchenmitteln pro A[nn]o 1740 et 1741 ad 30 schreibe dreißig Rthlr und sodann die folgenden Jahre jedes Jahr ad 20 schreibe zwantzig Rthlr zu Stifftung beständiger Ruhe und Einigkeit ad dies vitae, jedoch in Absicht der Nachfolger citra Consequentiam zugelegt worden, und was biß dato zwischen gemeldtem HE. Pastoren und denen Consistorialen passirt [ist], völlig vergeben u. vergessen seyn. Uhrkundl. Unterschrifften. Meinerzhagen: d. 4. Apr. 1741.
Joh. Kayser Pastor J.C. Wever D[octor]
Joh. Ad. Sohn, Past[or] Steph. Frantz Wever Gerichtschr.
Joh. Wilh. Wippermann als Scheffe,
Johannes Corbach Kirchmeister
Joh. Engelbert Düßberg Kirchmeister
Joh. Frid. Hagedorn Vorsteher
Joh. Christian Mehler Vorsteher
Joh. Caldenbach, Vorsteher
Joh. Christoph Knoche Provisor
Joh. Friderich Vedder, Vorsteher.
D. 18 April ist die Stadt Hamm in Feuer gerathen, so daß nebst der schönen Reformirten Kirche bey 300 Häuser darin abgebrandt.
Seite 239
So wurde auch zu Anfang dieses Jahrs und weiter der Krieg in Schlesien von unserem Könige eifrig fortgesetzet.
Im Martio eroberte der König die Festung Glogau.
D. 10 April gewann der König die blutige Schlacht bey Mollwiz, einem Dorf in Schlesien, gegen die Osterreicher unter dem General Neuperg. Bey welcher Schlacht auch einer aus dieser Gemeine, nemlich Eberhard Brinkmanns Sohn auf dem Brinke, zugegen geweßen unter der Königl. Leib Garde und unverletzt davon gekommen.
Wegen dieser herlichen Victorie [Sieges] ward im gantzen Lande ein Siegesfest celebrirt, und ist folgendes auch am 14. Maii Dom Exaudi allhie zu Meinertshagen begangen worden; das königl. Befehl hievon ist folgl.
Von Gottes Gnaden Frid. K. in Preussen etc.
L[iebe] G[etreue]. Da die wunderthätige Gnade des Allerhöchsten unsre Waffen dergestalt gesegnet, daß wir zu Mollwiz ohnweit Brieg gegen die feindlichen Armee eine Complete Victorie befochten und den Feind mit grossem Verlust aus dem Felde geschlagen. So befehlen wir Euch allgdst. alsofort in eurem District die Verfügung zu machen, daß in allen Kirchen, Klöstern und Capellen dem Allmächtigen Gott als dem alleinigen Verleiher des Sieges mit Ehrfurcht Dank gesaget und zu dem Ende auf
den nach Empfang dieses erst kommenden Sontag das Te Deum laudamus in allen Kirchen gesungen, auch üm Verleihung fernerer glücklichen Progressen [Fortschritts] unserer Waffen gegen die Feinde, und baldige Herstellung des edelen Friedens inbrünstig angeruffen werden. Seynd pp. Geben Cleve in unserm Reg. R. d. 27. April 1741.
An statt und p.
J.C. FreyHErr von Strünckede
D.H. Becker
D.4. May eroberte der König die Festung Brieg.
Seite 240
D. 13. May Morgens vor 1 Uhr ist meine selige Mutter Engel Marg. Pollmanns an einem fünf tägigen hitzigen Fieber im HE[rrn] entschlaffen. Ihres Alters 53 Jahr 2 Monathe, nachdehm sie meinem seligen Vatter nur 1 Jahr und 16 Wochen nachgelebet [=überlebt hat].
D. 16. ist sie in unser Kirchen beerdigt in dem ersten Gange nach dem Schulhause [heute Kirchstr. 22] hin. Die LeichPredigt hielte mein HE. Collega Kayser über Ps. 73 p. ult[imo=Psalm 73 bis zum Schluss]. Die Standrede vorm Hause hat HE. Vic[ar] Glaser zu Valberth, und die Abdankung HE. Past[or] Westhoff zu Valbert verrichtet.
D. 25. May ist der hiesige Küster Johann Engelbert Vogel auf der Becke verstorben, und ist darauf sein Sohn Johan Christoph Vogel wieder an seine Stelle angesetzet worden.
In diesem Jahr ist auch das GeisterHauß vor die Armen zu einem Hospital anerkaufft worden. [Schwelm!]
D 9. Octob. Montags nach Dom. XIX. post Trin. des abends war ein ungewöhnliches schreckliches Phaenomenon am Himmel zu sehen, da derselbe gantz in Bewegung war, lauter Feuer und Flamme nebst Rauch und Dampf von allen Seiten aufstieg, so daß ich dergleichen starckes Nordlicht noch niemahls gesehen. Hierüber ist fast jedermann allhie bestürzet worden.
D. 25. Octob. Mittwochs nach 21. Trin. habe ich mich in den heiligen Ehestand begeben mit Sr. Hochwol. HE. Joh. Leop. Riese Past[or] zu Lüdenscheid ältesten Jfr. Tochter Ida Elisabeth Margaretha Riese.
D. 27. Oct. ist der alte Caspar Conrad Lüsebrink in der Kittmicke beerdigt worden, von welchem remarquabel [bemerkenswert] ist, daß er 60 Jahr im Ehestande gelebet mit seiner Frauen, aetatis 84 ½ Jahr.
Zu Ausgang dieses 1741sten Jahrs ist meines HE. Collegen Käysers ältester Sohn HE. Joh. Pet. Kayser Theol. Cand. nach Kierspe zum Vicario beruffen worden, nachdehm der dasige HE. Vic[ar] Basse nach Hattingen zum StadtPrediger vociret worden. Die Wahl geschahe auf Dom. 2. Advent.
Seite 241
[...]
Seite 242
In diesem 1741. Jahr sind
1.) Gebohren 43
2.) Gestorben 50
3.) Proclamirt 14, darunter 9 Paar hie copuliret.
Seite 243
Anno 1742
den 24. Jann. ist der Churfürst in Bayern Carolus [Karl Albrecht] zum Römischen Kayser [Karl VII] in Frankfurt erwehlet worden und ist er am 12. Feb. daselbst solenniter [feierlich] gekrönet.
Im Martio hat sich ein Comet sehen laßen, und ich habe ihn selbst am Heil. Ostertage Abends gegen Norden observiret. Sein Schweiff, der die gantze Nacht in Oppositum Solis [im Gegensatz zur Sonne] gerichtet bliebe, ist ohngefehr einen Grad Circuli magni lang.
Seite 244
Den 17. May gewann unser König die blutige Schlacht bey Chotulitz ohnweit Czaslaw in Böhmen gegen die Oesterreicher unter dem Printz Carl von Lothringen, deswegen ward auch hier zu Meinertshagen d. 17. Junii Dom. 4. post Trin. [4. Sonntag nach Trinitatis]ein Solennes [feierliches] Sieges Fest gehalten und das Te Deum laudamus [„Dich, Gott, loben wir“ ist der Anfang eines feierlichen, lateinischen Lob-, Dank- und Bittgesangs der christlichen Kirche] mittels einer schönen Music abgesungen. Ich predigte über den Text Ps. 9, 1-5: Ich danke dem HErrn von gantzem Hertzen – daß du meine Feinde hinter sich getrieben hast, sie sind gefallen und ümkommen vor dir, denn du führest mein Recht u. Sache aus und sitzest auf dem Stuhl, ein rechter Richter. Exord. Ps. 144,1: Gelobet sey dHE. [der Herr] mein Hort, der meine Hände lehret streiten und meine Fäuste kriegen.
Das Königl. Rescript [Antwort, Verfügung], wegen dieses anzustellenden Siegesfestes ist folg[ende]s.:
Von Gottes Gnaden Friderich König in Preußen etc.
L[iebe] G[etreue]. Nachdem wir am 17. jetz lauffenden Monaths May bey Chotulitz durch Gottes Gnaden einen gloriensen Sieg erfochten, als befehlen wir auch allgdst. nächstkünfftigen Sontag mittelst Solenner unter Paucken und Trompeten, soweit es sich nach Orts Gelegenheit fügen will, abzusingen – den Te Deum laudamus öffentlich Danck sagen zu lassen, und deshalb in allen Kirchen eures Districts die nöthige Verfügung zu machen.
Seynd p. Cleve im R[egierungs].R[ath]. d. 30. May 1742
An Statt pp
Joh. Pet. von Raesfeld
D.H.Becker V.C.
Den 11. Junii ward endlich zwischen dem König in Preußen und der Königin von Ungarn der Breslauische Friede geschlossen. Der König bekam darin gantz Schlesien ausser dem Füstenthum Teschen und der Stadt Troppan, item [ebenso] die Graffschafft Glatz in Böhmen.
Den 29. Julii ward allhie das Solenne [feierliche] Friedensfest in Meinertzhagen unter allerley
Freudens Bezeugungen gefeyret. Es war der X. Sont[ag] nach Trin[itatis], der vorgeschriebene Text, über welchen ich predigte, war Ps. 21, 2-4:
Herr, der König freuet sich in deiner Krafft und wie sehr frölig ist er über deine Hülffe, du gibst ihm seines Hertzens Wunsch und vergerst nicht, was sein Mund bittet. Sela. Denn du überschüttest ihn mit gutem Segen und setzest eine göldene Crone auf sein Haupt.
Pro Exord. ex Evang. die Worte:
Wenn du es wüstest – was zu deinem Frieden dienet.
Das Königl. Rescript ist dieses:
Von Gottes Gnaden Fried. K[önig].
L[iebe] G[etreue] Nachdem es die allweise Vorsehung und überschwengl. grosse Gnade Gottes also gefüget hat, daß die zwischen uns und der Königin von Hungarn Majestätt obgeschwebte zu offenbahrem Krieg gekommene Differentzen jüngster Tage durch einen glückl. Frieden beygelegt worden,
als befehlen wir auch allgdst. so fort bey allen Kirchen, Klöstern und Capellen euren Districts die Verfügung zu machen, daß wegen des gloriensen Ausschlages des bisherigen Krieges sowohl als sonderlich des geschlossenen vortheilhafften Friedens ein öffentl. Danckfest Sontags d. 22. dieses [Seite] 245 gehalten u. selbiges durch eine Friedens-Predigt, wozu der Text aus dem 21. Psalm V. 2-4 zu nehmen mit Absingung des Te Deum laudamus unter Trompeten und Paucken Schall, aber sonsten nach jedes Orts Gelegenheit höchst feyerlichst begangen, nach der Predigt aber die Solenne [feierliche] Proclamation des Friedens nach nebenliegendem Formular von allen Cantzeln verlesen und unsere getreue Unterthanen ermahnet werden mögen, dem Allmächtigen für diesen uns ihnen verliehenen Segen demütigst zu dancken, und die göttliche Güte üm Bevestigung und unverbrüchliche Unterhaltung des dadurch wieder hergestelten Ruhestandes und derer damit verknüpften Vortheilen inbrünstig anzuruffen. Seynd p. Cleve im Reg. Rath d. 12. Jul. 1742
An Statt und p.
Joh. Pet. Von Raesfeldt
D.H. Beckerr V.C.
Seite 247
In diesem Sommer ist unsere Orgel, Catzel und Altar von dem Mahler Joh. Jacobus Klein, alhie von Meinertzhagen aus Dönershause [lag an der Kirchstraße und wurde später zur ersten katholischen Kirche umgebaut] gebürtig, illuminirt und angestrichen worden, welche Kosten sich ad 100 Rthlr [Reichstaler] belauffen.
So ist auch:
In diesem Jahr die neue Banck auf dem Chor neben dem Altar für die Prediger gebauet worden.
Den 16. Aug. ist der zeitliche Gerichtschreiber zu Meinertzhagen und Valbert HE. Stephan Frantz Wever zu Dürhöltzen gestorben und den 19ten ejusdem [desselben] als am 13ten Sontag nach Trinit. beerdiget worden. Nachdem er seit Ao 1702 u. also 40 Jahr den Gerichtschreibers Dienst zu Meinertzhagen verwaltet. Aetatis 68 Jahr w[eniger] 4 Wochen. Ihm ist sein HE. Sohn Moritz Herman Wever in der Bedienung gefolget, nachdehm selbiger schon kurtz vor seines HE. Vattern Tode den Dienst erhalten hatte.
Den 21. Augusti ist leyder die Neustadt [Bergneustadt] wieder gäntzlich in die Asche geleget worden nachdehm seit letzteren Brand nur 24 Jahr verstrichen.
Den 12. Nov. Morgens zwischen drey und 4 Uhr ist die Stadt Attendorn, welche auch noch gar kürtzlich Brandschaden erlitten, wiederüm in Feuer gerathen und sind 240 Häuser abgebrent.
Seite 248
In diesem 1742 Jahr sind
6.) Gebohren 58
7.) Gestorben 39
8.) Proclamirt [aufgeboten] 27 Paar, darunter 21 Paar hie copuliret [geheiratet].
Seite 249
Anno 1743
den 11.Jann. ist die Arbeit an unsern Glocken fertig worden, da dieselbe also gestellet, daß man sie auch tretten kann. Dafür ist dem Meister Windgassen aus dem Kirspel Lüttringhausen wegen seiner ZimmerArbeit bezahlet 52 Rthlr und hat alles insgesammt gekostet bey 100 Rthlr.
Den 2. Feb. auf Mar. Reinig. Abends zwischen 11 und 12 Uhr ist mein HE. Collega:
HE. Johannes Käyser, Pastor hieselbst im HErrn entschlaffen, seines Alters 60 Jahr 6 Wochen, nachdehm er die Vicariat bedienet 26 ½ Jahr und Pastor gewesen 3 Jahr; d. 8 dit. ist er beerdigt zur lincken Seite des Altars. Sein erwehlter Text war 1.Joh. II, 1-2: Meine Kindlein – Welt Sünde. Darüber habe ich ihm die Leich-Predigt gehalten, darin ich mit angeführt, wie der Monath Februarius ein fataler Monath vor die Meinertshagischen Prediger sey, denn darin sind gestorben
Past. Johannes Lemmerus den 20.
Past. Johannes Schübbaus den 18.
Past. Joh. Engelb. Lemmerus den 23.
Past. Johannes Flüss den 21.
Past. Johannes Kayser den 2.
die beyden übrige sind im Jannario gestorben
Past. Fridericus Hase den 1.
Past. Joh. Christ. Sohn den 19.
Die Standrede, so aber wegen des entsetzlichen Windes in der Kirchen gehalten werden müssen, hat der HochEhr. Pastor Eckstein von Halver verrichtet. Die Abdanckung hat dHE. Subdelegatus Schrage von Rönsahl verrichten sollen, allein er hat wegen des grossen Sturms wieder ümkehren müßen, daher HE. Eckstein selbe auch gehalten.
Er war gebohren zu Kierspe 1682 den 21. Dec. auf St. Thomaetag. Seine Eltern waren Herman Kayser, Receptor daselbst und Elisabeth Catharina Scheltens.
Er hat studirt, anfänglich beym Kirspischen Schulmeister Abel Hilgenstock, ferner zu Lüdenscheid und Wipperfürdt, Soest.
Ao. 1704 ist er nach Wittenberg auf die Universitaet gezogen und hat unter Neuman, Wernsdorff etc. Collegia gehört.
Nach 2 Jahren hat er eine Condition [Dienstverhältnis, Stelle] angetretten in Gravenheinichen, zwey Meilen von Witteberg, bey HE. Anthon am Ende, Churfl. Sachsischen Rentmeistern, welche Condition er aber nach Umlauf eines Jahrs wegen des damahligen Schwedischen Krieges in Sachsen hat verlassen müssen. Hierauf ist er in patriam [Heimat, Heimatstadt] zurückkommen und hat weiters sich in Condition gegeben 3 Jahr zu Karthausen im Halver bey dem HE. von Röhl, ½ Jahr bey HE. Casp. Witthenio in Halver, 1 ½ Jahr zu Mülheim am Rhein bey HE. Anth. von Anssem. Ferner ist er nach Wetten zwischen Aachen und Mastricht gezogen und des HE. von Cazhausen Kinder informirt bey 18 Wochen lang, da den im Jahr 1713 der HochwohlEhrw. HE. Bernh. Rövestunck, hiesiger Vicarius, nach Altena beruffen worden, so ist er hier [Seite] 250 zu Meinertshagen mit in die Wahl gesetzet worden nebst HE. Candid. Gerveshagen von Lüdenscheid und HE. Cand. Cramer von Rönsahl; da dan bekommen haben
HE. Kayser 154 Stimmen
HE. Gerveshagen 24
HE. Cramer 3.
Auf St. BartholomaeiTag ist er vom Inspectore Emminghaus von Hagen hieselbst ordiniret worden.
Im Jahr 1714 den 15. Aug. ist er in den heil. Ehestand getretten mit Jfr. Anna Mechiora Riese, des hochwohlew. HE. Did. Henr. Riesen, damahligen wohlemeritirten Pastoris zu Lüdenscheid, jüngsten Jfr. Tochter.
Er hinterließ 5 Kinder, 3 Söhne und 2 Töchter. Der älteste HE. Sohn ward Anno 1741 auf d. 2. Adv. zu Kierspe zum Vicario erwehlet, der zweyte ist Theol. Studios. in Halle p.
Seine Kranckheit war das Fußweh, damit er zwar öffters überfallen ward, allein zu Ausgang vorigen Jahrs setzte es ihm schärffer zu. Am 4. Adv. hielt er seine letzte Predigt von einer Zubereitung zur rechten Weynachts-Feyer. Worauf er keine Dienste weiter thun können. Endlich stieg die Kranckheit aus den Füssen in den Leib und verlohr sich alle Hoffnung, am 31. Jan. empfing er von mir das Heil. Abendmahl, d. 2. Febr. als an einem Sonnabend abends zwischen 11 und 12 Uhr ist er im HE. entschlaffen.
Vom SchulStreit
Inzwischen hatte sich ein Process wegen Schulsachen alhie entsponnen.
Die weit entlegen[d]sten Höve in der Oster-Baurschafft haben Winterszeit insgemein einen aparten [gesonderten] Schulmeister gehalten auf ihre Köste vor ihre Kinder, die zur Dorfschule nicht gehen konten. Dieser Schulmeister hat sich dann bald auf dem Hengstenberg, bald aufm Stoltenberg, unter dem Berge etc. aufgehalten.
Wie nun zu Ausgang vorigen Jahr dortige Eingesessene bey dem Consistorio gemeldet und gebethen, daß sie den Capar Schürmann auf den Stoltenberg nehmen möchten, um den Winter über ihre Kinder zu informiren, ist ihnen solches damahls von beyden Predigern und dem gantzen Consistorio erlaubet worden.
Es hat sich aber der hiesige Richter unterstanden, solche Schule auf anhalten des Schulmeisters Herrn Baehrens öffentlich durch Ablesung in der Kirche zu verbiethen; indehm sich nun die Eingesessene daran wie auch die draufgesetzte 10 Goldgl. Brüchte [Strafgelder] nicht gekehret, indehm ihre Schule nicht eine Winkelschule, sondern eine vom Consistorio nach der Kirchenord[nung] erlaubte Schule war, so ist der Richter, als welcher die jura Consisorii [Rechte des Consistoriums (Vorläufer des Presbyteriums)] überall zu unterdrücken suchte, zugefahren und hat de vi et facto die Schule durch Führer und Frohnen zerstöhren und die Kinder nach Hause jagen lassen, auch ihre Eltern nebst dem [Seite] 251 Schulmeister Schürman citiren und vorfordern laßen und ihnen die verwürckte Brüchte [Strafgelder] angedeutet.
Wegen dieser Gewalthätigkeiten sind dann Eingesessene der OsterBaurschafft genöthigt worden, sich bey HochE. Clev-Märckischer LandesRegierung zu beschweren und hat Consisorium ein schrifftl. Attest beygeleget, daß mit dessen Einwilligung die nötige Information der kleinen Kinder vorgenommen worden, wie auch ehedeßen geschehen, und haben besonders zeitliche Prediger angezeigt, daß die Unterrichtung in regard [in Bezug] auf die so zum Abendmahl gehen wollen, nöthig, denn auf dem Kirspel pflegts so zu gehen, wenn die Kinder frühzeitig nicht angeführet werden, so kommen sie hernach an das Viehhüten und so auch an andere Arbeit, folglich wissen sie in Examine hernach nirgends von. Sind die Höfe aber weit, so können die kleine Kinder von 5, 6 biß 10 Jahr nicht wol zum Dorff kommen.
Indehm man nun also gegen die unerhörte Gewalthätigkeiten in Consistorial- und Schulsachen gehörige Vorstellung gethan, so ist auch von Hochlöbl. Reg[ierung] unterm 22ten Jann. folgendes Allergnädigste Rescriptum eingelauffen und dem zeitl. Richter insinuiret [bekannt gemacht, gerichtlich zugestellt] worden:
Friderich König pp.
L[iebe] G[etreue]. Der Einschluß eröfnet euch mit mehrerm, was einige Eingesessene in der OsterBauerschafft wegen einer von euch geschehenen Inhibition [richterliche Anordnung einer Sache] wider das Schulhalten in loco vorgestellet und gebethen.
Wenn nun zufolge der Anlage selbst das Consisorium zu Meinertshagen solches wegen der Entlegenheit der Höfe des Winters vor nothwendig und dienlich erachtet hat, besagte Eingesessene auch über dem daselbst schon einige Jahren her auf ihre Kösten vor die Kinder einen Schulmeister gehalten haben sollen,
Als befehlen wir euch allgdst. Euch über solches eigenmächtige Unternehmen in dergleichen zu unser höchsten Episcopal Cognition gehörigen Schulsachen binnen 3 Wochen zu verantworten und inzwischen gedachten Eingesessenen darunter keinen Eintrag zu thun, oder schärffere Verordnung zu gewärtigen. Seynd pp
Cleve im Reg. Rath den 22ten Jann. 1743
An statt pp.
Ahn den
Richter Wever zu
Meinertzhagen.
Seite 252
Nach diesem eingelauffenen Königl. Befehl hat denn der Richter bemeldter vom Consistorio erlaubter Schule den ungestörten Fortgang lassen müssen.
Es ist also noch dabey zu notiren, daß solche Sachen lediglich von hiesigem Consistorio dependiren [abhängen] siehe §90 der KirchenOrdnung, worüber also beständig muß gehalten werden.
Wahl-Streit:
Hie kömmt nun der langwierige hefftige Wahlstreit, welcher leyder gantzer fünfvierthel Jahr gedauert hat, ehe er geendigt worden; derselbe hat seinen hauptsächlichen Grund in dem vorgemeldten Schulstreit, durch welchen der Richter Wever, weil er solchen verlohren, gegen das Consistorium dermassen erbittert worden, daß er sich demselben bey aller Gelegenheit auf das äusserste widersetzet.
Doch hat er dadurch nichts als grosse Verwirrung, Sünde u. Schande in der Gemeine verursachet.
Ich will hieselbst zur beständigen Nachricht die gantze Sache kurtz und ohnpartheyisch anführen:
Nachdehm der sel. HE. Past. Kayser den 8. Febr. a.c. als auf einen Freytag beerdigt worden, so ist alles ruhig und still geblieben, den 24. dit. als auf Dom. Esto Mihi [Estomihi ist der 7. Sonntag vor Ostern] ist die erste Unterredung wegen der Wahl gehalten und diejenige, welche dazu berechtigt, beysamen geweßen. Wie ich nun sämtlichen Gegenwärtigen angezeigt und proponiret [vorgetragen], daß zu Beruhigung der Gemeine es am besten sey, auf die Wiederersetzung des vacanten Dienstes zu dencken, so ist solches bewilliget.
Hierauff hat der Richter angezeigt, daß es rathsam sey, einen in Officio [im Amt] stehenden Prediger zu befördern und dahero [Seite] 253 etliche ordinirte per deputatos [durch einen Ausschuss] zu hören, diesem haben einige widersprochen, daher ich erinnert zu votiren [abzustimmen] und wie es nach den Stimmen könte bey gelegt werden, so hat sichs denn befunden, daß allesamt ausser dem HE. Richter Candidatos in die Wahl verlangten. Ich habe aber mein votum suspendiret [meine Stimmabgabe ausgesetzt] wie auch hernach bey der Denomination [Ernennung] geschehen.
Indem nun endlich der HE. Richter auch eingewilligt und eingestimmet, so sind folgende HE. Candidati Theologiae mit allerseits Bewilligung zur Probe [Predigt] benennet worden: als
10.) HE. Cand. Glaser
11.) HE. Cand. Wever
12.) HE. Cand. Heuser
13.) HE. Cand. Torley
14.) HE. Cand. Sohn
15.) HE. Cand. Vollmann
Da nun allerseits dieses wohl zufrieden und niemand etwas dagegen einzuwenden hatte, so ist mir committirt [aufgetragen], bemeldte Candidatos nach und nach predigen zu lassen, und damit [ist] diese Consistorial-Unterredung geschlossen und in pace [im Frieden] geendigt worden.
Nachdem ich nun an sämtl. HE. Candid. invitations [Einladungs-] Schreiben zu Probepredigten ergehen lassen, so sind sie auch angefolgt ausser dem HE. Torley, so sich entschuldigt, daß er noch nicht examinirt sey.
Dom. Invocavit d. 3. Merz hat HE. Glaser die Probe abgelegt.
Dom. Oculi d. 17. Merz hat HE. Cand. Wever von Ösinghaußen die Probe Predigt gehalten.
Dom. Laetare d. 24. Merz hat HE. Heuser von Ösinghausen die Probe abgelegt.
Dom. Judica solte HE. Torley predigen, ist aber nicht kommen, sondern hat sich entschuldiget.
auf Pallmarum hat HE. Cand. Vollmann gepredigt und
Fer. II. Pasch. hat mein Bruder, nachdehm er von Mülheim anhero kommen, seine verlangte Probe abgeleget.
Wie nun inzwischen der Richter vernommen, daß nicht allein das Consistorium sondern auch durchgängig die gantze Gemeine auf meinen Bruder stünde und selbiger bey erfolgender Wahl wohl die meiste Hoffnung haben möchte, so hat er denselben gedacht aus der Wahl zu excladiren [eigentl. excludiren=ausschließen], es koste, was es wolle.
Vorerst hat er von mir verlangt, daß der Cand. Erben, über welchen zu Hagen ein dreyjähriger Streit gewesen und mann ihm allerley imputiren [zurechnen, anschuldigen] wollen, auch allhie predigen möchte. Ich habe ihm aber gemeldet, daß ich keine Änderungen in dem vestgesetzten [Be]Schluß des Consistorii machen würde, als woraus lauter Unheil entstehen könte, falß aber das Consistorium solches verlangte, hätte ichs zu leiden. Es hat aber Consistorium von dem ersten [Be]Schluß nicht abgehen wollen, zumal des Richters Absehen nichts als Verzögerung u. Verwirrung suchte.
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Ferner hat er lassen etliche Leute aus der Gemeine zu sich kommen. Hat dieselbe durch allerhand promessen [frz. Verspechen, Zusagen] und Vorstellungen, wie hernach kund worden, beredet, sie solten zu mir gehen und protestieren, daß mein Bruder nicht predigen solte. Darauf sind am Charfreytag Mittags zu mir kommen Conrad Buschhauß, Henrich Grüper, Caspar Dörschlag, Christian Schubbäus und Frid. Krugman. Diese 5 vom Richter abgeschickte meldeten, wen mein Bruder predigen solte, so wolten sie diejenige Köste wiederhaben, so sie vor 3 Jahren an den Wahlstreit gelegt, sonst solte er nicht predigen.
Ich antwortete ihnen hierauf freundlich, daß Consistorium einhellig einen [Be]Schluß gemacht, wer ProbePredigten verrichten solte, daher würde es ja dabey bleiben, es wäre zudehm ihrer ja keiner ein Consistorial Glied, dass etwas darin zu disponiren [anordnen, verfügen] hätte, fragte sie auch, was sie gegen meinen Bruder einzuwenden hätten, worauff sie antworteten: Nichtes, nur solle er nicht predigen, wenn sie die bemeldte Kösten nicht solten ins Kirspel ausschlagen. Ich antwortete, daß die Köste hieher nicht gehöre, ich als ein Prediger auch gar nicht zu disponiren [anordnen, verfügen] hätte von Ausschlägen ins Kirspiel; genug, es würde vom Consistorialschluß kein Fußbreit abgewichen. Womit sie weggingen und mir noch einer an der Thür sagte, daß der Richter sie abgeschickt hätte.
Inzwischen habe ich sowohl vom Herrn Inspectore Möllenhoff als auch vom Subdelegato Classis [Unterbevollmächtigter der Altenaer Klasse, Vorläufer der heutigen Kirchenkreise] HE. Schragen ihr Guthachten ausgebethen über die Frage:
Ob ein Bruder an einem solchen Ort und Kirche, da der andre Bruder schon in Officio [im Amt] steht, mit könne zur Wahl gezogen werden?
Worauf denn von beyden und zwar vom HE. Inspectore unterm 22. Martii, vom HE Subdelegato unterm 20. April die Antwort erfolget, daß solches allerdings geschehen könne.
So war auch gleich nach der ersten Entschließung, daß mein Bruder mit zur Wahl ausgesetzt werden solte, von Consistoralen üm die Allgdste. Dispensation [Erlaubnis] wegen des Alters nach Berlin suppliciret [eine Bittschrift eingereicht] worden und war folgendes von allen eigenhändig unterschriebenes Attest beygelegt:
Wir zu Endts unterschriebene Pastor, Kirchmeistern, Provisor und GemeindsVorstehre der Evang.-Luth. Gemeine zu Meinerzhagen bezeugen hiemit und Krafft dieses, daß wir bey vorseyender Wahl eines zweiten Predigers hieselbsten bey angestelter Consistorial [Seite] 255 Versamlung uns dergestalt entschloßen und beschlossen, nebst andern tüchtigen Candidaten auch den Candidatum Theol. Jo. Christoph Sohn wegen seiner Geschicklichkeit mit in die Wahl zu setzen. Laut eigenhändiger Unterschrifften. So geschehen Meinertshagen den 24. Feb. 1743.
Jo. Adam Sohn, Pastor
Jo. Christ. Knoche, Kirchmeister
Jo. Engelbert Düßberg, Kirchmstr.
Jo. Christoph Corbach, Provisor
Joh. Frid. Hagedorn Vorsteher
Joh. Caldenbach „
Jo. Christoph Knoche „
Joh. Pet. Faßbender „
Engelbert Gräve „
Joh. Pet. Schürfeld „
Da nun alle Testimonia [Zeugnisse, Beglaubigungsschreiben] meines Bruders beygelegt waren und zwar im Originali, sowohl das Testimonium Hallense [Zeugnisse, Beglaubigungsschreiben aus Halle] als auch das vom zeitl. Inspect. Ministerii Marcani Emminghaus und desgleichen vom Bergischen Inspectore, so ist darauf von Berlin folgende Resolution [Beschluss, Bescheid] an die Clevische Regier[ung] ergangen:
Friderich König p.
Nachdem wir auf derer Consistoralen zu Meinerzhagen abschrifftlich nebenliegendes AllerUnterthgsts. Gesuch und auf producirung derer Originalien von denem darin angeführten guten Zeugüssen den Canditatum Jo. Christoph Sohn ohnerachtet ihm noch ein Jahr an dem zum Ministerio erfordierten Alter fehlet, pro Eligibili [zur Wählbarkeit] zu declariren [erklären] allergdst. gutgefunden, als fügen wir auch solches hiemit zu wissen, üm das nöthige weiter zu veranstalten, und sind pp.
Berlin den 23. Martii 1743.
An die
Clevische Regierung.
Es ist aber dieses Berlinische Rescript [Antwortschreiben] nicht ehe biß den 23. May alhie eingelauffen, die Ursach war theils, daß sich der König damals in Schlesien befunden und die Expedition also mit Königlicher Unterschrifft langsam zurückgekommen, theils das erstaunliche Gewässer, welches die Posten aufgehalten hat. Dahero mann nicht veranstalten können, daß die weitere Verfügung und das Patent der Dispensation [Erlaubnis] zu Cleve vor Pfingsten hätte ausgefertigt werden können. Und da hat denn nun der Richter auf PfingstDinstag bey der Consistorialwahl solche Verwirrung an- [Seite] 256 gefangen, daß zwischen ihm und dem Consistorio schwere Processe daraus entstanden und das vorseyende Wahlwerck eines 2ten Predigers nur immer ins Weite gespielet worden.
Es war der 4. Jun. als Pfingstdinstag, da der Richter gegen alles Recht drey neue Vorsteher eindrang. Wenn ordentlich hätte verfahren werden sollen, so hätten von den 6 Vorstehern die drey älteste abgehen müßen und selbige hätten jeder zwey neue in Vorschlag bringen und daraus von den Baurschafften einer herausgenommen werden müßen. Die 3 älteste Vorsteher waren dismahl Hagedorn, Jo. Caldenbach und Jo. Christoph Knoche, welche auch bereit waren abzutretten, allein demohngeachtet und gegen alle Observanz [Herkömmliche, Gewohnheit] hat der Richter de facto [nach Lage der Dinge, tatsächlich] zugefahren, da sich dessen niemand versehen u. pro Authoritate den Hagedorn zwar, aber nebst ihm die beyden jüngsten Vorsteher abgesetzt als Joh. Pet. Schürfeld u. Jo. Pet. Fasbender; davon erster noch nicht einmal völlig seine 2 Jahr gestanden, dis hat er darum gethan, weil er in derer ihren Baurschafften solche Leute ausgerüstet, die er wieder, um seine Parthey zu unterstützen, ansetzen wolte. Hierwieder aber, weil es gegen die Kirchenordnung stritte, vermöge welcher nur die älteste abgehen müßen, ja auch gegen hiesige Observance anlief, habe ich damahls nebst dem Consistorio solenniter [feierlich] in Gegenwart der gantzen Gemeine protestirt. Ja was noch mehr, wenn gleich die benante hätten abgehen sollen, so hätte ihnen doch ohnstreitig 2 neue in Vorschlag zu bringen zugekommen, wie auch von ihnen nachdrücklich errinnert worden.
Dehmohnerachtet, obgleich Hagedorn zwey ohntadliche Persohnen als Jacobus Bremicker und Henrich Krugmann in Vorschlag [ge]bracht, so hat der Richter wieder gegen alle Observanz keinen von denselben genommen, sondern hat den Jo. Jac. Vogel in der Gronau [Grune] intrudirt [eingeschoben, eingedrängt] und damit er solches desto leichter bewerckstelligen möchte, hat er ein und andern bestellet, welche laut ruffen müßen, sie wolten Vogel haben, ohne daß die Baurschafft ordentlich üm die 2 Vorgeschlagenen votirt hätte.
Gleichergestalt ob zwar Joh. Pet. Fasbender Vorsteher in der Lengelscheider Baurschafft ebenfals 2 ohntadl. Männer in Vorschlag bracht als:
Jac. Koch zur Wehen und
Engelb. Manersmann in den Wieden,
so hat er mit eben vorgltr. List und Gewalt an deren statt den Gorgen Bisterfeld vom Heherhove [Heerhof] intrudiret [eingeschoben, eingedrängt].
Ja obgleich auch Jo. Pet. Schürfeld, Vorsteher hinter dem Rotenstein, ebenfals zwey Männer in Vorschlag brachte als
Jac. Brinckmann aufm Nocken und Evert Metgenberg aufm Metgenberg, so hat der Richter dennoch einen andern, nemlich den schon vormahls gewesenen unruhigen Henrich Grüper im Runsiepen, intrudirt und eingeschoben, von [Seite] 257 welchen er sich doch selbst ehedem verlauten laßen, daß so ein unruhiger Kopf nicht müße zu Diensten gebraucht werden.
Da nun aus diesem Sonnenklärlich am Tage liegt, wie ungerecht das Verfahren gewesen, als habe ich mich Amts wegen gedrungen gesehen, dem Richter deswegen auf das ernstlichste zuzureden und ihm das unrechte Verfahren vorzustellen, und da er sich verlauten laßen, daß ich mich nicht darin meliren [mischen] noch üm seine Vorsteher bekümmern solte, habe ich gleich der gantzen gegenwärtigen Gemeine die gefährliche Unternehmungen des Richters angezeigt; denn es wären ja nicht seine Vorsteher wie er sie haben wolte, sondern es wären GemeinsVorsteher, die da müsten gewehlt werden, die nicht einem Königl. Bedienten, sondern der Gemeine vorstünden. Protestirte gegen alles null und nichtige gewaltsame Verfahren und weder ich noch Consistorium würden sie jemals vor Vorsteher erkennen, setzte hinzu, daß mir als einem Prediger allerdings zustünde, darauf zu sehen, daß die Gemeine bey ihrem alten wohlhergebrachten Rechte bliebe und alles in Ordnung hergienge, ja da auch hieselbst die Vorsteher bey Wahlsachen concurriren [mitbeitragen, nach gleichen Zielen streben], so könten wir üm deweniger gestehen, daß unrechtmässige Vorsteher seyn solten, weil die Prediger Wahl vor der Thür wäre, dabey alles legitime und ordentl[ich] abgehen müste.
Wie diese tumultnarische Unternehmung des Richters vorbey war, und ich nebst den 6 alten Vorstehers in die Sacristey gieng, um Kirchmeister u. Provisor Wahl vorzunehmen wie sich gebühret, so hat der Richter auch üm hierin Weitläuffigkeit zu flechten, ohnerhörter Weise sich dagegen gesetzet mit Vermelden, die Kirchmeister u. Provisoren Wahl solte erst künfftigen Sontag vor sich gehen, denn so solten die von ihm gesetze drey Vorsteher, welche dann würden beeydiget seyn, mitstimmen und 3 der andern zurückbleiben. Absonder[liche]s hätte nicht können erdacht werden, der Herr Richter hatte selbst zuvor publiciren laßen, daß die gewöhnliche Wahlen auf Pfingstdinstag altem Gebrauch nach abgehalten werden solten, (wie denn auch die Gemeine seit 1483 diese Ordnung exercirt.) und nun wolte er selbst dagegen angehen. Das geschahe nun darum, weil er vor Augen sahe, daß an heutigem Tage seine 3 Vorsteher, weil sie nocht nicht beeydet, auch nicht alle gegenwärtig waren, nicht könten mit um Kirchmeister und Provisoren wehlen, darum wolte er die Wahl biß Sontag aufschieben.
Indehm nun aber hierauf gantz und gar nicht reflectiret [Rücksicht genommen] ward, sondern der Wahl der Kirchmstr. u. Provis[oren] ordentlich vor sich ging, also [Seite] 258 daß per vota unanimia sie folgendermaßen ausfiel:
Kirchmeister
Christian Knoche bleibt stehen
Eng. Düsberg wird de novo erwählt.
Provisores
Chrisoph Corbach bleibt stehen
Jo. Frid. Sönnecken wird erwählt.
Auch nach geschehener Wahl [ist] der neue Provisor Sönnecken von mir in Eid genommen und Düsberg seines vorigen Eides errinnert worden, so fügte sich inzwischen der Richter nach Hause und war nur darauf bedacht, wie er das Oberste unten kehren und solche Confusion [Verwirrung, Unordnung] anrichten möchte, darin er seinen Endzweck erreichen könte.
Sein HauptEndzweck war, meinen Brudern aus der Wahl zu halten, wie solches aber nicht geschehen konte, er hätte denn die meiste Stimmen in Consistorio auf seiner Seiten, so suchte er quo vis modo dazu zu gelangen. Es ist aber alhie zu Meinerzhagen von alten Zeiten herkommens, daß, wenn ein neuer Prediger soll gewehlet werden, alsden die beyde Adliche Häuser nebst dem Pastoren, Richtern, Kirchmeistern, Provisoren und Vorstehern dazu zu sagen, auch die Denomination [Ernennung] zu verrichten und die Vocation [die schriftliche Bestallung] zu unterschreiben haben. Da also das WahlConsistorium weitläuffiger als das Consistorium stricta hic dictum, welches nur aus Predigern und Kirchmstrn. u. Provisoren bestehet, so waren es 14 Personen, welche diesesmahl zur PredigerWahl concurrirten, woferne der Richter also nicht wenigstens 8 Vota hette, konte er meinen Bruder nicht excludiren [ausschließen]. Anfängl. war ers alleine, der ihm nicht günstig, durch die gewaltsame Eindringung dreyer Vorsteher waren ihrer also 4, so meinem Bruder entgegen waren. Nun suchte der Richter auch ferner durch Verwirrung der Kirchmeister u. ProvisorWahl noch 2 Stimmen zu erhalten und was er alle mehr vorhatte, welches er äussert poussierte [unterstützte, durchsetzte].
Demnächst so ließ er dem Kirchmeister Düßberg wie auch dem Provisor Sönnecken bey 25 Ggl. [Goldgulden] Brüchtenstraffe verbiethen, sich des Dienstes anzumaßen und des ConsistorialStuhls in der Kirche zu bedienen. Dagegen befahl er dem abgretrettenen Provisori Mehler, daß er in seinem Dienst continuiren solte. Dieses war vorerst gantz absurd, theils weil ein zeitlicher Richter in der Kirchmeister u. Provisor Wahl nie das Geringste zu sagen noch zu disponiren gehabt, überdem auch Consistorial Sachen nicht vor einem Richter, sondern die Regierung gehören, theils weil handgreiflich des Richters Absehen kund wurde, denn hätte er die geschehene Wahl nicht wollen passiren lassen und veranstalten wollen oder können, daß die [Seite] 259 beyden abgetrettene, sowohl der Kirchmeister als Provisor, wieder continuiern solten, so hätte er nicht allein dem Provisori Mehler sondern auch dem Kirchmeister Düsberg, welcher abgetretten war, aber de novo erwehlet worden, anbefehlen müssen zu continuiren, weilen er aber den Düsberg nicht auf seine Seite zu ziehen erachtete wie den Mehler, daß sie nemlich ein Kirspels Kind, wie mein Bruder war, aus der Wahl verstossen und verbannen helffen, so erfolgte auch sein absurdes und ihm selbst widersprechendes Befehl, daß zwar Mehler continuiren solte, aber der Düsberg nicht.
Wie sich nun aber niemand an diese Dictatorische Gesetze kehren wolte und der Richter merckte, daß demohngeachtet von den neuerwehlten die ordentliche Kirchmeisters und Provisors Banck am folgenden Sontag als Dom. Trin. d. 9. Jun. würde eingenommen werden, so ließ er noch zuvor dem Sönnecken durch den Führer bey Verlust aller seiner Güter anbefehlen, sich nicht in der Provisoren Banck einzustellen, sondern weg zu bleiben. Gleichwie aber nun dem Consisorio hauptsächlich daran gelegen war, daß mann sich nicht aus seinen juribus [Rechten] und alten Herkommen depossediren [vertreiben, verjagen, absetzen] ließ, es koste auch, was es wolte, so kehrte mann sich an nichts und cavirte [Bürgschaft leisten, Sicherheit stellen] vielmehr dem neuen Provisori vor allen Schaden, welcher denn entschlossen blieb, vermöge seiner geschehenen rechtmäßigen Wahl u. geschehenen Beeydigung seine Stelle in Gottes Nahmen einzunehmen, welches auch vom Kirchmeister Düsberg geschahe.
Da mann aber von allerley Bewegungen des Richters hörte und wie er vorhätte, daß der abgegangene Provisor Mehler beym ersten Läuten in die Kirche schleichen und den Platz occupiren [in Besitz nehmen] solte, mithin leicht ein Auflauf und Tumult entstehen konte, so entschlossen sich nicht nur beyde HE. Cavalliers [Edelmänner, Ritter=Eigentümer der beiden Rittergüter Badinghagen und Listringhausen] an selbem Sontage dem Gottesdienste beyzuwohnen, sondern mann machte auch andere Anstalten, damit mann beym ruhigen Besitz seiner Rechte bleiben könte.
Des Sontagsfrühe muste mann mit Erstaunen hören, was der Richter vor [für] desperate [verzweifelte] Entschlüsse gefasset, seinen vorgesetzten Zweck, die neu Erwehlte aus dem Stuhl zu halten, zu erfüllen, da er nemlich 2 Corporals mit vielen Schützen aufbieten laßen, allenfals mit gewaltsamer Hand zu agiren und sie nicht in die Consistorial Banck u Possession [Besitz] ihrer Dienste zu laßen, und wie der Mehler sich aufm Häusgen [Haus Kirchstraße 12] befände, üm bey erster Eröfnung der Kirchthür sich hineinzuschleichen. Hierauf versicherte ich mich gleich der Kirchenschlüssel und wie [Seite] 260 mann die sämtliche Consistorialen und soviel Beerbte beyeinander hatte, als hinreichend war, das alte Recht und Herkommen allenfals mit Gewalt zu vertheidigen, so wurde auch denen Corporalen angedeutet, wenn sie sich würden unterstehen, den Gottesdienst und die Kirche zu invadiren [überfallen, einfallen], mithin gegen das alte Herkommen zu handeln, so müsten sie auch vorlieb nehmen was daraus entstünde. Der HE. von Ley zu Listringhausen war immittelst zu dem Richter [ge]gangen und hatte ihm declarirt [erklärt] wofern er sich erkühnen würde, mit gewaltsamer Hand zu agiren, so würde mann abseiten des Consistorii [=ohne Beteiligung des Consistoriums] Gewalt mit Gewalt vertreiben, und so würde er der Richter als author fax et tuba hernacher müßen vor alles responsabel [verantwortlich] seyn; hätte er etwas gegen uns, so solte ers per viam juris [auf rechtlichem Weg] suchen u. keinen Tumult verursachen.
Demnächst wie der Richter sahe, wie ihm auch dis nicht durchgehen würde und selbst die Corporals sich weigerten, so ließ er die Schützen zurück und war also Fulgor ex pelvi [Volksm.=Blinder Lärm]. Weil mann aber doch noch nicht recht versichert seyn konte, verfügte ich mich endlich nebst den Neuerwehlten, ferner Consisorialen, Scheffen und einem guten Theil Beerbten nach der Kirche, liessen den Küster, welchen wir bey uns hatten, aufschliessen und introducirten[Eingang verschaffen, einsetzen] sowohl den Kirchmeister als Provisor in die Consistorial Stände, worauf der Gottesdienst angefangen und während desselben ein Theil Beerbte sich um die Banck herümpostirten, folglich mann in Possession seiner Rechte blieb u. beharrete.
Immittelst hatte sich der Richter gleich zu Cleve bey der Regierung gemeldet und zwar vorerst wegen der Beeidigung der Kirchmeister und Provisoren, so alhie vom Prediger alzeit geschehen, und suchte solche u. mithin der vorgegangenen Actum der Beeydigung des Provisoris zu vernichtigen, mithin immer neue Streitigkeiten in [den]Weg zu legen.
Sein Bericht und Anfrage, die er unterm 6. Jun. als den 2ten Tag nach Pfingstdinstage auf Cleve abgehen lassen war folgender Gestalt eingerichtet:
Allerdurchlauchtigster p.
Ew. Königl. Maje. muß [ich] allerunterthgst. vortragen, was massen für andern im Evangelisch Luth. Kirspel Meinertzhagen verschiedene Gewohnheiten aus dem Pabstum beybehalten worden, so aber successive abgeschaffet seyn, unterdessen aber werden annoch die neuerwehlte Kirchmeister und Provisores der Armen von einem zeitl. Pastore daselbst beeydiget. [Seite] 261 Gleich aber dieses allgdstr. König und Herr ein Actus judicialis und also auch folglich bekanten Rechten nach ab constituta judiciali persona, wann anderster der nullitaet nicht unterworffen, vorzunehmen. Als werde ex officio genöthiget, mir hierunter Allunthgste. Verhaltungs Nachricht auszubitten, und ob nicht diese inveterata consuetudo zu abrogiren [ungültig erklären], hingegen aber der actus ejurationis coram judicis von mir zu bewürcken, und was passiret, zu cassiren seye, in tiefster Submission ersterbend als
Meinertzh. Ew. Königl. Majt.
d. 6. Junii Allunthgst. Treugffstrder.
1743 Jo. Casp. Wever D.
Die Antwort und das Rescript, so er diesertwegen schon unterm 10. Jun. als an eben dem Tage, da sein Bericht bey der Reg. praesentirt worden, erhalten ist diese:
Friderich König p.
L.G. Wir haben euren Allerunthst. Bericht wegen Beeidigung der dortigen Kirchmeister und Provisoren empfangen u verleßen. Gleichwie wir nun nicht finden können, wie ein dortiger Prediger solte qualificirt seyn, von sothanen Persohnen würckliche juramenta [Eide] abzunehmen, maßen ein solches nur der Obrigkeit in hiesigen unsern Landen competiret [rechtmäßig zusteht]. Also befehlen wir euch allgdst. sothanen eingeschlichenen abusum [Missbrauch] abzustellen und des endes dem dortigen Prediger und Consistorialen in unserm hohen Nahmen zu bedeuten, daß dieselbe, wenn sie dabey verharren, daß die Kirchmeister und Provisores einen Corporalen [leiblichen] Eid praestiren [seine Schuldigkeit tun] sollen, sodann selbige des endes an euch zu verweisen haben. Seynd p. Cleve im Reg. Rath d. 10. Jun. 1743.
Ahn Richtern
zu Meinerzhagen
Nach diesem eingelauffenen Rescript hat der Richter ferner und zwar solche Dinge, die im Rescript nicht einmahl enthalten, dem Consistorio anbefehlen wollen wie folget:
Was S. Königl. Maj. unser allergdstr. Herr aus Hochlöbl. Reg. unterm 10. Jun. a.c. wegen Beeydigung der Kirchmeister u. Provisoren allgdst. verordnet, solches haben hiesiger HE. Past. Sohn, sodan Kirchmeister Knocke, Provisoren und Vorsteher aus dem abschrifftlich hiebeygehenden Allgdsten. Rescipto zu ersehen, und wie mir [Seite] 262 dabey committiret, den eingeschlichenen Abusum [Mißbrauch] abzustellen, als wird der am Pfingstdinstage darüber vorgenommener Actus hiedurch cassiret und im Übrigen vorbemeldten Consistorialen anbefohlen, sich hinkünfftig nach dem Einhalt hochstgltn. Allgdstn. Rescripti gehorsamst zu achten.
Meinertshagen d. 14. Jun. 1743
Vigore Commissionis
Spec. Regiae Majestatis
JC Wever Dr.
Seite 263
Ferner seints
- HE. Richt. Vorstell. zu Cleve wegen Sohns Kand. etc.
- Clevisches Rescript darauf
- HE. Richters Bescheid
- Consistorii Appelschein
- Vorstell. des Consist. zu Cleve wegen Düsb. u. Sön.
1. Clevisches Rescript
2. abermalig. Vorstel. des Consist. wegen Düsb. u. Sönnecken so Knoche mitgenommen
3. Decisir. Rescirpt
4. Die Begebenheit d. Mehler }
5. Richters Klage zu Clev. }NB
6. Consist. Antwort }
7. Consist. Vorstell. zu Cleve wegen Absterben des Kirchmeisters Knochen
8. Clevisches Apostillare
9. Inspect. Möllerhofs Befehl wegen der Wahl
10. Conroc. Consisorii it. Judicis et nobl. Richterbrief at Responsio
11. Protocoll Consistorale Denominationis
12. Bitte an Inspectorem
13. Neuer Insp. Erichs Devotam
14. Obt. … des I. Gegens. Klage
15.
16. Richters Vorstell. zu Cleve d. Wahl aufzuheben
17. Clevisches Rescript
18. Praes. mem. an Inspect.
19. Insp. Decret[?] zur Wahl
[von anderer Hand] Beilagend ein Zettel mit 46 Punkten die Pfarrwahl 1743 betreffend.
[die Seiten 267-276 folgen am Schluss] Seite 337
1744
Den 9. Jan. und folgends hat sich hieselbst auch ein sehr grosser helleuchtender Cometstern sehen laßen, er stund bey den Piscibus [Sternbild der Fische] am Himmel. Zu Anfang Februarii ist er ungemein groß anzusehen gewesen, aber auch schon in seinem Lauf etwas geschwinder. In der Mitte des Febr. hat er am allergrösten und schrecklichsten ausgesehen und sein Lauf war sehr schnell. Zu Ende Febr. ist er des Abends unsichtbar worden und nachdem er sich des Morgens ein paarmal sehen lassen, ist er unsern Augen völlig entzogen.
Den 16.Jan. hat sich hiesiger Königlicher Gerichtschrbr. HE. Moriz Herman Wever in die Ehe begeben mit Jungf. Susanna Christina Ernemans, HE. Jo. Did. Ernemans, Kaufmans im Remscheid auf den Birgden, eheleibl. Tochter.
Den 28. Febr. ist HE. Candid. Nicolaus Glaser zu Herschede zum Vicario erwehlet worden, weilen aber daselbst allerley Differenzien in der Gemeine obwalteten, ist er nicht ehe ordinirt worden als anderthalb Jahr hernach nemlich d. 8. Aug. 1745.
Den 29. Martii haben die Protestanten Ostern gefeyert und zwar 8 Tage eher als die Papisten [=Katholiken], als welche erst den 5. Apr. das Osterfest gefeyret, eben wie vor zwantzig Jahren nl. 1724 geschehen war. Die Differenz wegen des Osterfests wird in diesem Sec[ulum] [Jahrhundert] noch zweymahl entstehen, neml. 1778 und 1798.
Den 19ten May als auf Pfingstdinstag vormittags gegen 10 Uhr ist das Hauß Listringhaußen durch eine unvermuthete durch den Camin entstandene Feuersbrunst nebst dem Viehhause und der Scheuer gäntzlich eingeäschert worden, das neue Gebäude aber ist zum Glück noch stehen blieben.
Im Junio, Julio und Augusto ist das Brod alhie so wohlfeil geweßen, daß es nur 4 Stbr 6 d. gekostet hatt.
Den 2. Jul. ist alhie ein starcker Windsturm und Donnerwetter geweßen, so viele Dächer ruiniret, Bäume aus der Erden gerissen und viel Schaiden gethan.
Den 28. und 29ten Jul. ist der General Synodus vom HE. Inspect. Erich in Hagen gehalten worden. Nachdem vorher der Classical Convent der Altenaischen Classe bey HE. Bölling, Vic. zu Breckerfelde, geweßen.
Den 1. Aug. ist gewesen der Sonnabend vor Dom. X. Trin. ward unser Kirchen Hahn, nachdem er aufs neue verguldet, wieder auf den Thurn gesetzet.
Eod[em][an demselben Tage] des Morgens zwischen 6 u. 7 Uhr ist mein Töchterl. Amalia Maria Elisabeth gebohren.
In diesem Monath Augusto ließ der König in Preussen, nachdem er mit dem Kayser Pfaltz Hessen in die Franckfurter Union getretten, eine starcke Armee von Hundert Tausend Mann gegen die Königin von Ungarn nach Böhmen marchiren. Es geschahen daher in allen Kirchen auf Königl. Befehl Vorbitten [Fürbitten] und zwar hieselbst folgender Massen:
„Nachdehm S. Königl. Maj. Allergdst. resolviren [sich entschließen] müssen zu Wiederherstellung der Ruhe und des Friedens in Teutschland [Seite] 338 und um das unterdrückte Vaterland von seinem gäntzlichen Verderb und Untergang mit befreyen zu helffen, eine Anzahl dero Trouppen agiren zu lassen, als ruffen wir den Allerhöchsten mit Demuth an und bitten ihn von Hertzen, daß er zu diesem vorgenommenen wichtigen Feldzuge seinen gnadenvollen Segen von obenherab geben wolle, und sowohl Sr. Königl. Maj. Hohe Persohn als auch alle Officier und Gemeine, so im Felde stehen, mächtiglich beschirmen, ihnen Glück und Sieg gegen ihre Feinde verleihen, Krafft und Stärcke zum Streit vor das Vaterland geben, und jederzeit mit seiner Gnade über sie walten, daß ein baldiger edler Friede in unserm werthen Teutschland möge befördert und erhalten werden. Amen.“
Der König comandirte seine Armee selbsten und nachdehm er in Böhmen eingerückt, gieng er recta [gradezu, ohne Umschweife] vor Prag, eroberte solches d. 16. Sept. und machte die gantze Garnison zu Kriegsgefangenen. Inzwischen hatte sich die Österreichische-Ungarische Armee unter Printz Carl, welche die Kayserlichen schon über den Rhein getrieben und bereits im Elsas gegen die Frantzösische u. Kayserl. Trouppen stunde, wieder zurück gegen Böhmen ziehen müssen, daher die Käyserlichen die Bayerische Erblande wieder occupiren konten. Nachdem nun die Sachsen in 24000 Mann starck sich mit den Österreichischen Armeen vereinigt hatten, zog sich der König in Preussen, der sich schon biß an die Österr. Gräntzen ausgebreitet hatte, mit ihnen in Böhmen herum, konte aber seiner Feinde niemahl zur Schlacht bringen. Gegen Ausgang des Jahrs zog der König seine Völcker wieder nach Schlesien und dem Glatzischen zurück, verließ auch Prag wieder, nachdem grosse Summen daraus gezogen worden. Die Österr. wolten zwar den Preußen ins Glatzische u. Schlesische nachdringen, es erhielten aber die Preussen unterm Gen. Lehwald in einer Action bey Habelschwerd das Feld und die Österl. zogen sich zurück nach Böhmen.
Vid. An. Sq. [siehe das folgende Jahr]
Seite 340
In diesem Jahr sind alhie:
gebohren 61
gestorben 28
proclamirt 20 Paar, wovon 14 Paar hie copulirt.
Seite 341
1745
Den 17. Jan. Dom. 2. Epiph. ist Herr Melch. Joh. Haemann, bißheriger Stadtprediger zu Lüdenscheid, entschlaffen und d. 22. beerdigt.
Den 20. Jan. ist Carolus VII.Römischer Käyser zu München gestorben, aet[atis] 47 Jahr.
Den 10. Feb. und folgends ist ein so erstaunlich tieffer Schnee gefallen, daß das Fuhr Werck 4 biß 5 gantzer Wochen hat müssen stille liegen, und die ältesten Leute haben sich dergleichen nicht zu erinnern gewust. Um die Mitte des Merz Monaths begunte er etwas zu weichen und die letzten Tage des Merzes waren dergestalt warm, das alles in den Gärten arbeitete.
Vor Ostern, wie ich die Pastorath Haber [Natural-Abgabe an die Kirche] einsamlen lassen, habe ich in demjenigen District der Osterbaurschafft, welcher hinter dem Rotenstein gelegen ist, gezehlet 158 Persohnen, worunter 96 Comunicanten [Abendmahlteilnehmer] waren.
Den 11. May geschah die blutige Schlacht vor Dornick in den Niederlanden; die Frantzoßen hatten den Ort belagert und die alliirten Englische, Hannöverische, Holländische und Osterreichische Trouppen unter dem Commando des Hertzogs von Cumberland wolten die Festung entsetzen, hätten die Holländer ihr Devoir [Schuldigkeit, Pflicht] gethan, so hätte die Schlacht können von den Alliirten gewonnen werden, weil die Engelländer schon durch die Retrenchements [Verschanzung, Lager oder Feldschanze] durchgedrungen waren, allein weil sie nicht secundirt worden, zudem die Frantzösiche Armee beynahe eines so starck und mit Retrenchements und verdeckter Batterien besetzten und befestigten Dörfern versahen, musten die Alliirten wieder abziehen und die Festung Dornick muste sich, nachdem sie sich noch ein Zeitlang gehalten, endlich doch ergeben. Die Frantzosen nahmen auch in diesem Jahr noch Gend, Brügge, Nieport, Ostende, Dendermonde, Ath, Ondenarde p. hinweg, ohne daß die Alliirten solches hindern können.
Was das Kriegsglück unsers Theuersten Landesherren, des Königs in Preussen, anlanget, so ist dasselbe in diesem Jahr so remarquable [bemerkenswert] – das solches in folgenden Seculis [Jahrhunderten] stets wird bewundert werden. Es hatte zwar die Königin von Ungarn mit der Hauptarmee unter dem Printz Carl, so mit der Sächsischen Armee unter dem Hertzog von Weissenfels vereinigt war, ein Dessein [Riß, Entwurf, Zeichnung] aus Böhmen in Nieder-Schlesien einzudringen und die Ungarische Insurgenten Armee [Bezeichnung für die Anführer und Aufrührer eines bewaffneten Aufstandes oder Aufruhres gegen eine bestehende zivile oder politsche Autorität] solte in OberSchlesien einfallen, allein der Ausgang hat all ihr Vorhaben zernichtet. Als Printz Carl und der Hertzog v. Weissenfels zu Ende des Maymonaths durch die Gebirge in Schlesien eingerücket und vielleicht auf Breslau zuzugehen gedachten, zog der König in Preussen seine Armee bey der Gegend Schweidniz zusamen und griff den 4. Junii als Freytags vor dem heiligen Pfingstfest die Osterreichische und Sächsische sehr zahlreiche Armee behertzt an, bey der Stadt Hohen-Fridberg. Es war eine der wichtigsten Battaillen [Schlachten], so jemahls geschehen, den alle Trouppen, so dabey waren, [Seite] 342 haben miteinander getroffen, die Preussen haben Wunder der Tapferkeit abgeleget und einen solchen herlichen und glorreichen Sieg an diesem Tage erfochten, daß die Feinde die Flucht ergriffen, 4.000 Todte aufm Platz liegen lassen und sind davon 5.000 blessirt [verwundet]. Ferner habe die Preussen gefangen genommen 4 Generals, 200 Officier und 7000 Gemeine, also daß sich der sämtliche feindliche Verlust an Todten, Blessirten, Gefangenen und Überläuffern auf 20.000 Mann beläufft. Die Beute bestund in 66 Canonen, 6 Haubitzen, 76 Fahnen, 8 Paar Paucken, 10 Standarten u. a. mehr.
Auf solche handgreifliche Art straffte der Allerhöchste das barbarische und unmenschliche Verfahren der Feinde in den Schlesischen Gräntzen, sie hatten daselbst solche Schandthaten und Grausamkeiten verübet, daß es ihnen zu einer ewigen Schande gerechnen muß, es ward auch auf Königl. Befehl solches unmenschliche Verfahren der Feinde gegen arme Einwohner schrifftlich verfasset und im Druck der Welt vor Augen gelegt. Es zeigte sich also die Rache des Herren auf eine vor aller Welt so eclatante und strenge Weise, und der König befreyte durch diesen grossen Sieg sein Land wieder von solch mächtiger Armee des Feindes, die sich auf 80 Tausen Mann belauffen hatte, da der König, wie er sich zusammen gezogen, nur 60 Tausend ausmachte. Die Feinde retirirten [zogen sich zurück] sich nach Böhmen und der König folgte ihnen biß in Böhmen nach und schlug den Schauplatz des Königes im Feindes Landen auf.
Wegen dieses herlichen Sieges bey Fridberg kam nachfolgende Königl. Verordnung heraus:
Von Gottes Gnaden Friderich p.
L[iebe]G[etreue]. Nachdem wir durch des Allerhöchsten Gnade und Beystand am 4ten jetz lauffenden Monaths Junii gegen die combinirte Österreichische und Sächsische Armeen bey Fridberg einen glorreichen Sieg erfochten; als befehlen wir auch allgdst. in eurem District die Verfügung zu machen, daß dem höchsten Gott den 20. hujus [=diesen Monats] in allen Kirchen mittelst solenner Absingung des Te Deum laudamus öffentlich dafür gedancket werde. Seynd p.
Cleve p. d. 14. Jun. 1745
J.P. v. Raesfeld
D.H. Becker V.C.
E.S. Hopp
Zufolge solcher Verordnung ist auch hieselbst zu Meinertzhagen d. 20. Jun. als Dom. I. Trin. das Siegesfest mit 3 Predigten celebrirt und mit schöner Music das Te Deum abgesungen worden. Mein Text ist geweßen Deut[eronomium] XX.3.4. [5. Buch Mose, 20,3+4] Exordium [Einleitung, Redeeingang] Ps. LXIV. 10 [Psalm 64,10]
Nachdem nun die Österreichische u. Sächsische Armee sich bey Königgräz fest gesetzet und verschantzet, auch mit Morasten ümgeben war, zudem mit frischen Völckern sehr verstärcket ward, so konte der König in Preussen dieselbe nicht wieder attaquiren, sondern setzte einen grossen Theil von Böhmen in Contribution [Kriegsbesteuerung eines Landes durch den Feind], ließ starck werben und schickte unterschiedliche Trouppen nach [Seite] 343 OberSchlesien, welche die Insurgenten [Aufrührer, Empörer, Landsturm] vertrieben und die Festung Cosel eroberten, biß zu Ende des Herbst Monaths alle Subsistenz [lat. Hinterhalt, Rückhalt=Reserve, Beistand, Unterstützung] in Böhmen aufgangen, da fand der König vor gut, sich nach Schlesien zu ziehen und die Trouppen bey guter Zeit in die Quartiere zu legen, hatte auch schon unterschiedene Corps seiner Völcker voraus geschickt und folgte mit noch ohngefehr 20 Tausend Mann zuletzt nach. Die Feinde waren bey diesem Rückmarch vorerst ruhig, brachen aber unvermuthet auf und kamen durch starcke Marche den 30. Sept. dem Könige mit seinen wenigen Trouppen des Morgens so geschwinde auf den Halß und feuerten schon mit den Canonen auf seine Völcker, ehe sie sich in Ordnung gestellet hatten. Der König, ob er gleich einen doppelt stärckeren Feind vor sich hatte, welcher bey 60 Taus. Mann unter Anführung dreyer GeneralFeldMarschälle starck war, resolvirte [zerteilte, entschloss sich] dennoch mit seinen wenigen Völckern, derer er nur 18.000 Mann in der Schlacht gehabt und zwar an einem Ort, der dem Feind überaus vortheilhafft war, eine Battaille [Schlacht] zu liefren, die Preußen rangirten sich mit unglaublicher Geschwindigkeit und es kam zu einem hartnäckigen Treffen. Die Preussen hatten viel Mühe, ehe sie einen Berg, darauf die Feinde eine grosse Batterie hatten, erobern konten, doch haben sie sich überall gegen die grosse Menge recht unerschrocken bewießen und wie Löwen gefochten und ohnerachtet sie immer wieder frische Völcker vor sich gefunden, die sie von neuem attaquiren müssen, haben sie doch endlich unter göttl. Beystand einen gantz vollkommenen und gloriensen Sieg erhalten. Es gereichet diese Schlacht den Preussen zum ewigen Ruhme, denn die Feinde waren nicht allein zweymal so starck, sondern hatten den vortheilhafftesten Platz inne, kamen den Preussen gantz unvermuthet üben den Halß und die Königin von Ungarn hatte drey der besten Feld-Marchals hingeschickt, üm den Sieg auf ihre Seite zu lencken, nemlich den Hertzog von Aremberg, welchen sie von der Armee am Rhein komen lassen, den Fürst v. Lobkowiz, welcher sonst in Italien das Commando gehabt und den Printz Carl v. Lothringen. Alles aber konte nicht helffen, sondern die wohlgeübte und tapfer Preußen siegeten überall. Der feindliche Verlust an Todten, Blessirten u. Gefangenen beläufft sich bey 7.000 Mann, dazu sind erbeutet 10 Fahnen, 2 Standarten und 21 Canonen. Der Preussissche Verlust war 500 Todte, 1500 Blessirte und währender Battaille hatten die feindliche irregulaire Trouppen die Bagage [Feld- und Kriegsgepäck eines Heeres] geplündert.
Herauf kam folgendes Königl. Befehl heraus:
Von Gottes Gnaden Friderich etc.
L[iebe] G[etreue]. Nachdehm es dem Allmächtigen gefallen, uns unterm 30sten nächstverwichenen Monath Septembris über die Combinirte Österreichisch u. Sächsische Armee zwischen Sorr und Prauschniz in Böhmen einen glorreichen und vollkommenen Sieg zu verleihen, und dann unser gnädigster Wille ist, daß dem Allerhöchsten für sothane Wohlthat der gebührende Danck erstattet u. dessen fernerer Beystand zu unsern Rathschlägen und Waffen erbethen werde.
Als befehlen wir euch allgdst. bey allen Kirchen euren Districts die Ver- [Seite] 344 fügung zu machen, daß nächstkünfftigen Sontag das Te Deum mit den gewöhnlichen Solenntaeten abgesungen und mit einer Sieg und Dancksagungs Predigt begleitet werden möge.
Seynd euch p. Cleve p. d. 18. Oct. 1745
An statt p.
J.P.v. Raesfeld
D.H. Becker V.C.
Diesem gemäß ist alhie in Meinertzhagen d. 31. Oct. als Dom. 20. Trinit. das Siegesfest gefeyret worden. Mein Text steht 1.Macc. III. 17-26 [1.Makkabäer 3,17-26], Exord. Jes. 8,9 sq [Sequenz=das Folgende].
Als nun die Österreicher sahen, daß sie durch Böhmen in Schlesien nicht einbrechen konten, so ward bey ihnen der Schluß gefasset, durch die Laußnitz zu gehen, sich alda mit den Sachsen zu conjungiren [verbinden, vereinigen] u. recta [grade, ohne Umschweife] vor Berlin zu rücken, daher sich die Österreichische Armee nach dieser Schlacht bey Sorr nach der Lausnitz verfügte. Inzwischen stunden auch zwey Armeen, eine Sächsische bey Leipzig u. eine Preussische bey Halle gegeneinander. Die Sächsische Armee ward auch durch 10 Tausend Mann Österreicher von der Armee am Rhein verstärckt, welche durch Thüringen nach Dresden & Leiptzig zu marchirten u. sich conjungirten [verbanden, vereinigten]. Wie nun der König von Preussen des Feindes Intention [Absicht, Vorhaben] ersahe, auch schon in Berlin eine grosse Consternation [Bestürzung, Betroffenheit, Fassungslosigkeit] entstund, so hielt er nicht vor rathsam, stille zu sitzen, sondern gieng wieder in hoher Persohn zur Armee in Schlesien ab, rückte unvermuthet in die Laußnitz ein, schlug einige Sächsische Regimenter am 24. Nov. bey Hennersdorff und jagte die gantze österreichische Armee unter Printz Carl Halß über Kopf wieder nach Böhmen zurück, welche sich hierauf nach Sachsen wendeten.
Ferner hatte der König von Preussen dem alten Fürsten von Dessau, welcher die Preussische Armee bey Halle commandirte, Befehl ertheilt, die Kriegs-Operationes auch anzufangen und auf die Sächsische Armee bey Leiptzig loßzugehen. Er brach am Ende Nov. aus Halle mit einer auserlesenen Armee auf und rückte auf die Sachsen loß, diese verliessen aber ihr Retrenchement vor Leiptzig u. zogen sich zurück, worauf Leiptzig von den Preussen eingenommen ward. Ferner giengs auf Torgau u. Meissen loß, wo am letztern Ort biß dahin die Preussische Hauptarmee durch die Laußnitz durchgedrungen war, der Fürst v. Dessau vom König mit 12 Tausend Mann verstärcket ward. Die Sachsen stunden indeß in starcker Anzahl nebst den 10 Taus. Osterreichern eine Stunde von Dresden wohl verschantzt, ihr lincker Flügel reichte an das Dorff Kesselsdorff, welches mit vielen Canonen und allen Grenadiers besetzt war. Hierauf ließ der Fürst von Dessau die Preußische Armee sich in Ordnung stellen und attaquirte am 15. Dec. Nachmittags gegen 2 Uhr mit vieler Bravour die feindl. Armee, u. obs zwar sehr hitzig zugieng, ehe die Preussen das starck besetze Kesselsdorff erobern konten, so erfochten sie dennoch an selbigem Tage einen incomparablen [unvergleichlichen, vortrefflichen] Sieg. Es wurden 4000 Gefangene gemacht, die gantze Artellerie dem Feind abgenommen u. selbiger biß über Dresden hinaus verfolget. Ja, diese Haupt- und Residenz Stadt Dresden ging am 18. dit. mit Accord [Vertrag, Übereinkunft] an den [Seite] 345 König von Preussen über, nachdehm sich vorher der König u. Königin in Pohlen aus Dresden nach Prag retiriret [sich zurückzogen, flüchteten].
Bey dieser berühmten Battaille bey Keßelsdorf oder bey Dresden ist auch das hochl. Lepsche Regiment, so in Hamm und Soest seine Standquartier hatt, mit zugegen gewesen, unter demselben sind an die 20 Soldaten aus dieser Meinerthagischen Gemeine mit im Treffen gestanden, welche auch allesamt glücklich davon kommen, nur daß ihrer 2 als Keppelman und Burchhard am Fuß blessirt worden, der Grenedier Wieman aber, welcher Kesseldorff mit attaquiren helffen, nachdehm ihm ein Bein weggeschossen, sein Leben eingebüsset.
Wie nun auf solche Weise die Preußische Waffen gantz Sachsenland inne hatten u. in Contribution setzten, auch die Osterreicher unter Printz Carl sich nicht getraueten, den Preussischen nunmehro combinirten tapfern Armeen das Haupt zu bieten, so wurden in Dresden die Friedenstractaten vor die Hand genommen. Da sich denn auch der König in Preussen so großmütig bezeigte, daß er ohne sich seiner erhaltenen Siege weiters zu bedienen, auf den Fuß des Breßlauer Friedens mit Österreich Friede machten, auch mit Chursachsen sich verglich, daß es an Preussen eine Million Rthlr zahlen muste, wogegen die Preußische Völcker gleich gantz Sachsenland wieder räumten. Es ward auch von Sachsen der Oder-Paß Fürstenberg gegen ein Aequivalent [Gleichwertiges] an Preußen überlassen. Dieser Friede ward den 25. Dec. als eben am heil. Christfest glücklich geschlossen, da die Engel sungen:
Friede auf Erden. Und also vieler Tausend Menschen Wunsch erfüllet.
Übrigens dieses Jahr anlangend, so ist den 27. Jun. der Candid. Volman zu Hedtfelde zum Pastoren, wozu er unanimiter [einstimmig, einmütig] beruffen, ordiniret worden, welcher Ordination ich assistiret habe.
Den 4. Jul. ist die Collecte vor die Kirche und Pastorath zu Hagen durch HE. Past. Hanseman, welcher selben Tag als Dom. 3. Trin. hie geprediget, angekündiget und folgends Ostiatim [von Haus zu Haus] eingesamlet worden.
Den 13. Juli Dinstags nach Dom. 4.Trin. ist alhie zu Meinertzhagen in meiner Behausung Conventus Classis Altenanae gehalten worden.
Den 20. und 21. Jul. ist in Hagen Synodus Generalis gehalten worden.
Den 8. Aug. ist HE. Cand. Glaser zum Vicario Herschedensium [zum Herscheider Vikar, 2. Pastor] ordinirt worden.
Den 14. Aug. war Samstags vor Dom. 9.Trin. hat das DonnerWetter üm 4 Uhr Nachmittags in hiesige Kirch und Thurn eingeschlagen, auf dem Thurn war der Drat, so den Hammer an der Uhr ziehet, entzwey geschlagen, der Strahl aber, so oben ins Gewölbe über dem Chorfenster eingefahren, hatt die dicke Mauer hinter dem Altar ein groß Stücklang gespaltet, den Altar sehr beschädiget, auch auf dem Gewölbe das Holtz angezündet, so aber durch göttl. Hülf sogleich gelöschet worden. Der Wind kam aus Osten, und nachdehm es drey starcke Donnerschläge gethan, hats wieder aufgehöret, auch nicht einen Tropfen geregnet.
Seite 346
In diesem Sommer ist auch die alliirte Armee, so aus Osterreichern, Holländern und Hannöwerschen bestund, unter dem Comando des Hertzogs von Ahrenberg, von der Lahn den Rhein herunter gerückt nicht weit von hier bey Eckenhagen vorbey nach der Gegend Hanau gewendet, woselbst sie sich mit einer andern aus Bäyern kommenden Osterreichischen Armee unter dem General Traun vereiniget und die Käyserwahl zu Franckfurt bedecket.
Den 13. Sept. ist Franciscus I. Hertzog von Lothringen u. Großhertzog von Toscana, Ehegemahl der Königin in Ungarn Mariae Theresiae, in Franckfurth durch 7. Vota zum Römischen Käyser erwehlet und den 4. Oct. daselbst gecrönet worden.
Sonst ist in diesem Jahr d. 16. Dec. unsere neue Kirchenuhr und Uhrweiser fertig worden und an Ort und Stelle gebracht. Die Uhr hat Meister Diderich von der Cronen zu Roßmert im Kirspiel Lüdenscheid gemacht und kostet 90 Rthlr.
In diesem Jahr sind
gebohren 60
gestorben 36
proclamirt 19 Paar, darunter 17 Paar copuliret worden.
[später von anderer Hand geschrieben:]
25ten September dieses Jahres ist gebohren Maria Elisabeth Keutgen in Iserlohn die nachher an HErr Jo. Diedrich Hessmer verheirathet worden.
Seite 347
1746
Den 1. Jan. ward begraben Johannes Tasche auf dem Redtlendorff, aetat. 93 Jahr, seine älteste Schwester, so 1743 gestorben, war 98 Jahr alt und die noch lebende Schwester zu Northelden ist ebenfals in hohem Alter.
Wegen der den 15. Dec. a.p. gewonnenen Battaille bey Kesselsdorff ohnweit Dresden kam folgendes Königl. Edict heraus:
Von Gottes Gnaden Friderich p.
L[iebe]G[etreue]. Weil durch des Allerhöchsten mächtigen Beystand unsere Armee unter Commando und Anführung unsers ersten FeldMarchals, des Regierenden Fürsten zu Anhalt Dessau Liebden, am 15. Dec. wider die combinirte Chur-Sächsisch und Osterreichische Armee einen glorreichen Sieg abermahls erhalten, 4.000 von den Feinden zu Kriegsgefangenen gemacht und dererselben gantze Artillerie erbeutet, dann auch die Hauptstadt der Chursächsischen Landen Dresden am 17. ejusd[em] von uns eingenommen und bezogen worden. So wollen wir, daß dem Allmächtigen für diesen glücklichen Fortgang unserer Waffen öffentlich gedanket und dazu dessen fernerer Segen erbethen werden möge. Wir befehlen auch demnach Allgdst. die nötige Verfügung zu machen, daß in denen sämtl. Kirchen euren Districts und zwar an denen Orten, wo es möglich, nächstkünfftigen Sontag nach Einlangung dieses, in denen übrigen aber gleichfals mit nächstem das Te Deum mit den gewöhnlichen Solennitaeten nach vorher gehaltener DanckPredigt abgesungen werden möge. Seynd p. Cleve im Reg. Rath den 8. Jan. 1746.
An statt pp.
Jo. Pet. Von Raesfeld
D.H. Becker V.C.
S.Hopp
Dieser Verordnung zufolg ist hieselbst den 16. Jan. als auf Dom. 2. Epiph. das Siegesfest celebriret worden.
Ferner ist wegen des glücklich getroffenen Friedens folgende Königl. Verordnung erfolget:
Von Gottes Gnaden Friderich p.
L[iebe]G[etreue]. Es hat dem Allerhöchsten in Gnaden gefallen, unsere zu Wiederherstellung der allgemeinen Ruhe in denen teutschen Landen abzielenden Rathschläge und zu solchem Ende bißhero geführte glückliche Waffen dergestalt zu segnen, daß es unterm 25ten abgewichenen Monaths Dec. zwischen Uns und den Höfen zu Wien und Dresden zu einem soliden und dauerhafften Frieden gediehen. Weil wir nun wegen dieses glücklichen Erfolgs ein solennes Danckfest in denen sämtl. Kirchen unsrer Lande gehalten wissen wollen. So befehlen wir euch allergnädigst bey allen Kirchen euren Districts die Verfügung zu machen, daß solches auf den 3ten Sontag Epiph. nemlich den 23. dieses ohn allen Anstand geschehen möge. Seynd p.
Cleve in unserm Reg. Rath den 13. Jan. 1746
An statt und von wegen p.
Johan Peter von Raesfeld
D.H. Becker V.C.
E.S. Hopp
In Gefolge dieses ist am 23. Jan. als Dom. 3. Epiph. alhie zu Meinertzhagen das frohe Friedensfest quam solennissime gefeyret worden. Tages vorher ist die hiesige Junggesellen Compagnie in [Seite] 348 schöner Ordnung aufgezogen, hat sich im Feuern exercirt und zur Parade des folgenden Tags fertig gemacht. Den Sontag Morgens, nachdehm zum Gottesdienst gebeyert [=Anschlagen der Glocken durch den Klöppel mit der Hand] worden, ward die Junggesellen Compagnie, so aus 60 biß 70 Mann bestund, bey des HE. Richters Behausung zusammen gezogen und nachdehm sie sich rangirt, zog sie mit einem Chor Musicanten von Gimborn p mit fliegender Fahne und klingendem Spiel durch das Dorf biß auf den Kirchhoff, woselbst sie sich in zwey Linien postirten und unter dem Gesang Herr Gott dich loben wir ein dreymaliges LaufFeuer machten. Demnächst aber auch in völliger Rüstung zur Kirchen einzogen, durch einen Gang herauf biß aufs Chor, wo die Fahne empor gehalten ward, biß durch den andern Gang herunter, beständig unter dem Gottesdienst stehen blieben, wo immittelst eine schöne Music aufgeführet ward. Ich hielt die erste Predigt über den Text: Ps. 122,6 seq. ad fin. [folgend bis Schluss]
Wünschet Jerusalem Glück – bestes suchen. Exord. war Jes. 52,7. Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Botten, die da Friede verkündigen.
Propositio [Vortrag, Satz, Hauptsatz] den wohl eingetroffenen Friedenswunsch des Preussischen Israels.
4.) Wie der Friede hertzlich gewünschet
5.) Wie er glorreich erfüllet ward.
Die Predigt ward mit einem Friedens-Carmine [Gelegenheitsgedicht zu best. Anlass] von mir beschlossen, worauf wieder musicirt ward, auch gab die Compagnie aufm Kirchhofe wieder ein 3malige Salve. Zu Mittag ward die Compagnie auf Kosten der Kirche gespeiset. Der Nachmittags Gottesdienst geschah wieder mit den nehmlichen Solennitaeten, wo dan mein Bruder die Predigt hielt über den Text:
Ps. 147,12 seq. [folgende]: Preise Jerusalem den Herren, lobe Zion deinen Gott p. Die gantze Gemeine war auf dießen frohen Tag besonders aufgemuntert, und geschahe kein Excess noch Unglück, d. FreyHE. von Nagel hatte oben auf der Wahr einige Stücke pflantzen laßen, welche den gantzen Tag hindurch zum öftern abgefeurt wurden. Des Abends war des HE. Richters Hauß illuminirt.
Du Friedefürst Herr Jesu, erhalte uns lange in beständigem Frieden und gib uns endlich in der Triumphirenden Kirche des Himels Freude zu schmecken.
Amen.
*
Seite 349
H.a. ,[hoc anno= dieses Jahr] starb Nic. Wilh. Schrage, Pastor zu Rönsahl, bisherigen Subdelegaty Classis Altenanae, worauf Pastor J. Leop. Riese zu Lüdenscheid Subdel. worden von 1747 biß 1750, weilen die Zeit der Subdelegatur in ein Trilenium mutiret [in eine dreijährig Amtzeit geändert]worden.
Seite 354
1748
Im Julio, wie ich mit den Meinigen die Freunde zu Schwelm besuchte, geschahe es, daß, da ich dem HE. Mag. Karthaus als Pastoren daselbst zusprach, ich von demselben ersuchet ward, weil er unpäßlich wäre, vor [für] ihn zu predigen, welches ich zwar anfänglich abschlug, auf sein inständiges Anhalten aber endlich übernahm und am 7. Trinit. aus dem Evangelio das jammernde Hertz Jesu darstellete, wozu das Exordium [Redeeingang, Einleitung] aus dem Propheten Jona genommen ward Cap. IV.II. Solte mich nicht jammern Ninive, solcher großen Stadt p. Durch diese Predigt ist es geschehen, daß das folgende Jahr auf eben den 7. Sontag nach Trinit. durch Gottes sonderliches Fügen mir der Beruf nach Schwelm an sel. HE. Karthaus Stelle ist zugeschicket worden, welches ich mir damahls wohl gantz und gar nicht vorgestellet.
O Herr wie wunderlich bistu in deinem Thun.
*
Den 18. Aug. Dom. X.p.Trinit. Nachts üm 12 Uhr ist HE. M. Karthaus, Pastor zu Schwelm, ehemaliger Inspector Ministerii Marcani u. Zeitl. Subdelegatus der Wetterschen Classe gestorben und den 23. dit. beerdigt worden. HE. P. Hüttemann zu Vörde hat die LeichPredigt u. P. Revelman zu Volmarstein die Parentation [Grabrede] gehalten, welche zusammen gedruckt worden.
In diesem Jahr hat die Rothe Ruhr [Dysenterie=Durchfallerkrankung, bes. entzündliche Erkrankung des Dickdarms durch bakterielle Infektion] zu Meinerzhagen stark gewütet, also daß wohl nach der PestZeit in keinem Jahr die Anzahl der Todten so hoch mag gestiegen seyn.
Seite 356
1749
D. 14. Febr. ist mein Söhnlein Peter Leopold gebohren, und den 24. dito getaufft worden.
Nachdem zu Schwelm den 14. Julii Montags nach Dom. VI. p. Trinit. [6. Sonntag nach Trinitatis] die PastoratWahl über mich und HE. Past. Glaser zu Valbert, HE. Past. Erben zu U...ning und HE. Past. Hülshoff zu Dahle durch den HE. Inspectorem Bordelium von Bochum mit Zuziehung des Subdelegati Classis HE. Past. Hencke zum Gevelsberge abgehalten worden, so ist durch Gottes wunderbahre Schickung das Looß auf mich gefallen, indehm gestimmet auf mich 663.
auf HE. P. Glaser 229.
auf HE. P. Erben 4.
auf HE. P. Hülshoff 7.
Die WahlPredigt hat dHE. Inspector gehalten über Math. IX. 37+38.
Selbigen Abends üm 10 Uhr brachte mir der vom HE. Hogräfen abgeschickte Audienz-Botte Mayer zu Pferde die erste Nachricht von der geschehenen Wahl, welchem folgenden Morgens der vom Magistrat abgefertigte StadtDiener mit einem Schreiben folgte.
Den 20ten dito am 7. Sontage nach Trin. brachten mir 4 Deputirte aus dem Consistorio und Vorstand die Vocation [Berufung] zu der Schwelmischen Pastorath, bey deren Empfang ich mir eine Bedenck-Zeit von 3 Wochen ausgehalten, da ich sodenn Resolution [Beschluss, Bescheid] ertheilen wolte.
Die 4 erwehnte Deputati waren:
der Kirchmeister aus der Stadt HE. Casp. Wilh. Hösterey
der Kirchmeister vom Kirspel HE. Joh. Casp. Püls
der Provisor vom Kirspel HE. Henr. Ambrosius Brand
der Vorsteher Schwelmer Bauerschafft HE. Joh. Casp. Kalthoff.
Nachdehm ich nun über diesen neuen wichtigen und bedencklichen Beruf mit Gott zu Rathe gangen, welcher ohn menschliches Vermuthen auf die vorm Jahr noch bey Lebzeiten des sel. HE. Mag. Karthaus von mir in Schwelm gehaltene Gast Predigt durch sonderbahres Göttliches Fügen erfolget, auch von verschiedenen guten Freunden und Theologis, besonders auch dem HE. Doct. Fresenio in Franckfurth, zu Annehmung dieser sehr beschwerlichen und mühsahmen Bedienung encouragiret [ermutigt, ermuntert] worden. So habe ich mich endlich im Nahmen Gottes auf inständiges und so offt wiederhohltes Ansuchen verschiedener Gemeinsglieder der Schwelmischen Gemeine, resolviret [entschlossen], dem wichtigen Beruf anzufolgen.
Seite 357
Den 24. Aug. Dom. XII. p. Trin. habe ich zu Meinerzhagen meine Abschieds Predigt unter häuffiger Versamlung sowohl dasiger als benachbarter Gemeinsglieder gehalten.
Dieser Abschied, so unter vielen Thränen geschehen, ist mir sauer ankommen, denn ich muste meinen Gebuhrts Ort u. eine Gemeine, die ich nach meinem Seel. Vater 9 Jahr bedienet und darunter viel gute Freunde, auch einen leiblichen Bruder zum Collegen hatte, nunmehro verlassen. Ich muste von einem Gotteshauße ziehen, darinnen die Gebeine meiner seligen Eltern ruheten, darin auch zwey Brüder und eine Schwester, ja eins meiner Kinder begraben lagen, und wo ich dachte, einmal an ihrer Seite zu ruhen.
Doch du solst hingehen, wohin ich dich sende. Jer[emia] 1.
Die vorbemeldte Abschieds Predigt ist über den Text 2. Cor. XIII, II [2. Korinther, Kap. 13,2]:
Zuletzt meine Brüder, freuet euch, seyd vollkommen, tröstet euch, habt einerley Sinn, seyd friedsam, so wird [der] Gott der Liebe und des Friedens mit euch seyn.
D. 31. Aug. Dom. XIII. p. Trin. habe ich in Schwelm bey einer erstaunlich großen Menge Volcks die Antritts Predigt gehalten über den Text Apg. 18,9+10:
Es sprach aber dHErr durch ein Gesicht in der Nacht zu Paulo: Fürchte dich nicht, sondern rede und schweige nicht, denn ich bin mit dir und niemand soll sich unterstehen dir zu schaden, denn ich habe ein großes Volck in dieser Stadt.
Nun der Anfang ist gemacht
Jesu hilf die Schääflein weiden,
schenck mir Muth und Kraft im Leiden
daß in Schwelm die Gottesherrde
durch mein Amt vermehret werde,
biß sie wird zum Himmel bracht,
dann ist alles wohl gemacht.
*
Abschieds Veerß zu Meinerzhagen
nach der Valet-Predigt.
d. 24. Aug. Dom. XII. Trin.
1.
Nun so sag ich gute Nacht,
leg den Hirtenstab darnieder
doch mein Jesus ruft mir wieder
geh aus deinem Vaterland!
Gott hat dich nach Schwelm gesandt,
meine Zeit ist hier vollbracht
drum Ade zu guter Nacht.
2.
Meine Schääflein gute Nacht
Jesus woll euch selbsten weiden
und das beste Theil bescheiden
Jesus laß auf eu´r Gewissen
seine Gnaden Tröpflein fliessen
nehme seine Heerd in acht
meine Schääflein gute Nacht.
3.
Gottes Hauß nun gute Nacht
in dir soll noch ferner schallen
Gottes Wort nach Wollgefallen
Höchster laß in diesen Bäncken
manches Hertz zu dir sich lencken [Seite] 358
biß daß alles ist vollbracht,
Gottes Hauß nun gute Nacht.
4.
Werther Altar gute Nacht!
Alle die bey dir erscheinen
in der Beicht die Sünd beweinen
die sich unter Hertzens Thränen
nach den Wunden Jesu sehnen
die hat Jesus wollbedacht.
Werther Altar gute Nacht!
5.
Liebste Kantzel gute Nacht!
Von dir hab ich offt gelehret
woll dem, ders mit Fleiß gehöret
auf dir soll mann ferner sehen
einen treuen Lehrer stehen
der für Menschen Seelen wacht.
Liebste Kantzel gute Nacht!
6.
Gottes Acker gute Nacht!
Die in dir begraben liegen
hoff ich endlich mit Vergnügen
vor des Heiland Thron zu sehen
mit den Sieges Palmen stehen
wol dem der sein End betracht.
Gottes Acker gute Nacht!
7.
Liebsten Freunde gute Nacht!
Müssen wir uns jetzo scheiden
bringt das Scheiden bittres Leiden
O wenn wir des Höchsten Willen
treulich suchen zu erfüllen
wird das Scheiden nicht geacht.
Liebsten Freunde gute Nacht!
8.
Nun Gemeine gute Nacht!
Du liegst mir an meinem Hertzen
und ich scheide mit viel Schmertzen.
Ich will dis zulezte schreiben:
Jesus soll dein Jesus bleiben.
Nun so ist der Schluß gemacht.
Meinertzhagen gute Nacht!
Den 27. Oct. bin ich nach Valbert zur Hochzeit meiner jüngsten Schwester gereiset, welche an HE. Past. Westhoff daselbst verheyrathet worden.
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1750
Den 14. Junii Dom. 3. p. Trin. hat zu Meinerzhagen mein Successor in officio [Nachfolger im Amt] Herr Pastor Westhoff von Bosenhagen seine AntritsPredigt gehalten.
Den 9. Aug. Dom. XI. p. Trin. ist derselbe wieder verstorben, nachdem er nur 8 Wochen daselbst gestanden.
Den 8. Nov. Dom. 24. p. Trin. ist an seine Stelle wieder erwehlet worden der Candidatus Johann Wilhelm Dümpelmann, welcher alhie in Schwelm bey meinem HE. Collegen Moll in Condition stund, d. 6. Dec. Dom. 2. Adv. ist derselbe ordinirt worden.
Den 7. Jul. ist HE. Past. Eckstein zu Halver Subdelegatus Classis Altenanae worden biß 1753.
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1753
Nachdem bishero Meinerzhagen sein besonder Gericht gehalten, so ist durch Anordnung der Landgerichte dieses aufgehoben und der bisherige Richter D[oktor beider Rechte] Jo. Caspar Wever, welcher von 1714 her zu Meinerzhagen u. Valbert Richter gewesen, als erster Assessor bey das Landgericht zu Lüdenscheid versetzet worden.
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1756
[...]
H.a. [Hoc anno= dieses Jahr] ist Past. Pollmann zu Altena Subdelegaty Classis Altenanae worden biß 1760.
[...]
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Dis ist das betrübte Jahr, darin das Ungemach des Krieges u. grosse Theurung hiesige Provintzien betroffen.
Jes. 1,19.p Wolt ihr mir gehorchen, so solt ihr des Landes Guth genießen, weigert ihr euch aber, so solt ihr vom Schwerdt gefressen werden, denn dHE. sagets.
Die längst aufgestiegene Sündendünste haben ein schwer Gewitter göttl. Gerichte u. LandPlagen entzündet.
Schon in den letzten Tagen des Merz Monaths nahete sich eine starcke Frantzösische Armee als Hülfsvölcke der Königin von Hungarn [Ungarn] unsern Gräntzen, und im April war das Clevische, Märckische u. Mörsische schon in ihren Händen, indem diese Länder von Trouppen gantz entblösset waren. Den 22. Martii verlies die Preuß. Besatzung Wesel u. den 8. April besetzen es die Frantzosen. Darauf erfolgten allerhand Lieferungen an Geld, Heu, Haber [Hafer], Stroh, Holtz, vielen Vorspann und dergl., wodurch das Land elendigl. mitgenomen wurde, sonderlich diejendigen Orter, wodurch die meiste Marche gingen als in der Grafschafft Marck, Hattingen, Lünen, Schwerte, Hamm u. andere mehr.
Den 4. Jun. Samstags vor Fest. Trinitatis rückte alhie in Schwelm das Frantzösiche Regiment Grenadier Rogan unter dem Obersten de Solari ein, bey welcher Gelegenheit auch ich einen Frantzösischen Capitain nahmens de la Roquete mit zwey Knechten und vier Pferden zur Verpflegung ins Hauß bekam. Wegen des grossen Unruhe konte dismahl die Beichte nicht gehalten werden. Folgenden Sontags marchirte das Regiment wieder ab auf Hagen, um 8 Uhr war niemand mehr davon in der Stadt, daher der Gottesdienst ruhig gehalten werden konte.
In diesem Jahr ist das Getreide in hohem Preise gewesen, so daß das Brod hie in Schwelm im April, May und folgends 18 biß 19 Stbr gekostet. Die Armuth ist überaus groß geworden.
[Es folgen Berichte von Durchmärschen und Einquartierungen fremder Truppen in Schwelm und Umgebung und Abgaben der Bevölkerung]
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[….]
Ferner haben dis gantze Jahr hindurch Lieferungen von allerley Gattung an die Frantzosen geschehen müßen, wodurch das Land gewaltig mitgenommen worden, indeßen ist mann doch mit den Winterquartiren verschonet blieben, indehm die Frantzosen solche gröstentheils im Hannöverischen und in Hessen bezogen.
Sonsten ist dieses Jahr durch die überaus viel und blutige Schlachten, so von den kriegenden Partheyen geliefert worden, sehr merckwürdig, als […..]
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1758
Zu Anfang dieses Jahrs haben alhie gleich auch andrer Orten die Fleck-Fieber und Frieselfieber in der Stadt, auch einigen Orten aufm Kirspel starck grassiret, daran viel Menschen in den besten Jahren gestorben.
Den 16. Febr. an welchem Tage ich noch einige Krancke bedienet hatte, wurde ich unvermuthet des Abends mit einer hefftigen FrieselKranckheit überfallen, welches dergestalt zunahm, daß den 22ten dito mir fast alle Hoffnung längern Lebens verschwand und stelte mir anders nicht vor als daß mein Abschied vorhanden, an welchem Tage ich auch das heil. Abendmahl empfing, worauf ich den 23ten und folgende Tage biß zum 2ten Merz gleichsam an den Pforten des Todes lag, worauf sich die Besserung gantz langsam und unter allerley Zufällen wieder eingefunden, also daß ich unter Gottes Beystand den 16. Aprilis als am Sontag Jubilate meiner lieben Gemeine das Wort des Herren wieder vortragen konte, und zum Eingang die Worte des Evangelii nahm: Aber ich will euch wieder sehen.
[…]
Nachdehm inzwischen die Hannöverische Armee unter Commando des Printz Ferdinands von Braunschweig (eines Preuß. Generals) mit einigen Preußischen Regimentern unter dem Hertzog von Holstein verstärcket worden, ward im Febrnario u. Merz die gantze Frantzösiche Armee, so bisher der Hertzog von Richelieu, nunmehro Printz Clermont commandirte, aus dem Hannoverischen, Hessischen, Münsterischen und andren Westphälischen Landen dergestalt nach und nach zurückgetrieben, daß mit [Seite] 389 Anfang des Aprilis auch die Graffschafft Marck völlig gereiniget worden, in welcher Retirade [Rückzug] fast der völlige lincke Flügel der Frantzösischen Armee unter dem Hertzog von Broglio unsere Stadt Schwelm passirte.
[…]
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1759
Den 5. Jan. ist nach zustande gekommener Convention vor die Graffschafft Marck das Commando der Frantz. Volont. v. Clermont abmarchirt.
Im April und May hat ein Comet gestanden, welches der von 1682 seyn soll. Mann hat in den Frühstunden vor Sonnen Aufgang denselben observiren können.
[…]
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1760
Den 8. Jan. und folgends hat man einen CometStern von zimlicher Größe erblicket, ich habe denselben bemeldten Tag alsogleich observirt beym rechten Fuß des Orionos. Den 9ten Jan. stund er schon weiter, nemlich über den lincken Fuß des Orions voraus, er war anzusehen als eine kleine helle Wolcke, wurde aber immer dunckler, der Schweiff, welcher nach Osten gekehrt gewesen, hat mit bloßen Augen nicht wohl können gesehen werden. Dieser Comet ist in Paris, in Sachßen und Schweden etc. observirt worden, wie die Zeitungen gemeldet haben.
Den 20. Jan. als am 2ten Sontag nach drey Könige Abends zwischen 10 und 11 Uhr wurde alhier ein Erdbeben verspüret, welches so starck war, daß es fast jedermann empfunden u. die Leute aus dem Schlaff gewecket worden. Kurtz vorher hörte ich etliche mahl ein Getöse oder ein Brüllen, worauf der erste und stärckste Stoß erfolgte, welcher zimlich anhielt, daß meine Thüren und alle Fenster am Hauße sich bewegten und rasselten, daher wir aufstunden, worauf sogleich wieder ein mercklich Beben oder Zittern der Erde folgte, doch geschahe alhie Gott sey danck kein Schade, nachhero konte man noch einige mahl doch gar leise ein Zittern der Fenster vernehmen, womit es vorbey war, welchemnächst sich ein Wind erhub, da es zuvor stille war. Es ist solches Erdbeben auch in Cölln, Aachen, in Holland, in Lippstadt, in Paris p. gespüret worden. Es hat auch des Nachts circa 3 u. 4 Uhr wieder repetiret.
[….]
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Den 9. Febr. und folgends ist abermahl ein Comet erschienen, welcher im Gestirn des Löwens gestanden. Mit bloßen Augen hat sein Schweiff nicht allerwohl können beobachtet werden, durch den Tribum aber ist er recht helle geweßen.
Sonst ist dieser Winter ein sehr entsetzlich kalter und strenger langer Winter geweßen, indem schon im Nov. a.p. die strengste Kälte eingefallen, auch in folgl. Monathen doch mit Abwechselungen continuiret [angehalten]. Besonders ist den 12. u. 13. Jan. die Kälte grausam geweßen. Zu Magdeburg hat man observiret, daß diese Kälte
6 ½ Grad stärcker gewesen als 1740
5 ½ Grad stärcker als Ao. 1742
2 Grad stärcker als Ao. 1709.
Hingegen fehlte noch 3 Grad an der Kälte, so den 9. Febr. 1755 früh um halb 9 Uhr geweßen.
[…]
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Den 20. Jun. Vormittags üm 11 Uhr wurde währender FreytagsPredigt alhie auch wieder ein Erdbeben verspüret, daß unter andern in der Kirche sich die Cantzel-Leuchter p. davon beweget haben.
H.a. [ lat. Hoc anno= in diesem Jahre] ist Past. Pet. Casp. Hölterhoff zu Herschede Subdelegatus Classis Altenanae worden.
Eine ungemeine Brodtheurung ist in diesem 1760ten Jahre entstanden, und dHerr hat auch mit dieser Ruthe das sündig Land hart heimgesucht. Ob zwarn durch die besondre Vorsorge des HE. Hogräfen Steinweg ein gut Theil Getreides auf Permission [Erlaubnis, Zulassung] der Frantzoßen aus dem Bergischen uns frey ausgelaßen worden, so hat doch ein Brod 18 biß 19 Stbr gekostet, an andern Orten aber ist der Preiß noch weit höher gestiegen.
Es sind auch die übrigen Lebens Mittel und alle Sachen im Preise so hoch gestiegen, daß sie ein biß zwey mal so viel gekostet als sonsten. Woraus leicht zu schließen ist, wie es dabey mit manchem abgegangen sey.
[...]
Den 16. Julii Morgens 2 Uhr wurden drey Stösse eines Erdbebens gespüret, so mit einem Getöse oder Brüllen verknüpfet waren. Mann hat hie zu Lande dergl. fast überall verspüret.
Seite 402
[...]
Als im Oct. der König mit seiner Macht in Schlesien stund und den Gen. Daun nicht zum Treffen bringen konnte, haben die Rußen unter dem Gen. Totleben und Czernichen nebst dem Österl. General Lasci sich der Residentz Stadt Berlin bemächtiget, woselbst sie den 9ten eingezogen, eine erstaunliche Brandschatzung erhoben, vieles verdorben u. verheeret, auch die Gegend üm Berlin fast zur Wüste gemacht, ja es so barbarisch, unmenschlich u. viehisch betrieben, daß mann die Beschreibungen nicht ohne Thränen u. Rührung lesen können.
[Seite] 403 In einer herausgegebenen umständl. Beschreibung von den Grausamkeiten u. Verheerungen, so durch die Rußen u. Öster. im Oct. in und üm Berlin vorgenommen worden, wird nebst viel andern Excessen erzehlet, daß ohngeachtet die Stadt Berlin vermöge geschloßener Capitulation und da sie 1 ½ Million Rthlr Brandschatzung und 200 Tausend Rthlr Douceurgelder bezahlen müßen, von aller Plünderung frey seyn sollen, dennoch die Feinde darinnen barbarisch gehauset, auf Discretion gelebet, also daß nicht leicht ein Einwohner in Berlin, den es nicht einige Hundert, ja Tausend Rthlr gekostet, überdem sind 282 Bürgerhäuser geplündert, Geld, goldene u. silberne Uhren u. dgl. erpreßet, viel Persohnen in den Häusern u. auf den Gaßen mit Schlägen u. Hieben grausam mißhandelt, theils getödtet. Der Königl. Marstall ohngeachtet der gegebenen Sauvegarden geplündert, alle Königl. Staatswagen zerschlagen, in der Jerusalems-Kirche haben die Österreicher die Sacristey, den Armenkasten u. einige Gräber erbrochen u. beraubet p.
Auf dem Platten Lande aber sind die Verwüstungen unaussprechlich. Es haben die Feinde überall Denckmahle ihrer Wuth u. Unmenschlichkeit aufgestellet. Das Schloß Charlottenburg ist gäntzl. zerstöhrt, aller Kostbarkeit beraubet, u. sind nur die Mauren davon stehen blieben, die Stadt dieses Nahmens, ohngeachtet [das] sie die Plünderung abgekaufft, ist gantz ausgeleeret, den Leuten alles biß aufs Hemde genommen, u. was nicht geraubet, ist zerschlagen worden, mann hat die Leute gekantschuhet, häßlich zerschlagen, gestochen, zwey ManßPersohnen üms Leben gebracht u. das weibliche Geschlecht ohne Unterschied des Alters geschändet.
Das Lustschloß der Königin Schönhausen ist gantz verwüstet, Tapeten, Vorhänge, Stuhldecken u. dgl. weggerraubet, der Castellan [Schloßverwalter] u. seine Frau nackend ausgezogen, beyderseits mit Kandtschuhen, Ladestöcken und Ruthen geschlagen, mit glüenden Zangen gekniffen, u. ihnen solche über den Rücken gezogen, ein Schloßbedienter ward über ein Feuer gehalten, der Knecht des Predigers zu Tode gehauen, die FrauensPersohnen auf eine unmenschliche Art geschändet, alles Vieh weggetrieben u. alle Scheunen ausgeleeret. Das Margräfl. Lustschloß Friederichsfelde ist gleichfals hart mitgenommen, auch alle Landstädte, besonders in Franckfurt an der Oder, über 200 Tausend Rthlr Schaden geschehen. Köpenick, Fürstenwalde, Beeskow, Alten-Landsberg, Aransberg, Oranienburg, Liebenwalde und viel andre sind gebrandschatzet u. dennoch hernach geplündert.
[Seite] 404 Das platte Land ist aufs jämmerlichste zugerichtet, alle Dorfschafften ausgeplündert, dem Landmann alles Vieh, Korn, Betten u. Meublen entwandt oder verdorben. Das Korn, so nicht verbraucht worden können, in den Koth gestreuet, alle Pferde, Kühe, Ochßen und Schaffe weggeschleppet, davon mann mehr denn Hundert Tausend Stück durch Franckfurt treiben sehen, viel Dörfer sind in Brand gesteckt, überhaupt aber ist kein Ort vom Feinde berühret worden, wo nicht die Einwohner auf das jämmerlichste mit Schlägen, Wunden u. allerley Marter mißhandelt u. wo nicht, sonderlich an dem weiblichen Geschlecht ohne Unterscheid des Alters u. Standes und im Angesicht der Väter und Ehemänner, die greulichsten Schandthaten u. Grausamkeiten verübet worden. Ja um das Maaß der Unmenschlichkeit u. Greuel recht voll zu machen, sind selbst die Grüfften der Todten, vor welchen auch die wildesten Völcker eine Art von Ehrerbietung behalten, von ihnen entheiliget u. unter andern zu Wilmersdorff, einem Adlich Schwerinischen Guthe, als das Corps des Österr. Gen[erals] von Lasci auf seinem Rückzug von den Berlinischen Gegenden solches betretten, nicht nur das dasige Adliche Erbbegräbnüs mit Gewalt erbrochen, die Särge des schon vor zwölf Jahren verstorbenen Oberstallmeisters, seiner Ehegenoßin u. Kindeskinder eröffnet, sondern auch die todt Cörper ihrer Sterbekleider beraubet, u. auf der Erden herümgeworffen worden, eine Wuth, welche den Feinden Preussens bey der spätesten Nachwelt zur ewigen Schande gereichen muß etc.
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Wie nun der König der Residentz zu Hülffe geeilet, haben sich die Feinde schleunigst retirirt [zurückgezogen].
*
Den 3. Nov. schlug der König den Österr. Gen[eral] Daun aus dem bevestigten Lager vor Torgau heraus, zog den folgenden Morgen in Torgau ein, nachdem sich der Feind Nachts über die Elbe gezogen und die Folgen dieser Schlacht, in welcher bey 7 biß 8 Tausend Gefangene gemacht wurden, waren diese, daß fast gantz Sachsen wieder biß auf Dresden unter die Preuß. Waffen gerieth, auch die Russen, die in der Marck [Brandenburg] und Pommern die Winterquartiere nehmen wolten, sich zurück nach Pohlen ziehen musten, worauf der König in Leipzig sein Hauptquartier genommen u. den Winter über da geblieben.
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Wegen dieses Sieges ward alhie auf hohen Befehl d. 23. Nov. Dom. 25. p. Trinit. das Dankfest gehalten.
*
In diesem Jahr ist auch in der Grafschafft Marck zu Bestreitung der Krieges Unkosten u. schweren Auflagen der Frantzoßen eine Kopfsteuer ausgeschlagen, was alle Monathe zu zahlen sey. Da denn ich als Prediger Monathl. zu 1 Rthlr angesetzet worden, und solche Kopfsteuer zahlen müßen.
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Magdeburg den 3. Jan.
Ein in diesen Tagen aus der Neumarck, und zwar aus der Stadt Drossen eingegangenes Schreiben vom 22. Dec. a.p. erwehnet unter andern des dasigen Elendes u. großen Mangels, u. unter andern Exempeln auch folgenden Christlicher Behertzigung würdigen Vorfalls:
„Es ist heute eben 8 Tage, da ich in unser Zieleutziger Vorstadt eine Leichen-Rede zu halten hatte, u. bey dieser Gelegenheit einige Krancken besuchen u. ihnen ein Wort des Trostes zusprechen wolte. Und was meinen Sie? Ich kam unter andern in ein Hauß, wo ich Mann, Frau und 5 Kinder in einer ungeheitzten Stube auf einem geringen Strohlager ohne die geringste Bedeckung von Betten, durch Hunger ermattet und von Kälte erstarret, liegend fand. Alle waren wie halb todt, u. keiner konte sich vor Mattigkeit aufrichten oder mir gehörigen Bescheid geben. Als ich nun hinschickte u. etwas Brod herbeihohlen ließ, so fing sonderlich eins von den Kindern, ein Knabe von 12 Jahren, mit vielem Appetit an zu eßen, indehm ich ihm aber zusahe, verwandelte er sich, sanck vor meinen Augen auf sein Lager nieder u. starb plötzlich. Ich dachte mein Hertz solte mir bey diesem Anblick zerspringen, ließ ihn des andern Tages beerdigen u. hielt ihm dieser Erfahrung wegen unter vielen Thränen eine LeichenRede. Was meinen Sie von der Noth darin wir schweben?Wer stellt sich das an auswärtigen Orten vor? Etc.etc.
[...]
Seite 406
[...]
Zu Meinerzhagen ist den 19. Jan. die Kirche zum Magazin [großes Lagerhaus, Aufbewahrungsort für Massen von Waren oder Vorräten] gemacht worden, also daß einige Zeit nicht darinnen hat können gepredigt werden.
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1761
Magdeburg den 14. Merz.
Unsere Wolthätige Stadt sammlet noch immer für die durch den Krieg verunglückte Gegenden, der Arme bringet sein Scherflein noch immer so fleißig als gantze Collegia, gantze Dörffer und Städte sich zusammenthun u. ihre ansehnliche Beyträge unsern Händen anvertrauen. Wie könnte die Mühe dieses Geschäfftes uns beschwerlich fallen, wenn wir dergleichen Nachrichten in Menge erhalten, deren wir hier nur eine anführen aus einem Briefe des würdigen HE. General Superintendenten Rothens in Stettin, er schreibt unterm 12. Febr.:
"Vor zwölf Tagen bekam ich eine unvermuthete Gelegenheit nach Konnikow, einem Dorfe bey Cöslin, mit derselben schickte ich dem dasigen Prediger Wustenbarth 15 Thaler, denn ich wuste, daß dieser arme Mann viermahl geplündert, im Dec. des vorigen Jahrs auf blossem Leibe gegeisselt u. durch Spiessenstiche jämmerlich verwundet worden, so daß er seitdem bettlägrig seyn müßen. Eben wie die 15 Thaler hingekommen, ist er vor ein paar Stunden [ein paar Stunden vorher] auf seinem harten Jammer Lager in dem Herrn entschlaffen, mit Hinterlaßung seiner Wittwe und Kinder, ohne Brod für die Lebenden und ohne Geld zum Sarge für den Verstorbenen. Kein Einwohner des verwüsteten Dorfs ist im Stande, ihr mit dem einen oder andern zu helffen. Indehm nun der Überbringer die 15 Thaler auszahlet, spricht eins von den unmündigen Kindern: Liebe Mutter, haben wirs ihr nicht gleich jetz gesagt, Gott würde uns Geld vom Himmel schicken, ehe er den Papa ohne Sarg und uns ohne Brodt laßen solte.“
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Die Theuerung aller Lebens Mittel und überhaupt aller Sachen hat bey dem Kriege beständig continuiret und ist zum Theil noch immer gestiegen.
[...]
Den 8. April Mitwochs nach Mis. Dom. [Sonntag Misericordias Domini=2. Sonntag nach Ostern] ist der 2te Prediger zu Meinerzhagen HE. Jo. Wilhelm Dümpelmann am Fleckfieber entschlaffen.
Nachdehm hierauf im Majo [Mai] durch einmütigen Beruf der StadtPrediger Hesmar zu Lüdenscheid wieder an seine statt erwehlet, so ist derselbe angefolget u. hat Dom. 6. p. Trin. [6. Sonntag nach Trinitatis] als den 28. Junii seine AnzugsPredigt daselbst gehalten.
Den 28. Jun.
In Lüdenscheid sind die Kirche und Cappelle zu Magazinen [großes Lagerhaus, Aufbewahrungsort für Massen von Waren oder Vorräten] gemacht worden.
Die große Frantzösische Armee ist über Essen, Bochum, Lutgendortmund, Dortmund, Brackel, Unna u. der Orten mitten durch den Hellweg passirt, wo die schönsten Früchte abfouragiret [fourangieren=Futter oder Lebensmittel mit Gewalt zusammentreiben] u. verdorben worden, daß noch eine grössere Theurung des Brodts künfftig zu befahren stehet. Die Armee ist über 70.000 Mann starck. Bey Unna hat sie etliche Tage still gelegen, daher dasige Felder und Gegenden am Meisten gelitten, besonders da sich auch die Alliirte Armee unter dem Printz Ferdinand in die Gegend gezogen. Alle Tage sind hefftige Scharmützel vorgefallen. Das Dorf Frömmern u. Kersettiren ist leyder gantz abgebrandt worden. Printz Ferdinand hat zu Lüneren im Pastorath Hause logiret.
[...]
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1762
[...]
Nachdem die Frantzösische Armee am NiederRhein unter dem Printz von Conde sich an der Lippe und im Münsterschen herumgezogen, hat selbe Befehl erhalten, nach der großen Frantz. Armee unter den beyden Marchällen d'Etrees u. Soubize, so bey Cassel ins Gedränge kommen, längst den Rhein auf Franckfurth zu marchiren, u. ist der March von Bochum aus über Wülfrad, Solingen, Mülheim u. s.f. [ge]gangen, dabey Schwelm glücklich ist verschonet [ge]blieben, ein Corps aber unter dem Gen. Lieut. Levi ist aus dem Hellwege kommend über Hagen, Breckerfeld, Lüdenscheid u. Meinerzhagen nach Siegen marchirt, welche Örter starck mit Fouragierungen der Früchte sind mitgenommen worden, dis ist in der Letzte des Julii geschehen.
[…]
Aus der Grafschafft Marck sind etliche 80 Geißeln nach Düsseldorff geführt, unter welchen von Schwelm dHE. Receptor nebst B[ür]g[er]m[ei]st[e]r. HE. Schone u. RathsHE. Weyershaus mitgenommen worden. Sie sind aber bald wieder loß kommen, weilen die Landstände mit den Frantzosen wegen der Contribution eine Einswerdung traffen, und in Düsseldorff eine Submission [Unterwerfung, Untertänigkeit] unterschrieben, krafft welcher die Grafschafft Marck vor dis Jahr 1.300.000 Livres [Franz. Währung bis 1795. Ein Tagelöhner verdiente damals am Tag eine Livre.] zahlen muß.
Diesen Sommer ist der Preiß des lieben Brods, welcher seit 2 gantzer Jahren ungemein hoch gewesen, so daß ein Brod zu 20, 21 bis 22 Stbr alt Geld hat müßen bezahlt werden, ein wenig gefallen, so daß mann im Aug. u. Sept. wieder vor 15 Stbr ein Brodt kauffen können, im Nov. wieder vor 14, 13 bis 12 ½ Stbr.
Seite 416
[…]
Den 3. Nov. [ist] zu Fontainebleau der Friede zwischen Engelland und Portugall an einer, wie auch Frankreich u. Spanien an der andern Seite geschloßen worden, krafft deßen die Frantzosen Wesel, Geldern und sämtl. Preußische Örter räumen müssen. So ist zu gröster Freude aller Unterthanen der Feind sofort abmarchirt, u. den hiesigen Clev.-Märckischen Landen nach Trübsal u. Weinen wieder die Freudensonne auf[ge]gangen. Die Festungen sind aber noch biß folgende Jahr besetzt blieben, und nicht ehe geräumet, biß nach dem Frieden zu Hubertsburg nemlich Wesel den 11. Martii 1763 u. Geldern den 12. dito, nachdem sie 6 Jahr in Feindes Händen geweßen.
Den 29. Oct. [1762] schlug der Printz Henrich, des Königs Bruder, die vereinigte Österreichische und ReichsArmee bey Freyberg in Sachsen, weshalb auf Hohen Befehl am 24. Sontag nach Trinit. als den 21. Nov. das SiegesFest alhie celebriret [gefeiert] worden.
Den 9. Oct. wurde Schweidniz nach einer neun wöchigen Belagerung von den Preußen wieder erobert und die Besatzung zu Kriegesgefangenen gemacht.
Diejenige Contlansische Trouppen, so nach geschlossenem Frieden zwischen Engeland u. Franckreich von oben herunter kamen und sich zum Theil in etliche Baurschafften alhie verleget, sind nach kurtzem Aufenthalt d. 4. Dec. alle abmarchirt.
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Seite 419
1763re DVCIt paCIs oLIVaM.
Dis ist endlich das Merckwürdige Jahr, da es dem Allerhöchsten Gott gefallen, dem bisherigen hefftigen Krieg zwischen Preußen u. Österreich ein Ende zu machen und durch den erwünschten Friedenschluß viel Tausend Menschen in Freude zu setzen.
Den 15. Febr. Dinstags nach Quinquag. ward zu Hubertsburg, einem Sächsischen Schloß, der Friede zwischen Preußen u. Österreich, desgl. zwischen Preußen u. Sachsen glücklich zu Stande gebracht, in welchem das Teutsche Reich mit eingeschlossen ward.
Vermöge dieses Friedens hielt ein jeder, was er vor dem Krieg beseßen hatte, u. muste also die Grafschafft Glaz an Preußen restituiret [wieder- oder zurück gegeben]werden.
Den 13. Martii
Dom. Laetare ist in hiesigen Landen ein fröliches Laetare gefeyret worden, nemlich das längsterwünschte Friedens-Fest, wornach wir so offt geseuffzet.
Damal habe ich die Friedens Predigt Vormittags über den vorgeschriebenen Text Ps. 35, 27.28 gehalten: Rühmen und freuen müßen sich die mir gönnen, daß ich recht behalte u. immer sagen: dHE. müße hochgelobet seyn, der seinem Knechte woll will p.p.
Die Feyerlichkeiten in der Stadt haben damal die gantze Woche gedauret.
Vieg. Aneid XI.356
O aeterne pater reparato pIgnore grato
hanC paCeM popVLIs aeterno foeDere Ivnge.
Seite 447
1784
Todt meines Vaters
Mein theurer Vater, der dieses Buch angefangen und bis 1782 eigenhändig in dasselbe geschrieben, wurde im Frühling dieses Jahrs sehr krank und weil er glaubte, sein LebensEnde sey sehr nahe, so muste ich mit meiner Schwester mit extra Post nach Schwelm reisen. Unterdessen, als wir dort ankamen, fanden wir zu unsrer grösten Freude unsern lieben Vater etwas beßer und diese Beßerung nahm auch immer mehr zu, so daß er bey meiner Abreise ziemlich wohl und munter war. Wärend meines Aufenthalts in Schwelm von Dom. Cantate bis Dom. 1. p. Trinit. verrichtete ich die Amtsgeschäfte meines Vaters. Auch kamen mein Schwager und Schwester von Remagen meinen Vater noch einmahl zu besuchen. Als ich von Schwelm abreisen wolte, rief mich mein Vater allein und sprach: „Lieber Sohn! Ein plötzlicher Zufall kan mich leicht wegnehmen und vielleicht sehe ich dich iezt zum leztenmahl. Lebe wohl, Gott segne dich“ und mit Thränen schied ich von ihm.
Anfangs, als ich wieder in Lippstadt allein war (denn meine Schwester muste nun in Schwelm bleiben), empfing ich ziemlich gute Nachrichten; allein den 12ten August schrieb mir meine Schwester „mein Vater sey viel schlimmer geworden, wenig Beßerung zur Wiedergenesung wäre da und er frage immer nach mir, ich solle doch schnell nach Schwelm kommen“. Ich zerfloß fast in Thränen beym Empfang dieses Briefes und da eben der Postwagen abgehen wolte, so machte ich mich in aller Eile reisefertig und fuhr mit dem Postwagen Abends um 11 Uhr ab. Als wir des folgenden Tages Freitags den 13ten August nahe bey Schwerte kamen, begegnete uns Herr Vetter Harhaus von Rittershausen, der mir sagte, daß mein Vatter ohne Hoffnung liege. Mit schwerem Herzen reisete ich weiter und als Sonabends den 14ten August der Wagen am Brunnen still hielt, hörte ich eine Stimmen, die mir zurief: „Ich condolire zum Absterben ihres Herrn Vaters“. Dies war für mich ein Donnerwort, aber der junge Wever sagte dis, weil er glaubte, ich wisse diese traurigen Nachricht schon.
Seite 457
1793
In diesem Jahr wurden der König und die Königin von Frankreich und viele Tausend Menschen enthauptet.
Im Jul. wurde Mainz erobert und den Franzosen entrissen. Übrigens wurde in diesem Jahre der Krieg mit abwechselndem Glück geführt.
[...]
Im August dieses Jahrs machte ich eine Reise nach Cassel.
1794
Den 15ten Mai wurde uns ein Sohn gebohren. Den 18ten Mai als Dom. Cantate empfing er in der Tauffe den Namen Wilhelm.
Die Taufzeugen waren:
dHE. Kaufmann Gerhardt Quink – unser Vetter
dHE. Bruder Johan Diedrich Hessmer
Frau Sophia Schütte gebohrne Berghaus in Bochum, unsere Tante
Jfr. Schwester Sophia Hessmer.
Gott lasse diesen Knaben zu seiner Ehre aufwachsen, weise, from und tugendhaft werden, und mache ihn dereinst zum nützlichen Mitglied der menschlichen Geselschaft. Der Herr erhalte unsre beyden Kinder, gebe mir und meiner frommen Gattin Freude an denselben und schenke uns das Glück, sie hier groß zu erziehen und sie mit vor Gottes Thron im Ewigen [?] Leben wieder zu finden.
Herr, dein Wille geschehe!
Seite 459
1795
Im Anfang dieses Jahrs eroberten die Franzosen ganz Holland. Den 18ten zogen sie in Amsterdam ein.
45.000 Preussen rükten im März in die Grafschafft Mark und umliegenden Gegenden ein, wodurch nicht allein die Theurung in unsren Gegenden zum Erstaunen gros und der Mangel drükkend wurde; besonders, da auch hier in Iserlohn Handlung und Fabriken liegen; sondern wodurch wir auch in Gefahr kommen, daß in unsern Gegenden der Schauplaz des Krieges in diesem Jahr seyn wird. Gott stehe uns bey und schenke uns doch bald den lieben Frieden.
*
Den 5ten April als am ersten H. Ostertage ist der Friede zwischen Preussen und Frankreich zu Basel in der Schweiz geschlossen. Von preussischer Seite war der Minister v. Hardenberg und von französischer der Bürger Barthelemi bevolmächtigt. In demselben Monath wurde sowohl vom König in Preussen als auch vom National Convent in Paris der Friede ratificirt [genehmigt, bestätigt].
Gott sey gelobt, daß dieser blutige Krieg in soweit zu Ende, Gott gebe den andern Nationen auch einen baldigen Frieden.
[...]
Den 31ten Maj wurde alhier das Friedensfest gefeiert und in der folgenden Woche fielen allerley Feierlichkeiten und Lustbarkeiten vor.
In der Nacht vom 5ten auf den 6ten September zogen die Franzosen über den Rhein und nahmen das Bergische ein, da denn die Östereicher sich zurück ziehen musten.
Seite 462
1797
Den 20ten Jul. ist Meinertzagen mit der Kirche so abgebrandt, daß nur 34 Häuser sind stehen geblieben, und die meisten Einwohner haben nichts mehr als das Leben gerettet.
Im November starb Friedrich Wilhelm II König v. Preussen.
Den 24ten December Dom. 4. Adv. habe ich hier in Iserlohn die Leichenpredigt gehalten über den vorgeschriebenen Text Röm. 13,7. Ehre dem Ehre gebühret.
Propp. Nur dem Tugendhaften gebühret wahre Ehre.
1799
Den 22ten Januar starb mein lieber Bruder Johan Adam Sohn, Pastor in Emmerich, nachdem er 9 Monathe an einem hefftigen Geschwulst viele Leiden und Schmerzen erduldet. Er ist 22 Jahr im Amt gewesen, 18 Jahr im Ehestand, 45 Jahr und 8 Monathe alt und hinterläßt 4 Kinder.
[...]
1800
[...]
Im Jahr 1800 war:
- im Winter eine hefftige Kälte
- im Sommer eine erstaunliche fast unverträgliche Hitze
- den 9ten November war ein so hefftiger Orcan, das kein Mensch sich eines solchen Windes erinnern kan, wodurch sehr viel Schaden entstanden.
Seite 464
1805
[...]
Im Herbst brach der Krieg aus zwischen Franckreich und Östereich, welches von Rußland unterstützt worden. Die Franzosen siegten über die Östereicher, nahmen den General Mack, viele Officire und eine Menge Soldaten gefangen. Die Franzosen drängen bis tief ins Östereichische, eroberten Wien und in Mähren wurde die Russisch-Östereichische Armeen von den Franzosen total geschlagen. Es wurde Friede.
1806
Cleve und Berge ist an Frankreich abgetreten und der Kaiser der Franzosen, Napoleon hat diese Länder seinem Schwager, dem General Mürat geschenkt, dieser heißt Joachim I. Großherzog im Berge.
*
Preussen erklärte an Franckreich den Krieg. Von beyden Seiten rückten eine Menge Truppen gegeneinander. Prinz Louis, Ferdinands Sohn, blieb im Treffen. Die Franzosen siegten über die Preussen und schlugen sie total bey Auerstädt und Jena, desgleichen die Arriergarde [Nachtrab, Nachhut des Heeres] bey Halle. Alle Soldaten musten auf Befehl des Kaisers Napoleon Halle verlassen. Die Franzosen rückten immer weiter, drangen bis auf Berlin und Potsdam. Die Festungen Magdeburg, Spandau, Stettin und Kustrin fielen in Französische Hände. Die Franzosen eroberten auch das Hannöversche, Braunschweigische und Hessische, desgleichen Bremen, Lübeck und Hamburg. Sie drangen in Pohlen, eroberten Warschau, Königsberg und Dantzig.
Seite 465
Verzeichnüs der Evang.-Lutherischen
General Inspectoren in der Grafschafft Marck
- Thomas Davidis ist 1640 als erster Ev. Luth. GeneralInspector von Churfl. Durchl. zu Brandenburg angeordnet. Er starb 1689 u. da wurde erwehlt
- M. Johann Bernhard Mentz, Pastor zu Lütgen-Dortmund. Stirbt 1703 (15. Martii oder 18. Jul.)
- Henrich Wilhelm Emminghaus Past. zu Hagen, stirbt 1720 d. 23 Dec.
- Thomas Balthasar Davidis, StadtPrediger zu Unna. Wie aber zu dieses Zeiten von Cleve befohlen wurde, daß das Inspectorat alle 3 Jahr abwechseln solte, so gieng er ab 1724 d. 12. Jul.
- Jacob Glaser, Pastor zu Schwerte von 1724 biß 1727
- M. Joh. Karthaus Past. zu Schwelm von 1727-1730
- Henr. Wilh. Drude Past. zu Hagen von 1730-1733
- Jo. Frid. Glaser Past. zu Halver von 1733-1736
- Diderich Jo. Eminghaus P. zu Schwerte von 1736-1739
- Jo. Christoph Sohn P. zu Meinerzhagen von 1739 biß 1740. 19.Jan. da er im HE. entschlief u. der vorige Insp. Eminghaus das Inspectorium biß zur Synode vertrat.
- Joachim Henr. Möllenhoff P. zu Unna von 1740-1743
- Jo. David Erich Past. zu Aplerbeck von 1743-1746
- Ernst Henrich Bordelius P. zu Bochum 1746-1749
- Jo. Diderich von Steinen P. zu Frömern 1749. wie dieser starb 17.. ward im Kriege d'antecessor [der Vorgänger] Ernst Henr. Bordelius zum zweytenmal
- Joh. Did. Franz Ernst von Steinen P. zu Frömern von 1766 bis 1797, da er d. 26ten Maj starb.
- Jo. Friedrich Dahlenkamp Pastor in Hagen von 1797 bis 1800.
Seite 467
1807
[...] *
Nachdem die Russen und Preussen nochmahlen geschlagen, kam endlich ein Waffenstilstand zu stande. In Tilsit waren die Kaiser von Rußland und Franckreich und der König von Preussen beysammen. Daselbst wurde den 7ten Julius der Friede zwischen Rusland und Franckreich, und den 9ten Julius der Friede zwischen Franckreich und Preussen geschlossen. Der König von Preussen, welcher seine Länder in Pohlen, desgleichen alle seine Länder dießeits der Elbe, desgleichen verlohren auch die Fürsten von Hessen-Cassel und Braunschweig und Oranien ihre Länder. Die preussischen Länder in Pohlen bekam gröstentheils der nunmehrige König von Sachsen, und einen District bekam Russland. Die Länder dißeits der Elbe, bis ohngefähr an die Lippe bekam der Bruder des Französischen Kaisers, Hieronnimus und dem Titel: „König von Westphalen“ und residirt in Cassel.
Wir wurden Unterthanen des Grosherzogs von Berge Joachim.
Seite 468
1808
Da der Grosherzog von Berg Joachim König von Neapel wurde, so kamen wir unter die Herrschaft des Kaisers Napoleon und musten ihm den 4ten August Gehorsam und den Eid der Treue schwören. Jederman sey unterthan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat.
[...]
Seite 472
1813
[...]
Die Franzosen waren im vorigen Jahr bis Moscau vorgedrungen; aber als die Russen diese Stadt anzündeten und abbrannten, zugleich eine strenge Kälte eintrat, kamen die meisten Franzosen um und ihre Alliirten fielen von ihnen ab. Es vereinigten sich Rusland, Östreich, Preussen und Schweden im Norden und England, Portugal und Spanien im Süden. Die vereinigten Heere siegten über die Franzosen u. Napoleon floh mit seinem Heere über den Rhein und die vereinigten Heere eilten mit schnellen Zügen nach dem Rhein. Den 14. November kamen hierdurch: Preussische Husaren und 500 Kosaken.
1814
Die Alliirten siegeten ferner über die Franzosen, den 31ten März hielten sie ihren Einzug in Paris. Es wurde Friede, Napoleon wurde abgesetzt, und auf die Insel Elba verwiesen. Der Bruder des hingerrichteten Königs von Franckreich bestieg den französischen Thron, als Ludwig der 18te. Im Preussischen wurde nebst dem stehenden Heere eine Landwehr und ein Landsturm organisirt.
Am Ostermontag wurde der Einzug in Paris gefeiert, ich hielt die Predigt, die Kirche war gedrängt voll. Auch waren auf ihrem Durchmarsch viele Russen und Mohamedaner und ein russischer Geistlicher in der Kirche.
1815
Mit dem neuen Jahr bekamen wir die Kirchenbücher wieder, welche wir am Ende des Jahres 1809 abgeben mußten, indem unter der französischen Herrschaft die Maire Copulirte, auch Geborne und Gestorbene auf dem Rathhause eingeschrieben wurden.
Bonaparte entfloh von der Insel Elba, es entstand ein heftiger Krieg, aber es wurde gottlob bald Friede, und der böse Napoleon Bonaparte nach der entferneten Insel Helena als ein Gefangener gebracht, wo er auch gestorben ist.
Seite 267
Revolution in Iserlohn im Jahre 1849
Es war am 10. Mai des Jahres 1849, als sich die Landwehr hierselbst versammeln sollte, um eingekleidet zu werden, und weil das Ministerium Brandenburg Manteufel nicht abdanken wollte, so beschlossen die hiesigen Demokraten respective komunistischen Proletarier sowie diejenigen von Hagen u. Limburg, den König von Preußen in den Accusativ [Accusatus=der Angeklagte; hier: in Anklage] zu setzen u. zu zwingen, obiges Ministerium zu entlassen.
Schon den Tag vorher zogen verschiedene Volkshaufen mit Fahnen durch die Stadt, theilweise mit Säbuls bewaffnet und hieß es allgemein, die Landwehr solle sich nicht einkleiden lassen, sondern das Zeughaus gestürmt werden. Die Landwehr Officiere und Unterofficire waren bereits angekommen und am Donnerstag Morgen sämtlich im Zeughaus versammelt.
Der Major von Bernstadt, obgleich von obigen Gerüchten unterrichtet, hatte sich Tages vorher mit seinem Adjudanten nach Hagen begeben, wie es hieß, um die Landwehrleute dort schon zu bearbeiten, und einem alten abgelebten Manne, dem Major Bahrdt, das Kommando in seiner Abwesenheit übertragen. Den Donnerstag Morgen versammelte sich auf dem untersten Kirchhofe vor dem Zeughause eine Masse Volks aller Art, welche sich auf dasVerwegenste gebährdete, und als nun gar die Landwehrzüge von Hagen, Schwelm, Limburg etc. ankamen, wurde der Spektakel immer toller.
Da das Volk vermuthete, daß Militair kommen würde, [Seite] 268 so wurde schon an entscheidenen Thoren Barikaden gebaut – der Lärm in der Straße u. auf dem Kirchhofe war gräulich, unaufhörliches Rufen u. Geschrei inclausiv wurde sogar geschossen – auf einmal schrie ein Kerl durch die Straßen: „Das Militair sei angekommen und habe schon einen Bürger erschossen“ und nun lief alles mit dem Geschrei „Zu den Waffen! Zu den Waffen!“ dem Zeughause zu.
Wirklich war ein Detaschement [Abteilung] von 100 Mann Infanterie vor dem Wenmingsen Thor angekommen, da sich aber das Volk schrecklich anstellte und fürchterliche Drohungen und Verwünschungen ausstieß, so entfiel den Behörden u. Officieren der Muth und so wurden diese 100 Mann beordert ja nicht in die Stadt zu kommen, sondern zurück zu marschieren. Das Volk bewaffnete sich nun theilweise mit den Gewehren, welche noch von der Bürgerwehr her in ihren Händen waren, und drängte gegen das Zeughaus unter beständigen Flüchen und empörenden Schimpfen u. Lärmen, so daß endlich von den Herren Officiren beschlosssen wurde, daß man um Blutvergießen zu vermeiden u. um ungefährdet nach Hus. gehen zu können, lieber das Zeughaus dem Volke übergeben wolle, was auch geschah. Worauf sich sämtliche Officier und Unterofficire entfernten und das Haus mit allen Waffen u. Kleidungsstücken der Willkühr des Volks überließen und so wurde es dann förmlich geplündert und nicht nur alle Waffen, sondern auch sogar Bekleidungs-Gegenstände geraubt. Das dauerte fast den ganzen Tag und viele der auswärtigen Landwehrleute zogen fröhlich wieder nach Hause, in dem Wahn, sie würden nun nicht zu dienen brauchen. Da es nicht abzusehen war, was aus diesem Zustande werden würde, so entfernten sich mehrere Beamten u. Reiche aus der Stadt und begaben sich in nahegelegene Oerter, denn jeder glaubte, es würde jetzt über sie hergehen, [Seite] 269 da sich aber Frau Maehler zu nichts entschließen, auch Neuhaus nicht aus der Stadt durfte, indem er als Apotheker seine Apotheke nicht verlassen konnte, so blieb ich denn auch in der Stadt.
Am andern Morgen gieng dann der Lärm wieder von neuem los, das Volk versammelte sich nun mit den geplünderten Gewehren, es wurde getrommelt, hin u. hermarschiert, mitunter auch geschossen. Alle Läden und Komptoire [Schreib- und Geschäftszimmer der Kaufleute, Handlungshaus] waren geschlossen, und jeder war in banger Erwartung der Dinge, die da kommen würden.
Gegen Mittag trafen Zuzüge von Menden, Hagen und Limburg ein, welche einquartirt wurden.
Ein Committé wurde gebildet:
RechtsAnwalt Schuchart Reichs Regent
Schuster Weller Minister des Inneren
Kapist Schomburg Kriegsminister
außerdem noch Schlieper u. Vollmer von hier, Butz, Post u. Riepe von Hagen, de Bering von Menden …
Alex Löbbecke wurde zum Befehlshaber der bewaffneten Macht ernannt und mußte es annehmen, auch Lud. Schmöle führte einen Insurgentenhaufen [Insurgenten=Bezeichnung für die Anführer und Aufrührer eines bewaffneten Aufstandes oder Aufruhres gegen eine bestehende zivile oder politsche Autorität], machte sich aber später aus dem Staube, da ihm die Sache zu krittisch wurde. Alex Löbbecke that aber alles mögliche, um die Ordnung aufrecht zu erhalten u. plündern zu verhüten.
Demokraten als Peters, de Bödecker, Assesor Mackhoff u. mehrere andere hatten sich von hier fortgemacht, da sie ihren eigenen Banden nicht trauten.
Die Hagener u. Limburger führte Riepe an. Die Polizei Officianten, Gendarmen sowie auch die Mannenschaften[?] liessen sich nicht mehr sehen, weil sie ihres Lebens nicht sicher gewesen wären – das Rathaus wurde gestürmt, geplündert und der Bürgermeister außer Function gesetzt, alle Postwagen zu Barrikaden verwandt, der Postverkehr gehemmt, so daß keine Post mehr [Seite] 270 abgehen noch ankommen konnten, so wie überhaupt kein Fuhrwerk mehr aus der Stadt noch in dieselbe konnte, da alle möglichen Eingänge verbarikadirt waren.
Eine Deputation, bestehend aus Schuchart + Vollmer, wurde nach Münster geschickt, um dem kommandirenden General von der Groeben das Geschehene anzuzeigen und zu verlangen, daß das Ministerium Brandenburg Mannteufel abtreten müsse, denn 30.000 Mann wären in Iserlohn bis an die Zähne bewaffnet (es waren höchstens 3.0000 schlecht bewaffnete ohne Disciplin u. Mannzucht, wovon der größte Theil nicht einmal mit dem Gewehr umzugehen wußte). - Allein die Antwort des Generals lautete: „Innerhalb 48 Stunden müßten alle Waffen wieder abgeliefert seyn, widrigenfalls würde man sie mit gewaffneter Hand dazu zwingen und die Ordnung wieder herstellen. Diese Antwort that Schuchart am Sonnabend Morgen von der Quinkschen Treppe dem versammelten Volke kund – Paul Florschüld ermahnte daselbe, die Waffen abzuliefern, denn 1.200 Pommern befänden sich auf dem Marsche hierher, auch Schuchart rieth dazu – aber jetzt zeigte es sich, daß die Herren etwas angefangen, dem sie nicht gewachsen waren, früher hatten diese beiden das größte Maul gehabt, jetzt, da ihnen das Herz in die Hose fiel, wollte das Volk davon nichts hören und als nun gar Buld von Hagen, de Bering von Menden u. Schlieper u. Vollmer auftraten und dem Volke in langen Reden bewiesen, daß sie die Waffen behalten müßten, denn der König habe nur wenige Soldaten und diejenigen, welche kommen, würden wieder zu ihnen übergehen u. sich mit ihnen vereinigen.
So blieb es also die Sache wie sie war, die Kanonen vom Limburger Schlosse wurden geholt u. eine davon vor dem Rathhause aufgepflanzt und geladen. Des Morgens ging der Lärm schon früh los – es wurde getrommelt, die [Seite] 271 Hagener schlugen immer Sturm, selbst mit den Glocken wurde Sturm geläutet, blos um zu bramarbasieren [Heldenmut in Worten zeigen, prahlen, einschüchtern wollen], denn einen eigentlichen Zweck hatte beides nicht.
Gegen 9 Uhr zogen die Hagener u. Limburger unter Anführung von Riepe aus, um die Soldaten in Lanschede zu beobachten, kamen aber jeden Abend unverrichteter Sache wieder zurück, indem die Soldaten sich noch nicht näherten u. wären 25 Mann über die Brücke gekommen, um sie anzugreifen, so würde, wie mir einer versicherte, der selbst auch einmal mit dabei gewesen, die ganze Insurgenten Arme [Bezeichnung für die Anführer und Aufrührer eines bewaffneten Aufstandes oder Aufruhres gegen eine bestehende zivile oder politsche Autorität] Reißaus genommen haben.
Der Thelegraph auf dem Fröndenberge war schon gleich im Anfange der Revolution seiner Flügel beraubt worden; und als der Kriegsminister Perspective verlangte, um den Feind da zu beobachten wo noch keiner war, so wurden auch diese weggeholt.
Kein Mensch durfte mehr aus der Stadt – nach allen Richtungen wurden Patrouillen ausgesandt, um diejenigen aufzufangen, die allenfalls noch fort wollten, nur gegen Erlaubniß Karten des Committés war es verstattet, die Stadt zu verlaßen, diese waren aber sehr schwer zu erhalten.
Jeden Morgen wurden durch Schellenruf alle waffenfähigen Männer aufgefordert, sich mit Waffen einzufinden und wer dies nicht that, der wurde geholt, so war also auch der gutgesinnte Bürger gezwungen, an diesen Thorheiten Theil zu nehmen. Auch wurde befohlen, jedermann solle nur bewaffnet auf die Straße erscheinen. Da nun Löbbecke dafür sorgte, daß hier in der Stadt keine Excesse verübt werden durften, so zogen mehrere bewaffnete Banden auf die Dörfer u. einzelnen Bauernhöfe u. ließen sich von den Bauern auftischen. [Seite] 272 In Deilinghofen wurden sie aber von den Bauern auf eine Art empfangen, daß sie nicht wagten ins Dorf zu kommen sondern wieder abzogen.
In den hiesigen Schnapsläden wurde von diesen Banden viel gesoffen ohne ans bezahlen zu denken u. wer dagegen etwas einwenden wollte, wurde gleich mit Kugeln bedacht, so waren sie den Tag über in Saus und Braus und Abends schliefen sie bei den Barikaden den Rausch aus. - So blieb es denn bis am Dienstag, wo Uneinigkeiten zwischen den Hagenern u. Iserlohnern entstanden, jeder schrieb sich die größten Verdienste zu, keiner wollte die ungeheuren Strapatzen umsonst ausgehalten haben, keinen Verdienst hätten sie auch gehabt u. Weiber u. Kinder schrien nach Brod, kurzum, Geld wollten sie haben. Das Kommitté beauftragte also den Bürgermeister u. Magistrat Geld zu schaffen, diese suchten dann bei den Kaufleuten ca. 2.000 Thlr zusammen zu bringen, die dann unter die Völker vertheilt wurden. - Nachdem die Hagener dieses erhalten, kamen sie am Abend nicht wieder zurück, sondern marschirten wieder nach Hagen, denn Riepe wird nun auch wohl bange geworden sein u. er eingesehen haben, daß er mit solch einer Bande nichts gegen das Militair auszurichten vermöge. - Einige von den Limburger Rothen, von einem abgesetzten versoffenen Polizeidiener angeführt, befanden sich aber noch hier und schon machte dieser Kerl Vorschläge, die Reichen zu brandschatzen u. wenn sie sich zu zahlen weigerten, sie am Quincker Balkon aufzuhängen, welches baldige Hülfe Noth that.
Schon kam die Nachricht, daß große Militairmassen sich in der Umgegend sammelten, schon fing an, der Muth zu sinken, da kam am Mittwoch Morgen der [Seite] 273 Chausseewärter Dickmann im Freischärlerkostüm zu Pferde an, und suchte die Volksmasse zu bereden, mit ihm nach Menden zu ziehen und das Militair anzugreifen, aber seine Rede u. sein ganzes Benehmen war so roh und brutal, daß die meisten Bürger zu Hause gingen und nur wenige (die Hefe) dieser Aufforderung Folge leisteten und sich vors Thor begaben, um von da abzumarschiren. Auf diese Art brachte er etwa 300 Mann zusammen, mit denen er abmarschirte. - Aber schon am Abend kam diese Expedition ganz zerstreut wieder an mit mehreren Verwundeten und einem Todten, den sie aber wegen eiliger Flucht im Stiche gelassen hatten. Bei ihrer Ankunft in der Gegend von Menden hatte sich das Militair daselbst in Bewegung gesetzt und als nun die Vorposten erschienen und feuerten, da hatte die ganze Dickmannsche Insurgentenschaar nichts eiligeres zu thun, als alle insgesamt nebst ihrem großmauligen Anführer Reißaus zu nehmen ohne einen Schuß zu thun. Dieses tragische Ende der Expedition war dann auch der Grund, daß es am Donnerstag Morgen ganz ruhig war, bis etwa gegen halb neun Uhr, als die gewisse Nachricht kam, daß das Militair von allen Seiten gegen die Stadt anrücke, sammelten sich doch noch mehrere verwegene Kerle und das Schießen in den Straßen nahm kein Ende, obgleich sich noch kein Soldat sehen ließ – die Barikaden waren leer und in den Straßen ließ sich fast niemand sehen, denn bei dem immerwährenden Schießen wagte sich niemand mehr aus dem Hause.
[Seite] 274 Alles war in der größten Spannung was es nun geben würde – alle werthvollen Gegenstände waren in die Keller geschafft, da bei etwaigem Widerstande leicht eine Beschießung der Stadt erfolgen konnte, allein die Sache ging viel leichter als man gedacht hatte, denn das Militair rückte fast ohne Widerstand in die Stadt und wenn nicht mehrere verwegene Kerle aus den Häusern auf dasselbe geschossen hätten, so würde es wahrscheinlich ganz ohne Blutvergießen abgegangen sein, so aber wurden die Soldaten wüthend, besonders als der Anführer der Füseliere des 24. Inf[antrie] Reg[iments], der Obristlieutnant v. Schröter, von einer Kugel tödlich getroffen wurde.
Aus dem Erkschen Hause vorm Wenmingser Thor schossen auch mehrere auf das Militair, da aber zwei Kanonenkugeln durch das Haus gejagt wurden, nahm alles Reißaus und war keine ganze Fensterscheibe mehr am ganzen Hause.
Ins Gesellschaftshause hatten sich auch mehrere von diesen Verwegenen gedrängt und aus den Fenstern geschossen, dies bekam ihnen aber sehr übel, die Soldaten holten sie heraus und schossen sie vor der Thür nieder. Auf ähnlich Art geschah dies an mehreren Orten, so daß im ganzen 27 erschossen wurden; unter diesen der Kaufmann Wallert [?], der auch aus dem Keller geschossen haben soll und Winzer, der sich zu früh bei einer Barrikade begeben in der Absicht, solche abzubrechen, der obenerwähnte Polizeidiener von Limburg, der aus dem Posthofe geschossen, wobei der Postmeister Baerns[?] beinahe das Leben verloren, indem die Soldaten glaubten, es wäre aus dem Hause geschossen worden – als sie aber den Uebelthäter erblickten, empfing er mehrere Schüsse, lebte aber [Seite] 275 unter den größten Schmerzen bis zum Abend, wo er elendiglich verschied.
Nie habe ich mich mehr gefreut als da ich die ersten Soldaten ums Rathhaus kommen sah, denn wirklich war die Furcht vor Plünderung von Seiten des Volkes allgemein und hatte sich ein jeder in seinem Hause so gut wie möglich verpallisedirt, als aber das Militair erschien, da wurden freudig die Thüren geöffnet u. weiße Tücher zu den Fernstern herausgehangen, die sich später in schwarz u. weiße Fahnen verwandelten.
Die Todten wurden alle in die oberste Stadtkirche geschafft und die Verwundeten werden wol nach Hause gekrochen sein.
Außer dem Obristlieutnant v. Schröder hatte das Militair nur noch einen Todten u. mehrere Verwundete, wovon nur einer starb, die übrigen aber bald wieder dem Regiment folgen konnten.
Nunmehr mußte alles, was sich auf der Straßen befand, die Barikaden abbrechen helfen u. Iserlohn nebst Umgegend wurde von dem kommandirenden General v. Annecke in Belagerungszustand erklärt. Eine Masse Truppen aller Art war in die Stadt gezogen, Infanterie, Garde, Landwehr, Husaren, Uhlanen, Atillerie mit vielen Kanonen u. Haubitzen, die sämtlich auf dem Markt aufgestellt waren; indes blieb nur ein kleiner Theil der Truppen hier, die übrigen zogen von hier nach Limburg, Hagen, Elberfeld u. weiter in die Pfalz u. nach Baden und wurden selbst diese wenigen in einigen Tagen durch das Bielefelder Landwehrbataillon abgelöst, welches während des Feldzugs in Baden unsere Garnison bildete.
Alle Gewehre mußten nunmehr sofort wieder [Seite] 276 abgeliefert werden – die Landwehr wurde zusammen berufen, erschien auch dem Befehle gehorsam und ging die Einkleidung und der Abmarsch derselben ganz ruhig von statten, anstatt daß aber andere Landwehrbataillone in Garnisonen blieben, mußte unser Bataillon zur Strafe mit nach der Pfalz u. Baden, wo mehrere Officire, Unter-Officire u. Gemeine ihren Todt fanden ohne der Verwundeten zu gedenken. Die Haupt Rädelsführer der Insurektion Schuchart, Riepe, La Bering, Welter, Schomburg, Schlieper, Vollmer u. mehrere andere, die sich beim Zeughaus ziemlich thätig bewiesen u. sich mehrere Excesse erlaubt, wurden verhaftet und anfangs auf dem Rathhause, später aber im Zeughause eingesperrt, wo sie beinahe 10 Monat gefangen gehalten wurden.
Vor der Affchen[?] zu Wesel wurden sie außer Vollmer und einigen anderen Proletariern, die ihren Kopf ins Loch halten mußten, alle freigesprochen – die übrigen, Butz u. Post von Hagen hatten nebst dem Chausseewärter Dickmann die Flucht ergriffen und sich später nach Amerika begeben.
Das war der Verlauf und das Ende einer Revolution, die mit Recht eine unsinnige genannt werden kann, denn welchen Erfolg konnte sich ein vernünftiger Mann wol versprechen, wenn sich ein paar so geringfügige Oerter als Iserlohn u. Hagen gegen die bestehende Regierung auflehnen? Aber sosehr kann der Freiheitsschwindel die Kühnsucht u. Herschbegierde der selbst sonst verständigen Menschen verblenden, daß er im Stande ist, das Volk mit Vorspiegelungen aller Art zu täuschen, durch kommunistische Verheißungen zu kirren und mit seiner Lage unzufrieden und wüthend zu machen. - Zu spät gewahrt er dann, daß ihm die Zügel entrissen und er nicht mehr im Stande ist, der Volkswuth Einhalt zu thun.
Glücklich, wenn dann die Regierung noch stark genug ist, durch Militair Gewalt die Ordnung wieder herzustellen. -
W[ilhel]m Sohn